Menschenrechts-Compliance

Das öffentliche Interesse am Thema Menschenrechte in der Automobilindustrie steigt. Grund hierfür sind insbesondere neue Herausforderungen, die der Ausbau der Elektromobilität mit sich bringt. Denn es besteht die Gefahr, dass die dafür benötigten Rohstoffe möglicherweise unter menschenrechtlich kritischen Bedingungen abgebaut werden. Wir sehen ein kontinuierliches Interesse seitens der Investoren am Thema Menschenrechte. Dies zeigt, dass unternehmerische Aktivitäten im Bereich der Menschenrechte zunehmend Einfluss auf Investitionsentscheidungen haben. Auch eine immer größere Zahl an Gesetzen widmet sich dem Thema. In Deutschland ist nach Auslaufen des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte im Jahr 2020 eine Gesetzgebung zu menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht denkbar. Auf EU-Ebene könnten entsprechende Gesetzesinitiativen durch die deutsche Ratspräsidentschaft vorangetrieben werden.

Die Achtung von Menschenrechten ist für Daimler ein grundlegender Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung. Es ist unser Anspruch und Ziel, dass die Menschenrechte in allen unseren Konzerngesellschaften eingehalten werden und auch bei unseren Lieferanten Beachtung finden. Aus diesem Grund zählt die Achtung der Menschenrechte zu den zentralen Fokusthemen unserer nachhaltigen Geschäftsstrategie und unserem Verständnis von integrem Handeln. Dabei variieren menschenrechtlich kritische Punkte je nach Region, Lieferant, Rohstoff oder Dienstleistung und Lieferkette. Deshalb berücksichtigen wir bei der Umsetzung unseres Ansatzes zur Wahrung und Achtung der Menschenrechte nicht nur unsere eigenen Standorte, sondern nehmen risikobasiert die gesamte Lieferkette in den Blick.

Von zentraler Bedeutung für unsere Menschenrechtsaktivitäten und -richtlinien sind insbesondere folgende Referenzrahmen: der UN Global Compact, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die internationale Menschenrechtscharta inklusive der relevanten Rechte aus den UN Zivil- und Sozialpakten, der Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (Deutschland) sowie die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation. Die menschenrechtlichen Schwerpunkte, die wir aus diesen Referenzrahmen für die Erfüllung unserer Sorgfaltspflichten abgeleitet haben, sind in unserer Verhaltensrichtlinie unter daimler.com/dokumente/nachhaltigkeit/integritaet/daimler-verhaltensrichtlinie.pdf sowie den Daimler Supplier Sustainability Standards unter supplier-portal.daimler.com/docs/DOC-1547 enthalten.

Für die Achtung und Wahrung der Menschenrechte haben wir mit dem Daimler Human Rights Respect System (HRRS) einen Due-Diligence-Ansatz entwickelt. Er dient der Achtung der Menschenrechte bei unseren eigenen Mitarbeitern, bei unseren direkten Lieferanten (Tier-1) sowie risikobasiert über Tier-1 hinaus an relevanten Punkten in der Lieferkette. Seit Frühjahr 2019 steuert die neu gegründete Abteilung Social Compliance federführend die Umsetzung unseres HRRS und wendet hierbei bewährte Methoden und Prozesse aus dem Compliance Management an. Es ist geplant, das HRRS für Konzerngesellschaften der Daimler AG schrittweise in das Daimler-weite CMS zu überführen. Zusätzlich entwickeln wir im Rahmen des HRRS auch einen separaten Due-Diligence-Ansatz für Menschenrechte in der Lieferkette, der sich an den Grundpfeilern bewährter Compliance Management Systeme orientiert.

Als proaktives Risikomanagement zielt das HRRS darauf ab, systemische Risiken und potenziell negative Auswirkungen unseres unternehmerischen Handelns auf die Achtung der Menschenrechte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Damit dient das HRRS primär dem Schutz Dritter, das heißt dem Schutz sogenannter Rechteinhaber, und soll auch in unsere Lieferkette hinein wirksam sein.

Bei Konzerngesellschaften sieht die Risikoprüfung im Rahmen der Integration in das Daimler CMS vor, dass wir die Konzerngesellschaften regelmäßig zunächst auf Basis festgelegter Kriterien wie landesspezifischen und geschäftsspezifischen Risiken klassifizieren. Dabei berücksichtigen wir die zentralen menschenrechtlichen Normen, die sich etwa aus der internationalen Menschenrechtscharta ergeben oder die von der Internationalen Arbeitsorganisation formuliert wurden. Auf dieser Basis planen wir, eine jährliche tiefer gehende Analyse mithilfe einer Menschenrechtsumfrage vorzunehmen. Zu diesem Zweck haben wir 2019 ein Pilotprojekt mit zunächst sieben Konzerngesellschaften initiiert. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse möchten wir für die Ausweitung unserer systematischen Risikoanalyse nutzen und auf die verbleibenden Konzerngesellschaften anwenden.

Im Rahmen der Vorab-Risikoabschätzung als Teil des separaten Due-Diligence-Ansatzes für unsere Lieferketten haben wir 24 Rohstoffe und 27 Dienstleistungen identifiziert, deren Gewinnung und Weiterverarbeitung beziehungsweise deren Erbringung menschenrechtlich potenziell kritisch sind. Grundlage der Risikoabschätzung sind verschiedene internationale Referenzdokumente. Im Bereich Rohstoffe ist dies zum Beispiel die »Child and Forced Labour List« des US-Arbeitsministeriums. Dabei spielen Abbaumethoden und -länder eine wichtige Rolle. Im Bereich Dienstleistungen ziehen wir den »Corruption Perception Index« der Organisation Transparency International heran. Dahinter steht die Annahme, dass Menschenrechte in Ländern mit hohem Korruptionsrisiko ebenfalls einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind.

Für die Steuerung des Themas Menschenrechte ist federführend das Vorstandsressort Integrität und Recht der Daimler AG verantwortlich. Das zuständige Vorstandsmitglied treibt das Thema gemeinsam mit den Einkaufsbereichen voran, lässt sich regelmäßig durch den Chief Compliance Officer und die entsprechenden Fachbereiche aus den Abteilungen Social Compliance und Corporate Responsibility Management über die Menschenrechtsaktivitäten informieren und erhält die entsprechenden Berichte. Zusätzlich informieren die relevanten Einkaufsbereiche das Procurement Council (PC) sowie die für sie direkt zuständigen Vorstandsmitglieder über ihre jeweiligen Maßnahmen im Bereich Menschenrechte. Hinzu kommt die regelmäßige Berichterstattung an den Gesamtvorstand und das Group Sustainability Board (GSB). Bei der Konzipierung und Implementierung geeigneter Präventiv- und Gegenmaßnahmen arbeiten funktionsübergreifende Teams eng zusammen. Sie bestehen aus Menschenrechts- und Compliance-Experten sowie den operativen Einkaufsbereichen und, anlassbezogen, weiteren Fachbereichen. Die Verantwortung für die Umsetzung und Nachhaltung der relevanten Maßnahmen obliegt dabei den jeweilig verantwortlichen Fachbereichen.

Zurück
Vermerk des unabhängigen Wirtschaftsprüfers
Anti Financial Crime Compliance