Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen

Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen des Daimler-Konzerns werden nachfolgend erläutert. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.64 dargestellt.

B.64 Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen

Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
Allgemeine Marktrisiken Niedrig Hoch Allgemeine Marktchancen Niedrig
Risiken in Verbindung mit der
Leasing- und Absatzfinanzierung
Niedrig Niedrig Chancen in Verbindung mit der
Leasing- und Absatzfinanzierung
Niedrig
Risiken aus dem Beschaffungsmarkt Mittel Hoch Chancen aus dem Beschaffungsmarkt Mittel
Risiken infolge gesetzlicher
und politischer Rahmenbedingungen
Mittel Hoch Chancen infolge gesetzlicher
und politischer Rahmenbedingungen
Niedrig

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen stellen die Rahmenbedingungen für die in den nachfolgenden Kategorien genannten Risiken und Chancen dar und fließen als Prämissen in die Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ein. Der gesamtwirtschaftliche Rahmen hat maßgeblichen Einfluss auf die automobilen Absatzmärkte und damit auf den Erfolg des Konzerns.

Wie die Mehrzahl der Wirtschaftsforschungsinstitute erwartet Daimler, dass sich der Aufschwung der Weltwirtschaft auch 2019 fortsetzt, wenngleich mit geringerer Dynamik als in den beiden Vorjahren. Der Konjunkturverlauf im Jahr 2018 ist im Kapitel »Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Geschäftsverlauf« dieses Lageberichts ausführlich beschrieben; die Wachstumsannahmen für 2019 werden im »Prognosebericht« erörtert.

Die volkswirtschaftlichen Risiken und Chancen sind an Annahmen und Prognosen über die Gesamtentwicklung gekoppelt. Das Verhältnis von Chancen und Risiken erscheint zum Jahresbeginn 2019 etwas ungünstiger als noch im Vorjahr.

Die Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und China ist weiterhin eines der Hauptrisiken. Aber auch die drohenden US-Zölle auf Fahrzeug- und Teileimporte aus anderen Märkten, unter anderem der EU, könnten existierende globale Wertschöpfungsketten beeinträchtigen und sich negativ auf die Absatzmöglichkeiten und die wirtschaftliche Entwicklung auswirken. Zudem besteht die Gefahr, dass Länder verstärkt protektionistische Maßnahmen wie konkrete Marktzugangsbarrieren oder industriepolitische Konzepte implementieren. Sollten sich diese Handelsspannungen ausweiten und den Welthandel massiv beeinträchtigen, hätte dies signifikante Auswirkungen auf Inflation, Geschäftsklima, Verbrauchervertrauen und letztendlich das Weltwirtschaftswachstum. Im Gegenzug könnten unvorhergesehene Handelserleichterungen positive Impulse setzen und zu mehr Handel und höherem Wachstum führen. Auch der Daimler-Konzern könnte in diesem Fall von den präferentiellen Handelsbedingungen profitieren.

In den USA könnte die Wirtschafts- und Fiskalpolitik expansiver ausfallen, als bisher angenommen wird. Da der Daimler-Konzern insbesondere in den Geschäftsfeldern Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks und Daimler Financial Services einen beträchtlichen Teil seines Umsatzes in den USA erzielt, hätten diese Entwicklungen erhebliche Konsequenzen für den Konzern­erfolg. Darüber hinaus hätte ein höheres Wachstum in den USA auch Ausstrahlungseffekte auf den Rest der Welt. Die Kehrseite einer solchen expansiven Fiskalpolitik ist eine weitere Verschärfung der Verschuldungssituation der USA sowie das Risiko, dass die Inflation kräftiger ansteigt, als derzeit erwartet wird, nicht zuletzt aufgrund steigender Löhne und eines Arbeitsmarktes nahe der Vollbeschäftigung. Dies würde die US-Zentralbank zwingen, die Leitzinsen deutlicher als vom Markt erwartet anzuheben, was die Binnennachfrage unmittelbar schwächen würde. Als weitere Folge könnten zunehmende Volatilitäten an den Finanzmärkten das Investorenvertrauen beschädigen und zu weitreichenden Abverkäufen führen und damit eine Kettenreaktion an den Aktienmärkten in Gang setzen mit starken Marktkorrekturen und Phasen außerordent-licher Volatilität an den globalen Finanzmärkten.

In Europa stellt vor allem die weitere Ausgestaltung der Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien ein bedeutendes Risiko dar. Sofern das ausgehandelte Austrittsabkommen nicht vom britischen Parlament verabschiedet wird und es im Zuge dessen weder zu Nachverhandlungen des Abkommens noch zu einer gänzlichen Abkehr vom Brexit kommt, ist ein ungeordneter Austritt im Frühjahr 2019 zumindest möglich. Dies hätte massive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft des Vereinigten Königreichs und, vermutlich in geringerem Maße, auch auf die verbleibenden EU-Mitgliedsstaaten und würde die Handelsbedingungen erschweren. Sollten darüber hinaus die Finanzmarktteilnehmer nicht ausreichend vorbereitet sein, sind spürbare Verwerfungen an den Märkten nicht auszuschließen, was mit deutlichen negativen Auswirkungen auf die Realwirtschaft einherginge. Im Euroraum könnte zudem eine erhöhte politische Unsicherheit, beispielsweise infolge der Entwicklungen in Italien, negative Auswirkungen auf Konsum- und Investitionsentscheidungen von Haushalten und Unternehmen haben. Der europäische Markt ist für Daimler über alle Geschäftsfelder hinweg auch künftig von großer Bedeutung.

Aufgrund der zentralen Bedeutung Chinas als Wachstumstreiber der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren ist in einem konjunkturellen Einbruch der chinesischen Wirtschaft ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft zu sehen. Der seit der globalen Finanzkrise zu beobachtende deutliche Anstieg der Verschuldung, vor allem im Unternehmenssektor, stellt hier ein deutliches Risiko dar. Sollten die Anstrengungen der Regierung, das Kreditwachstum einzudämmen, in Kombination mit den negativen Auswirkungen der US-Zölle auf den chinesischen Exportsektor, zu einer deutlicheren Wachstumsverlangsamung führen als aktuell angenommen, hätte das eine spürbare Abkühlung der Weltkonjunktur zur Folge. In China selbst könnte es infolge der Wachstumsverlangsamung zu einer übermäßigen Zunahme von Kreditausfällen kommen, die wiederum zu Turbulenzen im Bankensektor und an den Finanzmärkten führen würden. Insbesondere das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars, für das China inzwischen der mit Abstand größte Einzelmarkt ist, müsste in diesem Fall mit deutlichen negativen Auswirkungen auf seinen Absatz rechnen. Hingegen könnte das Wachstum 2019 infolge angekündigter Stimulusmaßnahmen der chinesischen Regierung auch kräftiger ausfallen als erwartet. Der daraus resultierende höhere Zuwachs beim gesamtwirtschaftlichen Konsum böte als Folge weitere Chancen – insbesondere für das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars.

Der Druck auf die Gruppe der Schwellenländer könnte sich weiter verschärfen, falls noch weitere Länder von massiven Kapitalabflüssen und Wechselkursverlusten betroffen wären oder sich die Währungskrisen in Argentinien und der Türkei zu ausgeprägten Bankenkrisen ausweiteten. In derartigen Fällen würden globale Investoren auf breiter Front Kapital aus den Schwellenländern abziehen, was vor allem Länder mit großen außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten zu schmerzhaften Anpassungen zwingen dürfte. Erneute Finanzmarktturbulenzen und Währungskrisen sind mögliche Konsequenzen und könnten die Konjunktur in den betroffenen Volkswirtschaften massiv belasten. Auch ein geringeres Welthandelswachstum und niedrigere Rohstoffpreise (unter anderem ein Einbruch der Rohölpreise) als derzeit vorhergesagt hätten negative Wachstumseffekte für Rohstoffexporteure. Da Daimler in diesen Ländern schon sehr aktiv ist, beziehungsweise diese Märkte eine strategische Rolle spielen, hätte dies für die Absatzaussichten des Konzerns negative Folgen. Importabhängige Volkswirtschaften, wie zum Beispiel Indien, würden hingegen von niedrigeren Rohstoffpreisen profitieren. Ein zu starker und sprunghafter Anstieg der Rohölpreise etwa infolge geopolitischer Spannungen würde hingegen den Inflationsdruck erhöhen, die Zentralbanken zu einer schnelleren Zinserhöhung veranlassen und sich auch negativ auf Stimmungsindikatoren und Konsumverhalten auswirken.

Angesichts der noch immer positiven wirtschaftlichen Situation in weiten Teilen der Welt besteht die Chance, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2019 doch kräftiger wächst als bislang angenommen. Eine stärkere Zunahme der weltweiten Nachfrage würde ebenfalls die Rohstoffpreise weiter stützen und hätte positive Auswirkungen auf Rohstoffexporteure in Südamerika, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika.

Weitere Risiken liegen in geopolitischen Spannungen oder terroristischen Attentaten oder Übergriffen in Europa oder anderen großen Volkswirtschaften, die die Weltwirtschaft und die internationalen Kapitalmärkte nachhaltig negativ beeinflussen können.

Allgemeine Marktrisiken und -chancen

Risiken und Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung auf den Automobilmärkten sind maßgeblich durch die in den vorhergehenden Abschnitten beschriebene konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft beeinflusst. Die Beurteilung marktwirtschaftlicher Risiken und Chancen ist an Annahmen und Prognosen über die Gesamtmarktentwicklung in den Regionen gekoppelt, in denen der Daimler-Konzern tätig ist. Die Möglichkeit, dass sich Märkte gegenüber der Planung besser oder schlechter entwickeln oder Marktbedingungen sich verändern, besteht grundsätzlich für alle Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns.

Potenzielle Auswirkungen der Risiken auf die Absatzentwicklung werden dabei in Risikoszenarien erfasst. Die Risiken können Veränderungen, bezogen auf die geplante Geschäftstätigkeit, die zugehörigen Fahrzeugabsätze und –bestände sowie das After-Sales-Geschäft, bewirken. Ursachen können dabei insbesondere das zum Teil instabile makroökonomische Umfeld sowie politische oder wirtschaftliche Unsicherheiten sein. Auch ein steigender Ölpreis und volatile Wechselkurse können zu einer Verunsicherung der Märkte und damit zu einer sinkenden Nachfrage führen. Unterschiede zwischen den Geschäftsfeldern gibt es aufgrund der teilweise abweichenden regionalen Tätigkeitsschwerpunkte der einzelnen Segmente. Auch die Diskussionen um die Zukunft der Dieseltechnologie und die damit verbundenen Unwägbarkeiten können für eine Veränderung der Kundennachfrage sorgen, die sich negativ auf den Absatz von Dieselfahrzeugen auswirken und damit mögliche Ergebniseinbußen zur Folge haben kann. Die Markt-, Absatz- und Bestandsentwicklung wird von den Geschäftsfeldern kontinuierlich analysiert und überwacht; gegebenenfalls werden spezifische Marketing- und Vertriebsprogramme aufgesetzt.

Volatilitäten in Bezug auf die Entwicklungen der Märkte können auch dazu führen, dass sich der Gesamtmarkt oder regionale Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie besser entwickeln als in den internen Prognosen und Prämissen angenommen und in marktwirtschaftliche Chancen münden. Auch aus einer Verbesserung der Wettbewerbssituation oder einer positiven Nachfrageentwicklung der Geschäftsfelder können sich Chancen ergeben. Die bestehenden Marktchancen der Geschäftsfelder des Daimler-Konzerns können jedoch nur genutzt werden, wenn die Produktion hierauf ausgerichtet werden kann und regionale Rahmenbedingungen dies ermöglichen. Zudem müssen Lücken zwischen Nachfrage und Angebot rechtzeitig erkannt und abgedeckt werden. Die durch den Daimler-Konzern initiierbaren Maßnahmen zur Nutzung des Chancenpotenzials umfassen eine Kombination aus dezentralen Vertriebs- und Marketingaktionen sowie zentralen, strategischen Produkt- und Kapazitätsplanungen.

Da die Zielerreichung des Geschäftsfelds Daimler Financial Services eng mit dem Geschäftsverlauf der automobilen Geschäftsfelder verbunden ist, spiegeln sich bestehende Volumenrisiken und -chancen auch im Segment Daimler Financial Services wider.

Aufgrund der zum Teil angespannten wirtschaftlichen Lage einiger Händler und Fahrzeugimporteure könnten Unterstützungsleistungen notwendig werden, um die Leistungsfähigkeit der Geschäftspartner sicherzustellen. Die Ursache der Risiken liegt in deren jeweiligem Risikoumfeld sowie in den getätigten, notwendigen Infrastrukturinvestitionen für den Verkauf neuer Produkte. Unterstützungsleistungen können die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage der automobilen Geschäftsfelder belasten. Weitere Risiken können sich aus der Abhängigkeit von bestimmten Händlern ergeben. Unter Umständen müssen Beziehungen zu weiteren Geschäftspartnern aufgebaut werden. Die finanzielle Lage strategisch relevanter Händler und Fahrzeugimporteure wird kontinuierlich überwacht. Im Bedarfsfall können Anpassungen der Zahlungsmodalitäten vorgenommen werden. Entsprechende Risiken bestehen für Händler und Fahrzeugimporteure der Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks und Mercedes-Benz Vans.

Das erfolgreiche Produktportfolio des Daimler-Konzerns trägt zu einer vorteilhaften Positionierung gegenüber den Wettbewerbern bei. Ein möglicherweise steigender Wettbewerbs- und Preisdruck betrifft vor allem die Segmente Mercedes-Benz Cars und Daimler Trucks. Hierbei können aufgrund einer aggressiven Preispolitik, der Einführung neuer Produkte durch Wettbewerber oder des Preisdrucks in Bezug auf das After-Sales-Geschäft gegebenenfalls Preise nicht wie erwartet durchgesetzt werden. Es ist möglich, dass daraus reduzierte Erträge resultieren, die geplante Profitabilität der Produkte nicht erreicht wird oder Marktanteile schrumpfen. Der Umfang der Risiken orientiert sich dabei an der Größe des Absatzvolumens eines Geschäftsfelds. Zur frühzeitigen Erkennung zugehöriger Risiken wird ein kontinuierliches Monitoring der Wettbewerber durchgeführt. Je nach Ausprägung werden produktspezifische und gegebenenfalls regional unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, um absatzschwächere Märkte zu unterstützen. Hierzu gehören beispielsweise die Nutzung neuer Vertriebskanäle, Maßnahmen zur Stärkung des Markenbewusstseins und der Markentreue sowie Verkaufs- und Marketingaktionen. Zudem setzt Daimler unterschiedliche Programme zur Verkaufsförderung ein, die finanzielle Anreize für Kunden beinhalten.

Weitere Risiken bei Mercedes-Benz Cars, Mercedes-Benz Vans und Daimler Financial Services betreffen die Entwicklung der Gebrauchtwagenmärkte und damit die Restwerte der produzierten Fahrzeuge. Insbesondere die bestehenden Unsicherheiten im Zusammenhang mit Dieselfahrzeugen können sich negativ auf die Restwerte auswirken. Im Rahmen des etablierten Restwertmanagementprozesses werden auf lokaler und zentraler Ebene regelmäßig bestimmte Annahmen über das erwartete Preisniveau getroffen, auf deren Basis die Rückläufe aus Leasinggeschäften bewertet werden. Sollte aufgrund sich verändernder Marktentwicklungen eine negative Abweichung von Annahmen eintreten, besteht das Risiko niedrigerer Fahrzeugrestwerte. Die Maßnahmen umfassen je nach Region und aktueller Marktlage grundsätzlich die kontinuierliche Marktüberwachung sowie gegebenenfalls Preissetzungsstrategien oder absatzfördernde Maßnahmen zur Regulierung der Fahrzeugbestände. Die Prognosequalität der Markteinschätzung wird durch regelmäßige Vergleiche von internen und externen Quellen verifiziert, und die Restwertsetzung wird bei Bedarf angepasst sowie methodisch, prozessual und systemseitig weiterentwickelt. Chancen aus einer positiven Entwicklung der Restwerte können sich hingegen aus einem günstigen Markt­umfeld für Gebrauchtfahrzeuge sowie einer Verringerung der gewährten Rabatte für Neufahrzeuge ergeben.

Darüber hinaus besteht für die Gesellschaften bei Daimler Financial Services, die gewerbliches Fuhrpark- und Leasingmanagement betreiben, ein Restwertrisiko aus Fremdfahrzeugen, da für den größten Teil der Fahrzeuge keine Restwertgarantien der Hersteller vorliegen. Dem Restwertrisiko wird durch eine hohe Diversifikation bezüglich Marken, Regionen, Kunden und Laufzeiten Rechnung getragen. Die Gebrauchtfahrzeugpreise werden laufend sowohl lokal als auch zentral überwacht, um das Restwertrisiko durch den Verfall von Marktpreisen rechtzeitig zu prognostizieren und gegebenenfalls geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Die segmentübergreifende Einschätzung der allgemeinen Marktrisiken ist gegenüber dem Vorjahr unverändert. Das Ausmaß der marktwirtschaftlichen Chancen reduziert sich hingegen aufgrund der zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten von »Hoch« auf »Niedrig«.

Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft

Im Zusammenhang mit der Veräußerung von Fahrzeugen bietet Daimler seinen Kunden auch vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten an – vor allem die Finanzierung oder das Leasing von Konzernprodukten. Die daraus resultierenden Risiken für das Segment Daimler Financial Services liegen vor allem in einer Verschlechterung der Bonität der Kreditnehmer, sodass Forderungen aufgrund der Zahlungsunfähigkeit von Kunden ganz oder teilweise uneinbringlich werden können (Adressenausfall- oder Kreditrisiko). Daimler begegnet den Kreditrisiken mit Bonitätsprüfungen auf Basis standardisierter Scoring- und Ratingverfahren, der Besicherung der Forderungen und einem leistungsfähigen Risikomanagement mit einem starken Augenmerk auf das Monitoring von sowohl internen als auch makroökonomischen Frühwarnindikatoren. Sonstige Risiken im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft betreffen mögliche höhere Refinanzierungskosten infolge von Zinsänderungen (Zinsänderungsrisiko).

Bei einer Anpassung der Kreditkonditionen für Kunden im Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft aufgrund höherer Refinanzierungskosten können sich das Neugeschäft und das Vertragsvolumen von Daimler Financial Services und auch der Absatz der automobilen Geschäftsfelder verringern. Risiken und Chancen ergeben sich zudem aus einer nicht fristenkongruenten Refinanzierung. Durch eine auf die Laufzeiten der Finanzierungsverträge abgestimmte Refinanzierung wird das Risiko der Fristeninkongruenz sowohl unter Zins- als auch unter Liquiditätsgesichtspunkten minimiert. Verbleibende Zinsänderungsrisiken werden durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente gesteuert. Weitere Informationen zum Kreditrisiko und zu den risikobegrenzenden Maßnahmen des Konzerns können dem Konzernanhang entnommen werden.

Mögliche Restwertrisiken für die automobilen Geschäftsfelder und die Gesellschaften im Geschäftsfeld Daimler Financial Services, die gewerbliches Fuhrpark- und Leasingmanagement betreiben, sind im Abschnitt »Allgemeine Marktrisiken und -chancen« beschrieben.

Das Ausmaß der Risiken und Chancen sowie die Eintrittswahrscheinlichkeit der Risiken im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft werden unverändert als »Niedrig« eingeschätzt.

Beschaffungsmarktrisiken und -chancen

Die Risiken auf der Beschaffungsseite ergeben sich für die automobilen Geschäftsfelder insbesondere aus den Schwankungen bei Rohstoff- und Energiepreisen. Daneben bestehen Risiken aus finanziellen Engpässen bei Lieferanten, Kapazitätsengpässen durch den Ausfall von Lieferanten sowie aus der Unterauslastung von Produktionskapazitäten bei Lieferanten. Auch Unstimmigkeiten mit Lieferanten hinsichtlich der vereinbarten Preisgestaltung von Lieferungen sowie der gelieferten Qualität können zu Beschaffungsmarktrisiken führen. Die Risikosituation hat sich in Bezug auf das Ausmaß im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Die Eintrittswahrscheinlichkeit erhöht sich hingegen durch drohende Zollerhöhungen auf bestimmte Rohstoffe von »Niedrig« auf »Mittel«. Chancen auf den Rohmaterialmärkten bestehen weiterhin aufgrund von positiven Preisentwicklungen bei relevanten Rohmaterialien. Im Vergleich zum Vorjahr erhöht sich deren Ausmaß durch optimistischere Annahmen über die künftige Entwicklung der Rohstoffpreise von »Niedrig« auf »Mittel«.

Die Rohmaterialpreise im Jahr 2018 waren weiterhin von deutlicher Volatilität geprägt. Aufgrund von weitestgehend unveränderten makroökonomischen Rahmenbedingungen werden in naher Zukunft Preisschwankungen mit unsicheren und uneinheitlichen Trends erwartet. So können die Rohstoffmärkte von politischen Krisen und Unsicherheiten – verbunden mit möglichen Versorgungsengpässen – sowie von der volatilen Nachfrage nach vereinzelten Rohmaterialien beeinflusst werden. Auch potenzielle Erhöhungen der Zölle auf bestimmte Rohstoffe infolge der weltweit zunehmenden protektionistischen Tendenzen können einen negativen Einfluss auf die Preisentwicklung haben. Generell sind der Weitergabe der Rohstoff- und Materialverteuerungen über höhere Preise für die hergestellten Fahrzeuge enge Grenzen gesetzt, da auf den internationalen Automobilmärkten ein ausgeprägter Konkurrenzdruck herrscht.

Das Lieferantenrisikomanagement zielt darauf ab, mögliche finanzielle Engpässe bei Lieferanten frühzeitig zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten. Auch nach den zurückliegenden Krisenjahren ist die Situation bei einigen Lieferanten aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks weiterhin angespannt. Dies hat dazu geführt, dass einzelne oder gemeinschaftliche Unterstützungsmaßnahmen seitens der Fahrzeughersteller notwendig wurden, um deren Produktion und Absatz sicherzustellen. Im Rahmen des Lieferantenrisikomanagements werden in Abhängigkeit von erfassten Warnsignalen und der internen Einstufung regelmäßige Berichtstermine für Lieferanten vereinbart, an denen wichtige Leistungskennziffern an Daimler berichtet und bei Bedarf etwaige Stützungsmaßnahmen bestimmt werden können.

Durch die geplante Elektrifizierung neuer Baureihen und einer Verschiebung der Kundennachfrage von Diesel- zu Benzinmotoren besteht insbesondere im Segment Mercedes-Benz Cars das Risiko eines veränderten Lieferabrufs an fremdbeschafften Teilen von Lieferanten durch Daimler. Für bestimmte Lieferanten könnte dies eine Über- oder Unterauslastung von Produktionskapazitäten zur Folge haben. Bei Fixkostenunterdeckungen besteht das Risiko, dass Lieferanten eine Kompensationszahlung einfordern könnten. Auch notwendige Kapazitätserweiterungen bei Lieferanten könnten eine kostenseitige Beteiligung erfordern.

Risiken und Chancen infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen

Die Automobilindustrie unterliegt weltweit umfassender staatlicher Regulierung. Gesetzliche und politische Rahmenbedingungen haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf den künftigen Geschäftserfolg von Daimler. Dabei spielen insbesondere die Emissions-, Verbrauchs- und Zertifizierungsbestimmungen sowie Zollprozeduren für Fahrzeuge eine wichtige Rolle. Um die vielfältigen und weltweit oftmals divergierenden Regelungen einzuhalten, sind erhebliche Anstrengungen seitens der Automobilindustrie erforderlich. Daimler erwartet, dass der Konzern in Zukunft einen noch höheren Anteil des Forschungs- und Entwicklungsbudgets für die Erfüllung dieser Anforderungen aufwenden wird. Die Eintrittswahrscheinlichkeit der Risiken aus gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen hat sich von »Niedrig« auf »Mittel« erhöht. Ursächlich hierfür sind insbesondere Risiken infolge von erschwerten Zertifizierungsprozessen und Verzögerungen von Zertifizierungen sowie drohende Zollerhöhungen. Das Ausmaß der Risiken bleibt unverändert »Hoch«. Das Ausmaß der Chancen wird unverändert als »Niedrig« eingeschätzt.

Viele Länder und Regionen haben bereits strengere Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen erlassen oder bringen aktuell entsprechende Gesetzesvorgaben auf den Weg, zum Beispiel zur Umweltverträglichkeit von Automobilen, einschließlich der Emissionswerte, der Treibstoffeffizienz und der Lärmgeräusche, sowie zum Schadstoffgehalt der Emissionen, der von Produktionsstandorten verursacht wird. Die Nichteinhaltung der einschlägigen Vorschriften in den einzelnen Regionen kann unter Umständen mit erheblichen Strafen und Reputationsrisiken verbunden sein und sogar so weit führen, dass Fahrzeuge in den betroffenen Märkten nicht oder nicht mehr zugelassen werden können. Die Kosten für die Einhaltung dieser Vorschriften insbesondere für die konventionellen Antriebe sind erheblich und Daimler erwartet in diesem Zusammenhang einen weiteren Anstieg der Kosten.

Im Segment Mercedes-Benz Cars bestehen Risiken aus Regelungen zum Flottendurchschnittsverbrauch beziehungsweise zum CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen insbesondere in den Märkten China, Europa und in den USA. Daimler berücksichtigt diese Zielvorgaben in den Produktplanungen. Die zunehmend anspruchsvolleren Zielsetzungen erfordern signifikante Anteile von Plug-in-Hybriden oder anderen elektrifizierten Antrieben am tatsächlichen Absatz. Die ambitionierten gesetzlichen Vorgaben werden in einigen Ländern schwer zu erfüllen sein. Der Markterfolg dieser Antriebskonzepte wird neben der Akzeptanz beim Kunden maßgeblich vom regionalen Marktumfeld mitbestimmt, beispielsweise von der Ladeinfrastruktur und von staatlichen Fördermaßnahmen.

Da die negativen Schlagzeilen zum Dieselantrieb und die Umsetzung von Fahrverboten für Dieselfahrzeuge die Kunden verunsichern, können sich dadurch dauerhaft Verschiebungen im Antriebsportfolio (weniger Diesel, mehr Benziner) ergeben. Somit wären zur Erreichung der ab 2020 geltenden CO2-Flottenziele weitere entwicklungs- und produktionsseitige Maßnahmen erforderlich.

Aktuell werden von der EU-Kommission Rahmenbedingungen des erst im September 2018 eingeführten WLTP-Messverfahrens überarbeitet, geändert beziehungsweise ergänzt. Teile dieser Neuerungen sollen schon 2019 in Kraft treten. Als Folge werden sich erhöhte und zusätzliche WLTP-Test- und Dokumentationsaufwände ergeben. Im schlimmsten Fall könnten auch Neuzertifizierungen notwendig werden, die wiederum Lieferengpässe verursachen könnten.

Strenge Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen sind auch für die Geschäftsfelder Daimler Trucks und Daimler Buses mit Risiken behaftet, da die gesetzlichen Vorgaben in einigen Ländern schwer zu erfüllen sein werden. Dies betrifft vor allem die Märkte Japan, USA, China und Europa. Die Europäische Kommission hat mit VECTO ein Messverfahren zur Ermittlung des CO2-Ausstoßes von schweren Nutzfahrzeugen entwickelt, das ab 2019 für die wichtigsten Klassen verbindlich angewendet werden muss. Das vorgeschriebene Ambitionsniveau ist allein mit konventioneller Technologie nicht zu erreichen. Somit müssen Daimler Trucks und Daimler Buses neueste Technologien einsetzen, um diese Anforderungen zu erfüllen.

Auch für die leichten Nutzfahrzeuge sind sehr anspruchsvolle CO2-Emissionsvorschriften geplant beziehungsweise beschlossen, die vor allem langfristig eine Herausforderung für das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans darstellen. Hiervon betroffen sind insbesondere die Märkte in den USA und Europa.

Darüber hinaus könnte die Position des Daimler-Konzerns in wichtigen ausländischen Märkten durch die Zunahme beziehungsweise Änderung von Freihandelsabkommen beeinflusst werden. Sofern Freihandelsabkommen ohne die Beteiligung von Ländern geschlossen werden, in denen Daimler produziert, beziehungsweise sofern Freihandelsabkommen durch inhaltliche Änderungen erheblich verschärft werden, könnte das die Position des Daimler-Konzerns signifikant beeinträchtigen. Gleichzeitig könnten aus neuen Freihandelsabkommen auch Chancen für den Daimler-Konzern gegenüber Wettbewerbern entstehen, in deren Ländern keine entsprechenden Abkommen bestehen beziehungsweise in denen diese nicht produzieren.

Es besteht die Gefahr, dass einzelne Länder bei dem Versuch, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu schützen oder zu verbessern, verstärkt zu interventionistischen und protektionistischen Maßnahmen greifen. Über industriepolitische Maßnahmen sollen Investitionen ins Land geholt und die lokale Wertschöpfung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg gesteigert werden. Darüber hinaus wird durch Marktzugangsbarrieren wie beispielsweise erschwerte Zertifizierungsprozesse und Verzögerungen von Zertifizierungen oder sehr aufwendige Zollprozeduren versucht, den Zuwachs von Importen zu begrenzen. Insgesamt erhöhen diese Maßnahmen die Unsicherheiten im Planungsprozess.

Zusätzlich zu den beschriebenen Emissions- und Verbrauchsbestimmungen nehmen in Städten und Ballungszentren weltweit verkehrspolitische Restriktionen zur Bekämpfung von Staus, Lärm und Emissionen an Bedeutung zu. In China wird beispielsweise der limitierte Zugang zu Registrierungsmöglichkeiten von Fahrzeugen fortgesetzt und weiter verschärft. Diese Entwicklungen können die Absatzentwicklung insbesondere in den Wachstumsmärkten dämpfen. In europäischen Städten erhöhen zunehmend Diskussionen um Fahrverbote den Druck zur Reduzierung des Individualverkehrs, insbesondere auf jenen mit Dieselfahrzeugen.

Städte vernetzen sich und suchen zunehmend auch Partnerschaften mit der Industrie, um gemeinsam an neuen Mobilitätslösungen zu arbeiten. Hieraus kann eine Nachfrage nach alternativ betriebenen Fahrzeugen sowie nach neuen Mobilitätsdienstleistungen einschließlich Carsharing-Diensten entstehen. Um die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen, ist Daimler mit innovativen Mobilitätsdienstleistungen am Markt vertreten.

Im April 2018 hat das U. S. Department of the Treasury’s Office of Foreign Assets Control Sanktionen gegenüber verschiedenen Personen und Unternehmen veröffentlicht. Davon können Geschäftsaktivitäten des Daimler-Konzerns – insbesondere mit sanktionierten Geschäftspartnern in Russland – betroffen sein.

Daimler verfolgt ständig die Entwicklung der gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen und versucht, absehbare Anforderungen und langfristige Zielsetzungen frühzeitig im Produktentstehungsprozess zu antizipieren. Die große Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, in jedem Markt das passende Antriebsportfolio und die passende Produktpalette anzubieten.

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