Unternehmensspezifische Risiken und Chancen

Im folgenden Abschnitt wird auf die unternehmensspezifischen Risiken und Chancen des Daimler-Konzerns eingegangen. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.65 dargestellt.

B.65 Unternehmensspezifische Risiken/Chancen

Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
Produktions- und Technologierisiken Niedrig Hoch Produktions- und Technologiechancen Niedrig
Informationstechnische Risiken Niedrig Hoch Informationstechnische Chancen
Personalrisiken Mittel Niedrig Personalchancen
Risiken aus Beteiligungen Niedrig Mittel Chancen aus Beteiligungen Niedrig

Produktions- und Technologierisiken und -chancen

Wesentliche Erfolgsfaktoren bei der Durchsetzung des gewünschten Preisniveaus für die Produkte des Daimler-Konzerns und folglich für die Erreichung der Unternehmensziele sind das Markenimage, das Design, die Qualität und damit die Kundenakzeptanz der erzeugten Produkte sowie technische Merkmale auf der Basis innovativer Forschung und Entwicklung. Überzeugende Lösungen, die zum Beispiel ein unfallfreies Fahren unterstützen oder das Verbrauchs- und Emissionsverhalten der Produkte weiter verbessern, wie Hybrid- und Elektro­fahrzeuge, sind für eine sichere und nachhaltige Mobilität von zentraler Bedeutung. Innovationen und Technologiechancen zur fortschrittlichen und zukunftsfähigen Gestaltung der Produktpalette fließen in die strategische Produktplanung der automobilen Geschäftsfelder ein. Aufgrund der steigenden technischen Komplexität, des kontinuierlich wachsenden Umfangs an zu erfüllenden Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsanforderungen und des Anspruchs, die Qualitätsstandards des Daimler-Konzerns einzuhalten und stetig zu erhöhen, unterliegt die Einführung und Erstellung der Produkte in den automobilen Geschäftsfeldern jedoch auch Produktions- und Technologierisiken.

Im Rahmen von Produkteinführungen müssen die benötigten Bauteile und Ausstattungsumfänge verfügbar sein. Zur Vermeidung diesbezüglicher Restriktionen werden zugehörige Prozesse stetig evaluiert und verbessert. Um die langfristige Zukunftsfähigkeit der Produktionsanlagen zu sichern und auszubauen, erfolgen bei Bedarf Modernisierungen sowie Ausbau-, Aufbau- und Umstrukturierungsaktivitäten. Mit der Durchführung der Modernisierungsmaßnahmen und Neueinführung von Produkten sind in der Regel hohe Investitionen verbunden. Es kann dabei zum Beispiel aufgrund von Vorgaben, werkseitigen Umbaumaßnahmen sowie Verzögerungen in den Anlaufphasen einer Neuerung oder im Produktlebenszyklus zu Ineffizienzen im Produktionsprozess und in der Folge zu einer kurzfristigen Verringerung des Produktionsniveaus kommen. Durch den geplanten Anstieg der Batterieproduktion infolge der zunehmenden Elektrifizierung der Fahrzeugflotte können zudem anfängliche technische Probleme bei der Produktion der verschiedenen Batterietypen nicht ausgeschlossen werden. Betroffen sind automobile Geschäftsfelder, die aktuell ein Produkt neu einführen beziehungsweise eine Produkteinführung oder einen entsprechenden Produktionsaufbau geplant haben. Zu berücksichtigen sind hierbei auch Abhängigkeiten von Vertrags- und Kooperationspartnern sowie mögliche Veränderungen regionaler Rahmenbedingungen, die in die lokalen Entscheidungsprozesse einbezogen werden müssen.

Prinzipiell besteht die Gefahr, dass aufgrund von Infrastrukturproblemen, einer geringen Anlagenverfügbarkeit oder Ausfällen bei Produktions- oder Fabrikanlagen intern Engpässe entstehen und folglich Kosten anfallen. Bei parallelem Ausfall mehrerer Anlagen könnten sich entsprechende Effekte summieren. Diese Risiken bestehen vorrangig für das Segment Mercedes-Benz Cars. Die Produktionsanlagen werden fortwährend gewartet und modernisiert. Für potenziell betroffene Anlagen werden präventiv Ersatzteile vorgehalten sowie bei Bedarf redun­dante Maschinen beschafft.

