Unternehmensspezifische Risiken und Chancen

Im folgenden Abschnitt wird auf die unternehmensspezifischen Risiken und Chancen des Daimler-Konzerns eingegangen. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.72 dargestellt.

B.72 Unternehmensspezifische Risiken und Chancen

Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
Produktions- und Technologierisiken Niedrig Hoch Produktions- und Technologiechancen Niedrig
Informationstechnische Risiken Niedrig Hoch Informationstechnische Chancen
Personalrisiken Mittel Mittel Personalchancen
Risiken aus Beteiligungen und Kooperationen Niedrig Mittel Chancen aus Beteiligungen und Kooperationen Niedrig

Produktions- und Technologierisiken und -chancen

Wesentliche Erfolgsfaktoren bei der Durchsetzung des gewünschten Preisniveaus für die Produkte des Daimler-Konzerns und folglich für die Erreichung der Unternehmensziele sind das Markenimage, das Design, die Qualität und damit die Kundenakzeptanz der erzeugten Produkte sowie technische Merkmale auf der Basis innovativer Forschung und Entwicklung. Technische Lösungen, die zum Beispiel ein unfallfreies Fahren unterstützen oder das Verbrauchs- und Emissionsverhalten der Produkte weiter verbessern, wie Hybrid- und Elektrofahrzeuge, sind für eine sichere und nachhaltige Mobilität von zentraler Bedeutung. Innovationen und Technologiechancen zur fortschrittlichen und zukunftsfähigen Gestaltung der Produktpalette fließen in die strategische Produktplanung der automobilen Segmente ein. Durch die steigende technische Komplexität, den kontinuierlich wachsenden Umfang an zu erfüllenden Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsanforderungen und den Anspruch, die Qualitätsstandards des Daimler-Konzerns einzuhalten und stetig zu erhöhen, entstehen bei der Einführung und Erstellung der Produkte in den automobilen Segmenten auch Produktions- und Technologierisiken.

Im Rahmen von Produkteinführungen müssen die benötigten Bauteile und Ausstattungsumfänge verfügbar sein. Zur Vermeidung diesbezüglicher Restriktionen werden zugehörige Prozesse stetig evaluiert und verbessert. Um die langfristige Zukunftsfähigkeit der Produktionsanlagen zu sichern und auszubauen, erfolgen bei Bedarf Modernisierungen sowie Ausbau-, Aufbau- und Umstrukturierungsaktivitäten. Mit der Durchführung der Modernisierungsmaßnahmen und Neueinführung von Produkten sind in der Regel hohe Investitionen verbunden. Es kann dabei zum Beispiel aufgrund von Verzögerungen in den Anlaufphasen einer Neuerung oder im Produktlebenszyklus zu Ineffizienzen im Produktionsprozess und in der Folge zu einer vorläufigen Verringerung des Produktionsniveaus kommen. Späte konzeptionelle Änderungen im Entwicklungsprozess, zum Beispiel im Zusammenhang mit neuen regulatorischen Anforderungen, sowie Qualitäts- oder Verfügbarkeitsprobleme von zugelieferten Fahrzeugkomponenten können sich negativ auf den Produktionshochlauf auswirken. Durch den geplanten Anstieg der Batterieproduktion infolge der zunehmenden Elektrifizierung der Fahrzeugflotte können zudem anfängliche Probleme bei der Produktion der verschiedenen Batterietypen und mögliche technische Einschränkungen im Lebenszyklus der Batterie nicht ausgeschlossen werden. Betroffen sind automobile Segmente, die aktuell ein Produkt neu einführen beziehungsweise eine Produkteinführung oder einen entsprechenden Produktionsaufbau geplant haben. Zu berücksichtigen sind hierbei auch Abhängigkeiten von Vertrags- und Kooperationspartnern sowie mögliche Veränderungen regionaler Rahmenbedingungen, die in die lokalen Entscheidungsprozesse einbezogen werden müssen.

Prinzipiell besteht die Gefahr, dass aufgrund einer geringen Anlagenverfügbarkeit oder Ausfällen bei Produktions- oder Fabrikanlagen intern Engpässe entstehen und folglich Kosten anfallen. Diese Risiken bestehen vorrangig für Mercedes-Benz Cars & Vans. Die Produktionsanlagen werden fortwährend gewartet und modernisiert. Für potenziell betroffene Anlagen werden präventiv Ersatzteile vorgehalten sowie bei Bedarf redundante Maschinen beschafft.

Kapazitätsrestriktionen in der Produktion von Batterien, Unterbrechungen in der Zulieferkette sowie mögliche Ausfälle in der Versorgung durch Energieanbieter können insbesondere bei Mercedes-Benz Cars & Vans Engpässe hervorrufen. Auch Beschränkungen bei bestimmten Ausstattungskomponenten in neuen Fahrzeugmodellen sowie die fehlende Verfügbarkeit von Fahrzeugteilen zum richtigen Zeitpunkt führen dazu, dass die Fahrzeuge nicht wie geplant an die Kunden übergeben werden können. Zur Vermeidung solcher Engpasssituationen wird Wert darauf gelegt, dass Kapazitätsengpässe durch vorausschauende Planung ausgeglichen werden können. Zudem werden im Rahmen des Managements der gesamten Wertschöpfungskette Zulieferwege sowie die Lieferbarkeit und Qualität von Produkten kontinuierlich überwacht. Zur Risikoprävention besteht ein Lieferantenmanagement mit dem Ziel, die Menge und die Qualität der zur Herstellung der Fahrzeuge benötigten Bauteile sicherzustellen. Die fehlende Verfügbarkeit sowie Qualitätsprobleme bei bestimmten Fahrzeugteilen können zu Produktionsausfällen führen und Kosten verursachen.

Garantie- und Kulanzfälle könnten im Daimler-Konzern entstehen, wenn die Qualität der Produkte nicht den Anforderungen entspricht, Vorschriften nicht vollständig eingehalten werden oder die Unterstützung bei Problemen und der Pflege der Produkte nicht in der benötigten Form gewährt werden kann. Auch Qualitätsprobleme sowohl bei in Fahrzeugen verbauten Zulieferteilen als auch im Zusammenhang mit technischen Neuerungen an Fahrzeugen können Anpassungen erfordern, die zu erheblichen finanziellen Belastungen führen können. Mögliche Ansprüche werden beim Auftreten solcher Risiken geprüft und bei Bedarf notwendige Maßnahmen, bezogen auf betroffene Produkte, eingeleitet. Bei Nichterfüllung der hohen technischen Qualitätsansprüche von fremdbezogenen Komponenten kann es zudem zu Forderungen von Daimler gegenüber den jeweiligen Lieferanten kommen.

Die Produktions- und Technologierisiken sind segmentübergreifend bezogen auf das Ausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit gegenüber dem Vorjahr unverändert.

Informationstechnische Risiken und Chancen

Die konsequent verfolgte Digitalisierungsstrategie eröffnet Daimler neue Chancen, den Kundennutzen und die Werte des Unternehmens zu steigern. Gleichwohl birgt die hohe Durchdringung aller Geschäftsbereiche mit Informationstechnik (IT) auch Risiken für die Geschäfts- und Produktionsprozesse sowie deren Dienstleistungen und Produkte.

Aus der stetig wachsenden Bedrohung durch Cyber-Kriminalität und der Verbreitung von aggressivem Schadcode erwachsen Risiken, die sich auf die Verfügbarkeit, Integrität und Vertraulichkeit von Informationen und IT-gestützten Betriebsmitteln auswirken können. Trotz umfangreicher Vorkehrungen kann dies im ungünstigsten Fall zu einer zeitweiligen Unterbrechung von IT-gestützten Geschäftsprozessen mit hohen negativen Auswirkungen auf das Unternehmensergebnis führen. Zudem kann der Verlust oder Missbrauch sensibler Daten unter Umständen zu einem Reputationsverlust führen. Insbesondere verschärfte regulatorische Anforderungen wie beispielsweise die EU-Datenschutz-Grundverordnung können unter anderem Ansprüche Dritter begründen und aufwendige regulatorische Auflagen und ergebniswirksame Strafen nach sich ziehen.

Für den global agierenden Daimler-Konzern und seine umfassenden Geschäfts- und Produktionsprozesse ist es von zentraler Bedeutung, dass Informationen aktuell, vollständig und korrekt vorgehalten und ausgetauscht werden können. Das Rahmenwerk zur IT-Sicherheit orientiert sich an internationalen Standards wie ISO/IEC 2700x und dem NIST Cyber Security Framework und greift bei Schutzmaßnahmen auch auf Industriestandards und Good Practice zurück. Dem Schutzbedarf der Informationen entsprechend müssen gesicherte IT-Systeme und eine zuverlässige IT-Infrastruktur betrieben werden. Cyber-Bedrohungen müssen über den gesamten Lebenszyklus der Applikationen und IT-Systeme hinweg identifiziert und entsprechend ihrer Kritikalität behandelt werden. Besondere Aufmerksamkeit wird Risiken gewidmet, die im Schadensfall eine Unterbrechung der Geschäftsprozesse aufgrund von IT-System-Ausfällen sowie den Verlust und die Verfälschung von Daten zur Folge haben. Die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsmitteln wird durch darauf abgestimmte technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen flankiert.

Aufgrund der wachsenden Anforderungen an die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten hat Daimler vielfältige präventive und korrektive Maßnahmen umgesetzt, um damit verbundene Risiken zu minimieren sowie mögliche Schäden zu begrenzen. Zum Beispiel vermindert der Konzern potenzielle Störungen der betrieblichen Abläufe in Rechenzentren durch gespiegelte Datenbestände, dezentrale Datenhaltung, ausgelagerte Datensicherung und hochverfügbar ausgelegte IT-Systeme. Es werden Notfallpläne erstellt, ebenso Mitarbeiter geschult und regelmäßig sensibilisiert, um handlungsfähig zu bleiben. In einem global agierenden Cyber Intelligence & Response Center werden spezifische Bedrohungen analysiert und Gegenmaßnahmen koordiniert. Der Schutz der Produkte und Dienstleistungen vor Gefährdungen durch Hacker-Angriffe und Cyber-Kriminalität wird kontinuierlich ausgebaut.

Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit der informationstechnischen Risiken sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Personalrisiken und -chancen

Der Wettbewerb um hoch qualifizierte Beschäftigte und Führungskräfte ist in der Branche und in den Regionen, in denen Daimler tätig ist, nach wie vor sehr stark. Der künftige Erfolg des Daimler-Konzerns hängt auch davon ab, inwiefern es gelingt, Fachpersonal einzustellen, zu integrieren und dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Die etablierten Personalinstrumente berücksichtigen solche Personalrisiken. Ein Schwerpunkt des Personalmanagements liegt in der zielgerichteten Personalentwicklung und Weiterbildung der Belegschaft des Unternehmens. Die Beschäftigten profitieren dabei unter anderem von den Angeboten der Daimler Corporate Academy und der Transparenz, die im Rahmen des Performance-Managements geschaffen wird. Um als Unternehmen erfolgreich zu sein, werden in einem konzernweiten Projekt darüber hinaus Führungskultur und -prinzipien weiterentwickelt.

Die demografische Entwicklung zwingt das Unternehmen, mit den Veränderungen durch eine älter werdende Belegschaft umzugehen und einen qualifizierten Fach- und Führungskräftenachwuchs zu sichern. Dies wird durch Maßnahmen im Generationenmanagement adressiert, die der Tragweite des Themas gerecht werden.

Konjunktur-, Markt- und Wettbewerbsschwankungen begegnen wir mit den etablierten Zeit- und Flexibilitätsinstrumenten, um ein situationsadäquates Reagieren zu ermöglichen. Um die für die Transformation notwendige langfristige Reduzierung der Personalkosten zu erreichen, haben Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat eine Vereinbarung geschlossen, die unter anderem ein Personalabbauprogramm enthält. Da dieses auf gegenseitiger Freiwilligkeit beruht, besteht das Risiko, dass dessen Umsetzung nicht im vollen geplanten Umfang erfolgen kann.

Die Personalrisiken erhöhen sich aufgrund der anstehenden Verhandlungen über tarifliche Rahmenbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland und der damit verbundenen möglichen Produktionsausfälle in Bezug auf das Ausmaß von »Niedrig« auf »Mittel«. Die Eintrittswahrscheinlichkeit der Personalrisiken wird derzeit als unverändert im Vergleich zum Vorjahr eingestuft.

Risiken und Chancen aus Beteiligungen und Kooperationen

Die Zusammenarbeit mit Partnern bei Beteiligungen und Kooperationen ist für Daimler von zentraler Bedeutung. Neben einem besseren Zugang zu Wachstumsmärkten und neuen Technologien dienen Beteiligungen der Nutzung von Synergieeffekten und der Verbesserung von Kostenstrukturen, um der Wettbewerbssituation in der Automobilindustrie erfolgreich zu begegnen. Über Investitionen in Start-ups fördert Daimler innovative Ansätze in vielen Bereichen des Konzerns.

Der Daimler-Konzern partizipiert grundsätzlich entsprechend seiner jeweiligen Anteilsquote an den Risiken und Chancen aus Beteiligungen und unterliegt bei einer entsprechenden Börsennotierung dabei auch Aktienkursrisiken und -chancen.

Durch die Neubewertung einer Beteiligung können sich Risiken und Chancen bezogen auf den Beteiligungsbuchwert für das Segment, dem die Beteiligung zugerechnet wird, ergeben. Auch aus der Geschäftstätigkeit, einem Verkauf oder Kauf einer Beteiligung können finanzielle Verpflichtungen oder ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf, aber auch potenzielle Chancen – beispielsweise im Zusammenhang mit Mobilitätsdienstleistungen – entstehen. Entsprechende Risiken sind ebenfalls bei Investitionen in Start-ups sowie im Kontext der Restrukturierung von Minderheitsbeteiligungen gegeben. Risiken aus Beteiligungen bestehen bei Mercedes-Benz Cars & Vans, Daimler Trucks & Buses und Daimler Mobility sowie bei direkt dem Konzern zugerechneten Beteiligungen. Die Beteiligungen unterliegen einem Überwachungsprozess, um bei Bedarf zeitnah entscheiden zu können, ob Maßnahmen zur Unterstützung oder Sicherung der Profitabilität ergriffen werden sollen. Auch die Werthaltigkeit der Investitionen wird regelmäßig überwacht.

Die Gesamteinschätzung der Risiken und Chancen aus Beteiligungen und Kooperationen ist im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

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Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen