Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen

Die Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen des Daimler- Konzerns werden nachfolgend erläutert. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.71 dargestellt.

B.71 Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen

Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
Allgemeine Marktrisiken Niedrig Hoch Allgemeine Marktchancen Mittel
Risiken infolge gesetzlicher
und politischer Rahmenbedingungen
Mittel Hoch Chancen infolge gesetzlicher
und politischer Rahmenbedingungen
Mittel
Risiken aus dem Beschaffungsmarkt Mittel Hoch Chancen aus dem Beschaffungsmarkt Mittel

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen stellen die Rahmenbedingungen für die in den nachfolgenden Kategorien genannten Risiken und Chancen dar und fließen als Prämissen in die Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ein. Der gesamtwirtschaftliche Rahmen hat maßgeblichen Einfluss auf die automobilen Absatzmärkte und damit auf den Erfolg des Konzerns.

Wie die Mehrzahl der Wirtschaftsforschungsinstitute erwartet Daimler, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2020 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres fortsetzt. Auch das Verhältnis von Chancen und Risiken erscheint zum Jahresbeginn 2020 ähnlich wie im Vorjahr. Der Konjunkturverlauf im Jahr 2019 ist im Kapitel »Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Geschäftsverlauf« dieses Lageberichts ausführlich beschrieben; die Wachstumsannahmen und Prognosen über die Gesamtentwicklung für 2020 werden im »Prognosebericht« erörtert.

Eine erneute Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und China ist kurzfristig mit dem Abschluss des »Phase One«-Teilabkommens zwar unwahrscheinlicher geworden, stellt aber weiterhin ein wesentliches Risiko für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft dar. Zudem ist die Drohung der USA, zusätzliche Zölle auf den Import von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen unter anderem aus der EU zu erheben, weiterhin existent. Beides könnte insbesondere die Absatz- und Ergebnisentwicklung von Mercedes-Benz Cars & Vans signifikant beeinträchtigen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Länder verstärkt protektionistische Maßnahmen wie konkrete Marktzugangsbarrieren oder industriepolitische Konzepte implementieren. Dies würde besonders die bei Mercedes-Benz Cars & Vans und Daimler Trucks & Buses existierenden globalen Wertschöpfungsketten beeinträchtigen, zu höheren Kosten führen und sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung sowie Absatzmöglichkeiten auswirken. Im Gegenzug könnten unvorhergesehene Handelserleichterungen positive Impulse setzen und zu mehr Handel und höherem Wachstum führen. Auch der Daimler-Konzern könnte in diesem Fall profitieren.

Auch ohne eine weitere Eskalation der diversen Handelskonflikte könnte die andauernde Unsicherheit dafür sorgen, dass sich der globale Investitionszyklus noch stärker abschwächt als bislang angenommen. Eine weitere Verlangsamung der Investitionstätigkeit – insbesondere in Nordamerika und Europa – würde vor allem den Absatz von schweren Nutzfahrzeugen belasten und hätte damit insbesondere negative Auswirkungen auf die Absatz- und Ertragslage von Daimler Trucks & Buses.

Sollte die bisher auf den Industriesektor begrenzte Rezession stärker auf den Dienstleistungssektor übergreifen und sich noch mehr als bisher neben der Eurozone und China auch auf die USA ausweiten, hätte das spürbare Auswirkungen auf die Beschäftigung und Löhne in diesen Regionen. Dies würde Verbrauchervertrauen und Konsum, eine der wichtigsten Stützen der aktuellen konjunkturellen Expansion, deutlich belasten. Der daraus resultierende geringere Zuwachs oder gar Rückgang beim gesamtwirtschaftlichen Konsum hätte entsprechend negative Auswirkungen auf die Absatzperspektiven insbesondere für Mercedes-Benz Cars & Vans. Chancen ergeben sich hingegen, falls der zyklische Abschwung in der Industrie früher als erwartet endet.

Der europäische Markt ist für alle Segmente des Daimler-Konzerns auch künftig von großer Bedeutung, sodass sich Veränderungen beim Investitions- und Konsumverhalten auf die Absatzentwicklung aller Segmente auswirken. Das Risiko eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der EU ist aufgrund des zum 31. Januar 2020 vollzogenen Brexit und des damit verbundenen Austrittsabkommens nunmehr gebannt. Die Unsicherheit dürfte sich nun aber auf die Verhandlungen zu einem Zukunftsabkommen zwischen Großbritannien und der EU verlagern, das gemäß dem Übergangsabkommen bereits bis Ende des Jahres 2020 abgeschlossen sein müsste, um Zölle ab Januar 2021 zu verhindern. Diese Verhandlungen dürften sich sehr schwierig gestalten und mit hoher politischer Unsicherheit verbunden sein. Im Extremfall ist mit erneuten Verwerfungen an den europäischen Finanzmärkten und entsprechenden Einbußen beim Wirtschaftswachstum zu rechnen. Vor allem das Wachstum in Großbritannien würde darunter leiden, was die Absatzentwicklung des Konzerns über alle Segmente hinweg belasten würde. Im Euroraum bleibt zudem das Risiko für politische Konflikte erhöht. Phasen politischer Unsicherheit könnten negative Auswirkungen auf Konsum- und Investitionsentscheidungen von Haushalten und Unternehmen haben. Sollte es hingegen zu konzertierten Fiskalstimuli in der Eurozone kommen oder sollten die expansiven Maßnahmen der EZB eine größere Wirkung entfalten als aktuell angenommen, könnte dies zu einer kräftigeren Erholung des Wachstums führen mit positiven Auswirkungen auf Unternehmen und Haushalte.

In den USA könnte sich aufgrund der politischen Unsicherheit im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen und im Falle anhaltender handelspolitischer Spannungen die Investitionstätigkeit der Unternehmen deutlicher abkühlen als bislang angenommen. Das würde vor allem die Absatzentwicklung des Segments Daimler Trucks & Buses negativ beeinflussen. Sollte darüber hinaus, wie bereits erwähnt, auch die gesamtwirtschaftliche Wachstumsabschwächung ausgeprägter sein als bislang erwartet, würde darunter aufgrund negativer Beschäftigungs- und Einkommenseffekte auch der Konsum der privaten Haushalte spürbar leiden. Das wiederum könnte die Absatzentwicklung von Mercedes-Benz Cars & Vans beeinträchtigen. Auf der Chancenseite könnte die Wirtschafts- und Fiskalpolitik im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen expansiver ausfallen als bisher angenommen wird. Des Weiteren könnte die US-Zentralbank entgegen den aktuellen Erwartungen die Leitzinsen weiter senken. Sollte es in der Folge zu einer deutlich dynamischeren Investitionstätigkeit und damit zu einem kräftigeren Wachstum, verbunden mit positiven Beschäftigungs- und Einkommenseffekten, kommen, könnte die Nachfrage in allen automobilen Segmenten davon profitieren. Da Mercedes-Benz Cars & Vans, Daimler Trucks & Buses und Daimler Mobility einen beträchtlichen Teil ihres Umsatzes in den USA erzielen, hätten diese Entwicklungen erhebliche Konsequenzen für den Konzernerfolg. Darüber hinaus hätte ein höheres Wirtschaftswachstum in den USA auch Ausstrahlungseffekte auf den Rest der Welt.

Generell ist die öffentliche und private Verschuldung in vielen Volkswirtschaften nach wie vor hoch. Im Falle eines deutlicheren gesamtwirtschaftlichen Abschwungs könnte das den Spielraum der Staaten für fiskalische Gegenmaßnahmen einschränken oder zu vermehrten Zahlungsausfällen von Unternehmen und Haushalten führen. Dies würde zu zunehmender Instabilität an den Finanzmärkten führen und auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage belasten und hätte damit negative Auswirkungen auf die Absatzentwicklung aller Segmente des Daimler-Konzerns.

Aus ökonomischer Perspektive stellt auch die hohe Verschuldung chinesischer Unternehmen, vor allem der staatseigenen Betriebe, ein wesentliches Risiko dar. Sollten die Anstrengungen der Regierung, das Kreditwachstum einzudämmen, in Kombination mit den negativen Auswirkungen der US-Zölle auf den chinesischen Exportsektor zu einer deutlicheren Wachstumsverlangsamung führen als aktuell angenommen, könnte es zu einer übermäßigen Zunahme von Kreditausfällen kommen, die wiederum zu Turbulenzen im Bankensektor und an den Finanzmärkten führen würden. Insbesondere das Segment Mercedes-Benz Cars & Vans, für das China zu den wichtigsten Absatzmärkten zählt, müsste in diesem Fall mit deutlichen negativen Auswirkungen auf den Absatz rechnen. Hingegen könnte das Wachstum 2020 infolge weiterer Stimulusmaßnahmen der chinesischen Regierung kräftiger ausfallen als ­erwartet. Der daraus resultierende höhere Zuwachs beim gesamtwirtschaftlichen Konsum böte als Folge weitere Chancen – insbesondere für Mercedes-Benz Cars & Vans.

Aus dem Ausbruch des Coronavirus können sich gesamtwirtschaftliche Risiken ergeben, die zu signifikanten Rückgängen des Wirtschaftswachstums in China, anderen asiatischen Volkswirtschaften und auch weltweit, führen können. Risiken für den Daimler-Konzern können dabei nicht nur die Absatzentwicklung betreffen, sondern auch zu erheblichen Beeinträchtigungen der Produktion, des Beschäftigungsmarktes und der Zulieferkette führen.

Als weiteres Risiko könnte sich der Druck auf die Schwellenländer weiter verschärfen, sollte sich die Grundstimmung der Finanzmärkte deutlich verschlechtern. In einem solchen Fall würde noch mehr Kapital aus den Schwellenländern abfließen. Das Wachstum der Schwellenländer würde deutlich schwächer ausfallen und das globale Wachstum belasten. Zusätzlich bergen Änderungen der Notenbankpolitik in den entwickelten Ländern und den Schwellenländern zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung (zum Beispiel Währungsabwertung) ein hohes Risiko. Das Risiko einer Schuldenkrise der Schwellenländer, ausgelöst durch US-Zinsanstiege und die sich daraus ergebende höhere Zinslast infolge der vorwiegenden US-Dollar-Verschuldung, hat sich zwar durch das Umschwenken der US-Zentralbank auf eine geldpolitische Lockerung jüngst reduziert, ist jedoch nicht vollständig aufgelöst. Mögliche Krisen in einzelnen Ländern würden die Absatzaussichten in diesen Märkten und gegebenenfalls die lokalen Standortbedingungen für den Konzern spürbar beeinträchtigen.

Zwar sind die Ölpreise im vergangenen Jahr deutlich gesunken; falls es jedoch durch politische Krisen, insbesondere im Nahen Osten, und den damit verbundenen temporären Angebotsengpässen zu einem deutlichen Ölpreisanstieg kommt, der von OPEC-Ländern nicht kurzfristig ausgeglichen werden kann, könnte sich die Inflation deutlich erhöhen und das Wachstum weltweit belasten. Darüber hinaus könnte auch eine Eskalation geopolitischer Konflikte in anderen Weltregionen das Wachstum der Weltwirtschaft spürbar bremsen.

Allgemeine Marktrisiken und -chancen

Die Risiken und Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung auf den Automobilmärkten sind maßgeblich durch die in den vorhergehenden Abschnitten beschriebene konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft beeinflusst. Die Beurteilung marktwirtschaftlicher Risiken und Chancen ist an Annahmen und Prognosen über die Gesamtmarktentwicklung in den Regionen gekoppelt, in denen der Daimler-Konzern tätig ist. Die Möglichkeit, dass sich Märkte gegenüber der Planung besser oder schlechter entwickeln oder Marktbedingungen sich verändern, besteht grundsätzlich für alle Segmente des Daimler-Konzerns.

Potenzielle Auswirkungen der Risiken auf die Absatzentwicklung werden in Risikoszenarien erfasst. Eine zunehmende kundenseitige Nachfrage nach Baureihen mit geringeren Deckungsbeiträgen kann sich dabei negativ auf das Ergebnis der betroffenen Segmente auswirken. Ursachen für einen rückläufigen Absatz von Fahrzeugen können insbesondere aus dem zum Teil instabilen makroökonomischen Umfeld resultieren sowie sich im Kontext von politischen oder wirtschaftlichen Unsicherheiten ergeben. Auch ein steigender Ölpreis und volatile Wechselkurse können zu einer Verunsicherung der Märkte und damit zu einer sinkenden Nachfrage nach Fahrzeugen führen. Unterschiede zwischen den Segmenten gibt es aufgrund der teilweise abweichenden regionalen Tätigkeitsschwerpunkte der einzelnen Segmente. Die Markt-, Absatz- und Bestandsentwicklung wird von den Segmenten kontinuierlich analysiert und überwacht; gegebenenfalls werden spezifische Marketing- und Vertriebsprogramme aufgesetzt.

Volatilitäten in Bezug auf die Entwicklungen der Märkte können auch dazu führen, dass sich der Gesamtmarkt oder regionale Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie besser entwickeln als in den internen Prognosen und Prämissen angenommen und in marktwirtschaftlichen Chancen resultieren. Auch aus einer Verbesserung der Wettbewerbssituation oder einer positiven Nachfrageentwicklung der Segmente können sich Chancen ergeben, deren Realisierung durch den Einsatz von Vertriebs- und Marketingaktionen unterstützt wird.

Aufgrund der zum Teil angespannten wirtschaftlichen Lage einiger Händler und Fahrzeugimporteure könnten Unterstützungsleistungen notwendig werden, um die Leistungsfähigkeit der Geschäftspartner sicherzustellen. Die finanzielle Lage strategisch relevanter Händler und Fahrzeugimporteure wird dabei kontinuierlich überwacht, und es werden bei Bedarf alternative Vertriebswege geschaffen. Weitere Risiken ergeben sich aus der Abhängigkeit von bestimmten Händlern, sodass unter Umständen Beziehungen zu weiteren Geschäftspartnern aufgebaut werden müssen. Der Ausfall wichtiger Händler und Fahrzeugimporteure kann dazu führen, dass die Kundennachfrage nicht umfassend bedient werden kann und die Absatzzahlen zurückgehen können. Entsprechende Risiken bestehen für Händler und Fahrzeugimporteure von Mercedes-Benz Cars & Vans und Daimler Trucks & Buses.

Die Einführung neuer Produkte durch Wettbewerber, eine aggressivere Preispolitik sowie eine schlechtere Preisdurchsetzung im After-Sales-Geschäft können zu einem steigenden Wettbewerbs- und Preisdruck in den automobilen Segmenten führen. Zur frühzeitigen Erkennung dieser Risiken wird ein kontinuierliches Monitoring der Wettbewerber durchgeführt. Je nach Ausprägung werden produktspezifische und gegebenenfalls regional unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, um absatzschwächere Märkte zu unterstützen. Zudem setzt Daimler unterschiedliche Programme zur Verkaufsförderung ein, die finanzielle Anreize für Kunden beinhalten.

Im Zusammenhang mit der Veräußerung von Fahrzeugen bietet Daimler seinen Kunden vielfältige Finanzierungs- und Leasingmöglichkeiten an. Die daraus resultierenden Risiken für das Segment Daimler Mobility liegen vor allem in einer Verschlechterung der Bonität der Kreditnehmer, sodass Forderungen aufgrund der Zahlungsunfähigkeit von Kunden ganz oder teilweise uneinbringlich werden können (Adressenausfall- oder Kreditrisiko). Daimler begegnet den Kreditrisiken mit Bonitätsprüfungen auf Basis standardisierter Scoring- und Ratingverfahren, der Besicherung der Forderungen und einem leistungsfähigen Risikomanagement mit einem starken Augenmerk auf das Monitoring von sowohl internen als auch makroökonomischen Frühwarnindikatoren.

Im Zusammenhang mit Leasingverträgen entstehen Risiken und Chancen, wenn der Vermarktungswert eines Leasingfahrzeugs am Ende der Vertragslaufzeit von der ursprünglich bei Vertragsabschluss kalkulierten und der Leasingrate unterstellten Restwertprognose abweicht. Ein Restwertrisiko resultiert, wenn der erwartete Marktwert eines Fahrzeugs am Ende der Vertragslaufzeit geringer ist als die bei Vertragsabschluss kalkulierte Restwertprognose. Insbesondere bei Mercedes-Benz Cars & Vans und Daimler Mobility resultieren deshalb Risiken aus der Entwicklung der Gebrauchtwagenmärkte und damit der Restwerte der produzierten Fahrzeuge. Insbesondere die bestehenden Unsicherheiten im Zusammenhang mit Dieselfahrzeugen können sich negativ auf die Restwerte auswirken. Im Rahmen des etablierten Restwertmanagementprozesses werden auf lokaler und zentraler Ebene regelmäßig bestimmte Annahmen über das erwartete Preisniveau getroffen, auf deren Basis die Rückläufe aus Leasinggeschäften bewertet werden. Sollte aufgrund sich verändernder Marktentwicklungen eine negative Abweichung von Annahmen eintreten, besteht das Risiko niedrigerer Fahrzeugrestwerte. Dies kann sich negativ auf die Verkaufserlöse von Gebrauchtfahrzeugen auswirken. Um diesen Risiken entgegenzuwirken, werden entsprechende Maßnahmen definiert. Diese umfassen je nach Region und aktueller Marktlage grundsätzlich die kontinuierliche Marktüberwachung sowie gegebenenfalls Preissetzungsstrategien oder absatzfördernde Maßnahmen zur Regulierung der Fahrzeugbestände. Die Prognosequalität der Markteinschätzung wird durch regelmäßige Vergleiche von internen und externen Quellen verifiziert, und die Restwertsetzung wird bei Bedarf angepasst sowie methodisch, prozessual und systemseitig weiterentwickelt. Chancen aus einer positiven Entwicklung der Restwerte können sich hingegen aus einem günstigen Marktumfeld für Gebrauchtfahrzeuge sowie einer Verringerung der gewährten Rabatte für Neufahrzeuge ergeben.

Darüber hinaus besteht für die Gesellschaften bei Daimler Mobility, die gewerbliches Fuhrpark- und Leasingmanagement betreiben, ein Restwertrisiko aus Fremdfahrzeugen, da für den größten Teil der Fahrzeuge keine Restwertgarantien der Hersteller vorliegen. Die rückläufige Entwicklung der Verkaufspreise von sich im Bestand befindenden Gebrauchtfahrzeugen kann sich negativ auf das Ergebnis auswirken. Dem Restwertrisiko wird durch eine hohe Diversifikation bezüglich Marken, Regionen, Kunden und Laufzeiten Rechnung getragen. Die Gebrauchtfahrzeugpreise werden laufend sowohl lokal als auch zentral überwacht, um das Restwertrisiko durch den Verfall von Marktpreisen rechtzeitig prognostizieren und gegebenenfalls geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Die segmentübergreifende Einschätzung der allgemeinen Marktrisiken ist gegenüber dem Vorjahr unverändert. Das Ausmaß der marktwirtschaftlichen Chancen erhöht sich hingegen aufgrund einer potenziell steigenden Nachfrageentwicklung in den automobilen Segmenten von »Niedrig« auf »Mittel«. Die im Vorjahr unter »Risiken und Chancen im Zusammenhang mit dem Leasing- und Absatzfinanzierungsgeschäft« ausgewiesenen Risiken und Chancen wurden im Geschäftsjahr in den Abschnitt »Allgemeine Marktrisiken und -chancen« integriert.

Risiken und Chancen infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen

Die Automobilindustrie unterliegt weltweit einer umfassenden staatlichen Regulierung. Gesetzliche und politische Rahmenbedingungen haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf den künftigen Geschäftserfolg von Daimler. Dabei spielen insbesondere die Emissions-, Verbrauchs-, Sicherheits- und Zertifizierungsbestimmungen sowie Zollprozeduren für Fahrzeuge eine wichtige Rolle. Um die vielfältigen und weltweit oftmals divergierenden Regelungen einzuhalten, sind erhebliche Anstrengungen seitens der Automobilindustrie erforderlich. Daimler erwartet, dass der Konzern in Zukunft einen noch höheren Anteil des Forschungs- und Entwicklungsbudgets für die Erfüllung dieser Anforderungen aufwenden wird. Das Ausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit der Risiken aus gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen sind gegenüber dem Vorjahr unverändert. Das Ausmaß der Chancen erhöht sich hingegen von »Niedrig« auf »Mittel«.

Viele Länder und Regionen haben bereits strengere Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen erlassen oder bringen aktuell entsprechende Gesetzesvorgaben auf den Weg, zum Beispiel zur Umweltverträglichkeit von Automobilen, einschließlich der Emissionswerte, der Treibstoffeffizienz und der Lärmgeräusche, sowie zum Schadstoffgehalt der Emissionen, der von Produktionsstandorten verursacht wird. Die Nichteinhaltung der einschlägigen Vorschriften in den einzelnen Regionen kann unter Umständen mit erheblichen Strafen und Reputationsrisiken verbunden sein und sogar so weit führen, dass Fahrzeuge in den betroffenen Märkten nicht oder nicht mehr zugelassen werden können. Zudem besteht das Risiko, dass bereits im Markt befindliche Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. Die Kosten für die Einhaltung dieser Vorschriften insbesondere für die konventionellen Antriebe sind erheblich, und Daimler erwartet in diesem Zusammenhang einen weiteren Anstieg der Kosten.

Für Mercedes-Benz Cars & Vans bestehen Risiken aus Regelungen zu verbindlichen Zielvorgaben zum Flottendurchschnittsverbrauch beziehungsweise zum CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen insbesondere in den Märkten China, Europa und in den USA. Daimler berücksichtigt diese Zielvorgaben in den Produktplanungen. Die zunehmend anspruchsvolleren Zielsetzungen erfordern signifikante Anteile von Plug-in-Hybriden oder anderen elektrifizierten Antrieben am tatsächlichen Absatz. Die ambitionierten gesetzlichen Vorgaben werden in einigen Ländern schwer zu erfüllen sein. Der Markterfolg dieser Antriebskonzepte wird neben der Akzeptanz beim Kunden maßgeblich vom regionalen Marktumfeld mitbestimmt, beispielsweise von der Ladeinfrastruktur und von staatlichen Fördermaßnahmen.

Da die negativen Schlagzeilen zum Dieselantrieb und die Umsetzung von Fahrverboten für Dieselfahrzeuge die Kunden verunsichern, können sich dadurch dauerhaft Verschiebungen im Antriebsportfolio (weniger Diesel, mehr Benziner) ergeben. Somit wären zur Erreichung der ab 2020 geltenden CO2-Flottenziele weitere kostenintensive entwicklungs- und produktionsseitige Maßnahmen erforderlich.

Weiterhin werden von der EU-Kommission die Rahmenbedingungen des seit September 2018 geltenden WLTP-Messverfahrens überarbeitet und geändert beziehungsweise ergänzt. Als Folge können sich erhöhte und zusätzliche WLTP-Test- und Dokumentationsaufwände ergeben.

Aufgrund eines Verfahrensfehlers bei der Gesetzgebung hat das Gericht der Europäischen Union erstinstanzlich Anfang 2019 Teile der Real Driving Emissions-Gesetzgebung (RDE) für nichtig erklärt und dem Gesetzgeber zwölf Monate Zeit nach Entscheidung über die Berufung gegeben, die beanstandeten Teile der Regulierung zu ändern. Sollte in der Berufung das Urteil bestätigt werden, können durch die Neuregelung signifikante Risiken für die Zulassungsfähigkeit von Fahrzeugen auch des Daimler-Konzerns entstehen. Im schlimmsten Fall dürften die betroffenen Neufahrzeuge auch des Daimler-Konzerns in der gesamten EU nicht mehr zugelassen und betrieben werden. Parallel zu diesem Verfahren wird im politischen Prozess (Trilog) eine für alle Seiten akzeptable Lösung angestrebt.

Strenge Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen sind auch für Daimler Trucks & Buses mit Risiken behaftet, da die gesetzlichen Vorgaben in einigen Ländern schwer zu erfüllen sein werden. Dies betrifft vor allem die Märkte Japan, USA, China und Europa. Die Europäische Kommission hat mit VECTO ein Messverfahren zur Ermittlung des CO2-Ausstoßes von schweren Nutzfahrzeugen entwickelt, das seit 1. Januar 2019 für die wichtigsten Klassen verbindlich angewendet werden muss. Die in Europa vorgeschriebene CO2-Reduktion für 2025 von 15 % und für 2030 um 30 %, jeweils gegenüber der Neufahrzeugflotte des Zeitraums Juli 2019 bis Juni 2020, ist allein mit konventioneller Technologie nicht zu erreichen. Somit müssen Daimler Trucks & Buses neueste Technologie einsetzen, um diese Anforderungen zu erfüllen. Die Zielerreichung 2025 erfordert bereits signifikante Anteile von batterieelektrischen Lkw oder anderen elektrifizierten Antrieben am tatsächlichen Markt, die gegebenenfalls nur mit höheren Kosten erreichbar sein werden.

Darüber hinaus könnte die Position des Daimler-Konzerns in wichtigen ausländischen Märkten durch die Zunahme beziehungsweise Änderung von Freihandelsabkommen beeinflusst werden. Sofern Freihandelsabkommen ohne die Beteiligung von Ländern geschlossen werden, in denen Daimler produziert, könnte Daimler ein Wettbewerbsnachteil gegenüber Wettbewerbern entstehen, die in den betreffenden Ländern produzieren. Zudem könnte auch die inhaltliche Verschärfung von Bedingungen aktuell durch Daimler genutzter Freihandelsabkommen die Position des Daimler-Konzerns signifikant beeinträchtigen, da der Konzern von diesen Freihandelsabkommen nicht mehr profitieren könnte. Gleichzeitig könnten aus dem Abschluss neuer Freihandelsabkommen jedoch auch Chancen für den Daimler-Konzern gegenüber Wettbewerbern entstehen, sofern die Wettbewerber in den betreffenden Ländern nicht produzieren, Daimler jedoch schon.

Es besteht die Gefahr, dass einzelne Länder bei dem Versuch, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu schützen oder zu verbessern, verstärkt zu interventionistischen und protektionistischen Maßnahmen greifen. Auch Unterbrechungen in der Zulieferkette aufgrund von potenziellen Handelskonflikten können nicht ausgeschlossen werden. Über industriepolitische Maßnahmen sollen Investitionen ins Land geholt und die lokale Wertschöpfung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg gesteigert werden. Dies kann zu erhöhten Kosten führen, wenn Produktionsstätten aufgebaut oder erweitert werden müssen oder der lokale Einkauf gesteigert werden muss. Darüber hinaus wird durch Marktzugangsbarrieren wie beispielsweise erschwerte Zertifizierungsprozesse und Verzögerungen von Zertifizierungen oder sehr aufwendige Zollprozeduren versucht, den Zuwachs von Importen zu begrenzen. Insgesamt erhöhen diese Maßnahmen die Unsicherheiten im Planungsprozess. Auch kann der Absatz zurückgehen, wenn Importe erschwert werden.

Zusätzlich zu den beschriebenen Emissions- und Verbrauchsbestimmungen nehmen in Städten und Ballungszentren weltweit verkehrspolitische Restriktionen zur Bekämpfung von Staus, Lärm und Emissionen an Bedeutung zu. Diese Entwicklungen können die Absatzentwicklung insbesondere in den Wachstumsmärkten dämpfen. In europäischen Städten erhöhen zunehmend Diskussionen um weitere Fahrverbote den Druck zur Reduzierung des Individualverkehrs, insbesondere auf jenen mit Dieselfahrzeugen. Hieraus kann wiederum eine Nachfrage nach Fahrzeugen mit alternativen Antrieben erwachsen.

Daimler verfolgt ständig die Entwicklung der gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen und versucht, absehbare Anforderungen und langfristige Zielsetzungen frühzeitig im Produktentstehungsprozess zu antizipieren. Die große Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, in jedem Markt das passende Antriebsportfolio und die passende Produktpalette anzubieten.

Beschaffungsmarktrisiken und -chancen

Die Risiken und Chancen auf der Beschaffungsseite ergeben sich für die automobilen Segmente insbesondere aus den Schwankungen bei Rohstoff- und Energiepreisen. Daneben bestehen Risiken aus finanziellen Engpässen bei Lieferanten, Kapazitätsrestriktionen durch den Ausfall von Lieferanten sowie aus der Unterauslastung von Produktionskapazitäten bei Lieferanten. Auch mögliche Ansprüche von Lieferanten aufgrund der vorzeitigen Beendigung von Entwicklungs- und Produktionsvereinbarungen durch den Daimler-Konzern können zu Ergebniseinbußen führen. Die Risikosituation hat sich in Bezug auf die Eintrittswahrscheinlichkeit und das Ausmaß im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Auch das Ausmaß der Chancen ist unverändert.

Die automobilen Segmente des Daimler-Konzerns benötigen für den Bau von Fahrzeugteilen und Fahrzeugen bestimmte Rohstoffe, die auf dem Weltmarkt eingekauft werden. Die Höhe der Kosten ist dabei von der Preisentwicklung der Rohstoffe abhängig. Aufgrund von weitestgehend unveränderten makroökonomischen Rahmenbedingungen werden auch für das Jahr 2020 Preisschwankungen mit unsicheren und uneinheitlichen Trends erwartet. So können die Rohstoffmärkte von politischen Krisen und Unsicherheiten – verbunden mit möglichen Versorgungsengpässen – sowie von der volatilen Nachfrage nach vereinzelten Rohmaterialien beeinflusst werden. Auch potenzielle Erhöhungen der Zölle auf bestimmte Rohstoffe infolge der weltweit zunehmenden protektionistischen Tendenzen können einen negativen Einfluss auf die Preisentwicklung haben. Generell sind der Weitergabe der Rohstoff- und Materialverteuerungen über höhere Preise für die hergestellten Fahrzeuge enge Grenzen gesetzt, da auf den internationalen Automobilmärkten ein ausgeprägter Konkurrenzdruck herrscht. Steigende Rohstoffpreise können sich demnach negativ auf die Marge der verkauften Fahrzeuge auswirken und dadurch zu einem sinkenden Ergebnis des jeweiligen Segments führen.

Bei einigen Lieferanten ist die finanzielle Situation aufgrund des eingetrübten Marktumfeldes weiterhin angespannt. Daraus resultierende mögliche Produktionsausfälle bei Lieferanten können eine Unterbrechung der Lieferkette bei den automobilen Segmenten des Daimler-Konzern verursachen und verhindern, dass Fahrzeuge rechtzeitig fertiggestellt und an die Kunden ausgeliefert werden. Um solchen Unterbrechungen in der Lieferkette entgegenzuwirken, können Unterstützungsmaßnahmen notwendig werden, um die Produktion und den Absatz der Lieferanten sicherzustellen. Das Lieferantenrisikomanagement zielt darauf ab, mögliche finanzielle Engpässe bei Lieferanten frühzeitig zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten. Konkret werden in Abhängigkeit von erfassten Warnsignalen und der internen Einstufung regelmäßige Berichtstermine für Lieferanten vereinbart, an denen wichtige Leistungskennziffern an Daimler berichtet und bei Bedarf etwaige Stützungsmaßnahmen bestimmt werden können.

Durch eine geplante Elektrifizierung neuer Baureihen und eine Verschiebung der Kundennachfrage von Diesel- zu Benzinmotoren besteht insbesondere für Mercedes-Benz Cars & Vans das Risiko eines veränderten Lieferabrufs an fremdbeschafften Teilen von Lieferanten durch den Daimler-Konzern. Für bestimmte Lieferanten könnte dies eine Über- oder Unterauslastung von Produktionskapazitäten zur Folge haben. Bei Fixkostenunterdeckungen besteht das Risiko, dass Lieferanten eine Kompensationszahlung einfordern können. Auch notwendige Kapazitätserweiterungen bei Lieferanten könnten eine kostenseitige Beteiligung erfordern.

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