Die fehlende Verfügbarkeit von Fahrzeugkomponenten zum richtigen Zeitpunkt, Kapazitätsrestriktionen in der Produktion von Batterien, Unterbrechungen in der Zulieferkette sowie mögliche Ausfälle in der Versorgung durch Energieanbieter können insbesondere im Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars Engpässe hervorrufen. Im Segment Daimler Trucks bestehen aufgrund der hohen Produktionsauslastung weitere Risiken im Zusammenhang mit potenziellen Engpässen bei Komponenten für schwere Nutzfahrzeuge. Durch die Ausweitung der Produktion im Segment Mercedes-Benz Vans könnten eine temporäre Erhöhung der Belegschaft sowie Zusatzschichten in den Produktionsstätten notwendig werden. Zur Vermeidung solcher Engpasssituationen wird Wert darauf gelegt, dass Kapazitätsengpässe durch vorausschauende Planung ausgeglichen werden können. Zudem werden im Rahmen des Managements der gesamten Wertschöpfungskette Zulieferwege sowie die Lieferbarkeit und Qualität von Produkten kontinuierlich überwacht. Zur Risikoprävention besteht ein Lieferantenmanagement mit dem Ziel der Produktionsabsicherung durch quantitative und qualitative Sicherstellung der Lieferfähigkeit der Lieferanten. Durch den Bezug von Komponenten aus anderen Werken können darüber hinaus mögliche Engpässe reduziert werden und aufgrund der steigenden Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen zu Chancen im Segment Daimler Trucks führen.

Garantie- und Kulanzfälle könnten im Daimler-Konzern entstehen, wenn die Qualität der Produkte nicht den Anforderungen entspricht, Vorschriften nicht vollständig eingehalten werden oder die Unterstützung bei Problemen und der Pflege der Produkte nicht in der benötigten Form gewährt werden kann. Auch Qualitätsprobleme bei in Fahrzeugen verbauten Zulieferteilen können technische Anpassungen erfordern, die zu erheblichen finanziellen Belastungen führen können. Mögliche Ansprüche werden beim Auftreten solcher Risiken geprüft und bei Bedarf notwendige Maßnahmen, bezogen auf betroffene Produkte, eingeleitet. Bei Nichterfüllung der hohen technischen Qualitätsansprüche von fremdbezogenen Komponenten kann es zudem zu Forderungen von Daimler gegenüber dem jeweiligen Lieferanten kommen.

Die Produktions- und Technologierisiken sind segmentübergreifend bezogen auf das Ausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit gegenüber dem Vorjahr unverändert.

Informationstechnische Risiken und Chancen

Die bei Daimler konsequent verfolgte Digitalisierungsstrategie bietet neue Möglichkeiten für die Steigerung des Kundennutzens und des Unternehmenswerts. Damit verbunden sind auch Risiken, die sich aus der zunehmenden informationstechnischen Abhängigkeit der Produkte sowie der Geschäfts- und Produktionsprozesse ergeben. Hinzu kommen spezifische Risiken aufgrund der Verwendung und Verfügbarkeit neuer Technologien im Rahmen der Digitalisierung, die unter anderem die Produkte, deren Nutzung oder das operative Geschäft beeinträchtigen können. Darüber hinaus können Risiken aus Cyber-Kriminalität und Hacker-Angriffen nicht ausgeschlossen werden.

Für den global agierenden Daimler-Konzern ist es von zentraler Bedeutung, dass Informationen aktuell, vollständig und korrekt vorgehalten und ausgetauscht werden können. Hierfür müssen, dem Schutzbedarf der Informationen entsprechend, gesicherte IT-Systeme und eine zuverlässige IT-Infrastruktur betrieben werden. Risiken müssen über den gesamten Lebenszyklus der Applikationen und IT-Systeme hinweg identifiziert, beurteilt und entsprechend ihrer Kritikalität bearbeitet werden. Besondere Aufmerksamkeit wird Risiken gewidmet, die im Schadensfall eine Unterbrechung der Geschäftsprozesse aufgrund von IT-System-Ausfällen sowie den Verlust und die Verfälschung von Daten zur Folge haben.

Aufgrund der wachsenden Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten hat Daimler vielfältige präventive und korrektive Maßnahmen definiert, um damit verbundene Risiken zu minimieren sowie mögliche Schäden zu begrenzen. Diese Maßnahmen werden laufend an die sich verändernden Umstände angepasst. Zum Beispiel minimiert der Konzern potenzielle Störungen der betrieblichen Abläufe in Rechenzentren durch gespiegelte Datenbestände, dezentrale Datenhaltung, ausgelagerte Datensicherung und hochverfügbar ausgelegte IT-Systeme. Es werden Notfallpläne erstellt, Mitarbeiter geschult und sensibilisiert sowie weitere technische und organisatorische Vorkehrungen getroffen, um handlungsfähig zu bleiben. In einem zentralen Cyber Security Center werden spezifische Bedrohungen analysiert und Gegenmaßnahmen koordiniert. Der Schutz der Produkte und Dienstleistungen vor Gefährdungen durch Hacker-Angriffe und Cyber-Kriminalität wird kontinuierlich ausgebaut.

