Weltwirtschaft

Wir gehen für das Jahr 2020 davon aus, dass sich die verhaltene Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft fortsetzen wird und es auch im Jahresverlauf nicht zu einer nennenswerten Beschleunigung kommen wird. Dabei sind die Wachstums­perspektiven für die Industrieländer noch etwas schwächer als im Vorjahr, während sich die Volkswirtschaften in den Schwellenländern in Summe auf einem ähnlichen bis leicht höheren Wachstumsniveau entwickeln sollten.

Die andauernde Schwäche von Frühindikatoren deutet für die Wirtschaft der Europäischen Währungsunion auf ein weiterhin schwaches Wachstum hin. Insbesondere erwarten wir eine spürbare Verlangsamung der Investitionstätigkeit, bedingt durch das deutlich ungünstigere Geschäftsklima und die schwache Entwicklung der Auftragseingänge. Solange sich allerdings die rezessive Entwicklung der Industrie nicht deutlich stärker als bislang auf den Arbeitsmarkt auswirkt, dürfte der private Konsum auch in diesem Jahr eine solide Stütze des Wachstums bleiben. Zudem ist eine weitere geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank aus heutiger Sicht zwar unwahrscheinlich, aber im Falle einer weiteren wirtschaftlichen Verschlechterung nicht auszuschließen. Insgesamt dürften diese Entwicklungen zu einer Wachstumsrate in der Europäischen Währungsunion von lediglich rund 1,0 % führen. Der Ausblick für die deutsche Wirtschaft ist ebenfalls gedämpft. Wir erwarten auch hier eine Fortsetzung der schwachen Dynamik und ein Wachstum zwischen 0,5 und 1,0 %. Weil die konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen des inzwischen vollzogenen EU-Austritts Großbritanniens nach wie vor nicht im Detail abzusehen sind, muss für die britische Wirtschaft auch im Jahr 2020 eine eher verhaltene Entwicklung unterstellt werden. Ein konjunktureller Einbruch wird dennoch von der Mehrzahl der Analysten nicht erwartet.

Das Wachstum der US-amerikanischen Volkswirtschaft wird voraussichtlich zum ersten Mal seit 2016 unter die 2 %-Marke fallen. Eine Kombination aus schwächerem Wachstum der Weltwirtschaft und anhaltender Unsicherheit hinsichtlich der diversen Handelskonflikte belastet die Unternehmen und dürfte zu einer weiteren Verlangsamung der Investitionstätigkeit führen; aber auch das Wachstum des privaten Konsums dürfte etwas nachlassen, dank moderater Inflation und niedriger Arbeitslosigkeit aber noch solide bleiben. Angesichts dieser Entwicklungen dürfte die US-amerikanische Zentralbank (Fed) zunächst eine abwartende Haltung einnehmen, im Falle eines konjunkturellen Einbruchs oder negativer Beschäftigungseffekte jedoch entsprechend gegenwirken.

Das Wachstum der japanischen Volkswirtschaft dürfte sich in diesem Jahr aufgrund der Auswirkungen der erhöhten Mehrwertsteuer und anhaltender Exportschwäche spürbar verlangsamen und nur noch geringfügig über der 0 %-Marke liegen.

In China rechnen wir mit einer weiter nachlassenden Wachstumsdynamik, da neben den Auswirkungen des Handelskonflikts auch die andauernde Bekämpfung struktureller Probleme wie industrieller Überkapazitäten und sehr hoher Schuldenniveaus im Bereich der staatseigenen Unternehmen dämpfend wirken. Da auch die Stimulusmaßnahmen der Regierung weiterhin nur moderat ausfallen dürften, um die Verschuldung nicht übermäßig anzukurbeln und Blasenbildungen zu vermeiden, wird das chinesische Wachstum in diesem Jahr voraussichtlich unter die 6 %-Marke sinken.

Während sich die mittel- und osteuropäischen Volkswirtschaften in Summe ähnlich entwickeln dürften wie im Vorjahr, wird für den südamerikanischen Wirtschaftsraum eine leichte konjunkturelle Beschleunigung angenommen, hauptsächlich getrieben durch den größten Markt Brasilien. Mit einem erwarteten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von unter 2 % bleibt Südamerika aber nach wie vor unter seinen Möglichkeiten. Für die Länder des Mittleren und Nahen Ostens wird trotz des weiterhin vergleichsweise niedrigen Niveaus bei den Rohstoff- und insbesondere Ölpreisen ein etwas kräftigeres Wachstum von etwa 2 % unterstellt, allerdings mit Risiken für eine schwächere Entwicklung. Insgesamt sollten die Schwellenländer im Jahr 2020 ein gesamtwirtschaftliches Wachstum in der Größenordnung von 4 % erzielen und sich somit entlang ihres langfristigen Trends entwickeln.

Insgesamt dürfte die Weltwirtschaft im Jahr 2020 mit einem Wachstum von rund 2,5 % ähnlich moderat expandieren wie im Vorjahr.

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