Trotz aller Vorkehrungen können Störungen in der Informationsverarbeitung und dadurch negative Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse und auf IT-basierte Dienstleistungen nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Insbesondere infolge einer geänderten Risikolage bezogen auf Cyber-Kriminalität und Hacker-Angriffe hat sich das Ausmaß der informationstechnischen Risiken im Vergleich zum Vorjahr von »Mittel« auf »Hoch« erhöht.

Personalrisiken und -chancen

Der Erfolg des Daimler-Konzerns ist wesentlich von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deren Know-how abhängig. Täglich bringen sie sich mit ihren Vorstellungen und Ideen in die jeweiligen Tätigkeiten und Arbeitsprozesse ein und tragen damit wesentlich zu Verbesserungen und Innovationen bei.

Der Wettbewerb um hoch qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte ist in der Branche und in den Regionen, in denen Daimler tätig ist, nach wie vor sehr stark. Der künftige Erfolg hängt auch davon ab, inwiefern es gelingt, Fachpersonal einzustellen, zu integrieren und dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Die etablierten Personalinstrumente berücksichtigen solche bestehenden Personalrisiken, tragen zu einer gezielten Nachwuchs- und Know-how-Sicherung sowie zur Transparenz über die Ressourcen bei. Ein Schwerpunkt des Personalmanagements liegt in der zielgerichteten Personalentwicklung und Weiterbildung der Belegschaft des Unternehmens. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren dabei unter anderem von den Angeboten der Daimler Corporate Academy und der Transparenz, die im Rahmen des Performance-Managements geschaffen wird. Um als Unternehmen weiterhin erfolgreich zu bleiben, werden in einem konzernweiten Projekt darüber hinaus Führungskultur und -prinzipien weiterentwickelt.

Die demografische Entwicklung zwingt das Unternehmen, mit den Veränderungen durch eine älter werdende Belegschaft umzugehen und einen qualifizierten Fach- und Führungskräftenachwuchs zu sichern. Dies wird durch Maßnahmen im Generationenmanagement adressiert, die der Tragweite der Personalengpässe mit einer Einflussnahme auf die unternehmerische Tätigkeit und folglich auch auf das Ergebnis des Daimler-Konzerns gegensteuern sollen.

Risiken im Kontext von Verhandlungen über tarifliche Rahmenbedingungen und damit verbundenen möglichen Produktionsausfällen sind in Deutschland erst für das Jahr 2020 in größerem Umfang zu erwarten.

Eine segmentierte Beurteilung der Personalrisiken wird nicht vorgenommen, da sich die beschriebenen Risiken primär auf kein bestimmtes Geschäftssegment beziehen, sondern jeweils regional eine segmentübergreifende Gültigkeit haben. Die Eintrittswahrscheinlichkeit der Personalrisiken hat sich im Vergleich zum Vorjahr von »Niedrig« auf »Mittel« erhöht. Das Ausmaß bleibt unverändert.

Risiken und Chancen aus Beteiligungen

Die Zusammenarbeit mit Partnern in Beteiligungen (assoziierten Unternehmen, Gemeinschaftsunternehmen und gemeinschaftlichen Tätigkeiten) und Kooperationen ist für Daimler von zentraler Bedeutung. Neben einem besseren Zugang zu Wachstumsmärkten und neuen Technologien dienen Beteiligungen und Kooperationen der Nutzung von Synergieeffekten und der Verbesserung von Kostenstrukturen, um der Wettbewerbssituation in der Automobilindustrie erfolgreich zu begegnen. Über Investitionen in Start-ups fördert Daimler innovative Ansätze in vielen Bereichen des Konzerns.

Der Daimler-Konzern partizipiert grundsätzlich entsprechend seiner jeweiligen Anteilsquote an den Risiken und Chancen aus Beteiligungen.

Durch die Neubewertung einer Beteiligung können sich Risiken und Chancen bezogen auf den Beteiligungsbuchwert für das Segment, dem die Beteiligung zugerechnet wird, ergeben. Auch aus der Geschäftstätigkeit, einem Verkauf oder Kauf einer Beteiligung können finanzielle Verpflichtungen oder ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf, aber auch potenzielle Chancen – beispielsweise im Zusammenhang mit Mobilitätsdienstleistungen – entstehen. Entsprechende Risiken sind auch generell mit Investitionen in Start-ups verbunden, deren weitere Entwicklung noch nicht vollständig absehbar ist. Risiken aus Beteiligungen und Kooperationen bestehen bei den Segmenten Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks, Mercedes-Benz Vans und Daimler Financial Services sowie bei direkt dem Konzern zugerechneten Beteiligungen. Beteiligungen unterliegen einem Überwachungsprozess, um bei Bedarf zeitnah entscheiden zu können, ob Maßnahmen zur Unterstützung oder Sicherung der Profitabilität ergriffen werden sollen. Auch die Werthaltigkeit der Investitionen wird regelmäßig überwacht.

Die Risiken und Chancen aus Beteiligungen und Kooperationen sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

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Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen