Zehn Fragen an den CEO und den CFO

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Ola Källenius Vorsitzender des Vorstands (CEO), Vorsitzender des Vorstands der Mercedes-Benz AG (rechte Seite) und Harald Wilhelm Finanzen & Controlling (CFO), Daimler Mobility (linke Seite)

Ola Källenius und Harald Wilhelm zum Geschäftsjahr 2019 und zur nachhaltigen Geschäftsstrategie von Daimler

Interview

Wie lautet Ihr Fazit für das Geschäftsjahr 2019?

Ola Källenius: Das Jahr hat gezeigt: Die Transformation bei Daimler ist in vollem Gange. Wir haben den Kurs für das Jahrzehnt gesetzt – und erste wichtige Schritte auf den Weg gebracht. Insgesamt war 2019 geprägt von mehreren Sondereinflüssen und einem stabilen Kerngeschäft. Den Konzernabsatz konnten wir auf dem starken Vorjahresniveau halten. Finanziell war 2019 für Daimler jedoch herausfordernd.

Harald Wilhelm: Mit der Entwicklung des EBIT und dem Free Cash Flow im abgelaufenen Jahr können wir nicht zufrieden sein, auch wenn darin erhebliche Sonderbelastungen enthalten sind. Die Transformation, in der sich das Unternehmen und die gesamte Automobilindustrie befinden, schlägt sich auch in unserem Zahlenwerk nieder. Mit dem Übergang auf eine CO2- neutrale Mobilität sind hohe Investitionen und zunächst höhere Produktkosten verbunden. Aber die vor uns liegenden Veränderungen eröffnen auch zahlreiche Chancen. Diese wollen wir nutzen. Wir haben einen klaren Plan erarbeitet, um die dafür nötige Finanzkraft sicherzustellen.

Was waren Ihre Highlights des vergangenen Jahres?

Ola Källenius: Da denke ich zuerst an die Produkte. Bei Mercedes-Benz haben wir mit neuen Kompaktwagen und SUVs Maßstäbe gesetzt. Gleichzeitig zeigen der Marktstart des EQC, die Einführung zahlreicher neuer Plug-in-Hybride und der Auftritt bei der IAA: Unser Weg nach vorn ist Sustainable Modern Luxury. Auch die Elektrifizierung unserer Trucks, Vans und Busse haben wir weiter vorangetrieben. Jüngstes Beispiel ist der Start der Serienproduktion des eSprinter. Die Elektrifizierung ist elementarer Teil unserer nachhaltigen Geschäftsstrategie, die wir 2019 erarbeitet haben. Sie verspricht nachhaltiges Handeln in den verschiedensten Bereichen – von der CO2-Reduktion und der Einhaltung der Umweltvorschriften über Datenschutz bis hin zur Wahrung der Menschenrechte.

Harald Wilhelm: Neben diesen geschäftlichen Highlights war es nach meinem Start bei Daimler im vergangenen Jahr vor allem auch spannend, das Unternehmen kennenzulernen. Mein Eindruck ist positiv: Wir haben nicht nur starke Produkte, sondern auch eine sehr engagierte Mannschaft. Deshalb bin ich überzeugt: Wir werden schaffen, was wir uns vornehmen.

Was bedeutet das für Mercedes-Benz in puncto Klimaschutz?

Ola Källenius: Die Ziele haben wir unter dem Titel »Ambition 2039« definiert. Bis in zehn Jahren peilen wir mehr als die Hälfte des Pkw-Absatzes mit Plug-in- Hybriden oder rein elektrischen Fahrzeugen an. Bis 2039 soll unsere Pkw- Neuwagenflotte CO2-neutral sein. In den nächsten Jahren steht dabei der batterieelektrische Antrieb im Fokus. Aber welche Technologie die Kundenwünsche von morgen und übermorgen am besten bedienen wird, lässt sich heute nicht mit Gewissheit sagen. Wir bleiben deshalb offen für alle Antriebsarten. Auch unsere Produktion wird schrittweise CO2-neutral. Zu unserem ganzheitlichen Ansatz gehört außerdem das Recycling von Rohstoffen: Wir bewegen uns von der Wertschöpfungskette zu einem Wertschöpfungskreislauf. Außerdem fördern wir Nachhaltigkeit bei Partnern und Lieferanten, etwa durch neue Vergabekriterien.

Einen wichtigen Teil des Geschäfts von Daimler machen Nutzfahrzeuge aus. Wie sieht unser Weg hin zu nachhaltigem Transport aus?

Ola Källenius: Mit unseren Lkw, Transportern und Bussen sind wir schon heute Vorreiter bei der Elektromobilität. In weniger als zwei Jahren werden wir in allen Kernregionen batterieelektrische Serienfahrzeuge im Portfolio haben. Bis Ende der 2020 er-Jahre sollen Serienfahrzeuge auf Wasserstoffantrieb folgen. Bis 2039 wollen wir in unseren größten Märkten in allen Segmenten CO2-neutrale Neufahrzeuge anbieten. Unser Ziel ist ein CO2-neutraler Transport bis 2050 . Doch auch in vielen Jahren werden die Kosten elektrischer Lkw und Busse noch höher liegen als bei Dieselmodellen. Um Elek­tromobilität auch für gewerbliche Kunden lukrativer zu machen, braucht es zudem unterstützende Rahmenbedingungen.

Was sind mit Blick nach vorne die größten Herausforderungen für Daimler?

Ola Källenius: Mittel- bis langfristig gehen wir von einer positiven Wachstumsentwicklung der Automobilmärkte aus. Gleichzeitig erleben wir täglich eine hohe Volatilität im geo- oder makropolitischen Umfeld. Hier müssen wir in der Lage sein, bestmöglich und schnell zu reagieren. Vieles haben wir aber auch selbst in der Hand. Zur Erfüllung der CO2-Vorgaben in Europa haben wir einen konsequenten Produktplan erarbeitet. Bei zukünftigen Technologien und Geschäftsmodellen bleibt die Kundenanforderung auch weiterhin ein zentraler Aspekt. Und wir haben Maßnahmen eingeleitet, um unsere Ertragskraft während des Übergangs zur klimaneutralen Mobilität zu sichern.

Wie genau soll die Effizienz im Unternehmen gesteigert werden?

Harald Wilhelm: Unsere Kostenstruktur muss nachhaltig besser werden. Darum kommt alles auf den Prüfstand. Die Materialkosten wollen wir deutlich reduzieren. Die Personalkosten sollen bis 2022 um 1,4 Milliarden Euro sinken. Und auch bei den Verwaltungskosten sparen wir ein. Gleichzeitig priorisieren wir unsere Investitionen konsequent. Längerfristig verringern wir beispielsweise die Komplexität unserer Architekturen, überprüfen unser Produktportfolio und konzentrieren uns auf die profitabelsten Technologien. Entscheidend dabei ist vor allem Schnelligkeit. Wir wollen möglichst bald spürbare Effekte erzielen.

Wie sieht für Daimler die Zukunft der Mobilität aus?

Ola Källenius: Unser Geschäftsmodell wird darauf basieren, Fahrzeuge anzubieten, die individuelle Mobilität auf nachhaltige Art und Weise ermöglichen. Den eigenen Mercedes machen wir mit einer Palette an Services noch attraktiver. Digitalisierung und Konnektivität eröffnen uns dabei ein Universum an Möglichkeiten. Dabei ist China ein wichtiger Seismograf für neue Trends auch in diesem Bereich.

Harald Wilhelm: Den Zugang der Kunden zu unseren Fahrzeugen machen wir noch einfacher und bequemer, vom digitalen Kauf bis zur flexiblen Nutzung. Wir bieten also Mobilität »from years to minutes«. Ein Baustein sind unsere Mobilitätsdienste. Hier haben wir voriges Jahr die Kräfte mit BMW gebündelt. Jetzt geht es darum, das Wachstum fortzusetzen und unser Geschäft nachhaltig profitabel zu machen. Dafür werden wir unsere Mittel priorisieren.

Und wie sehen die nächsten Schritte beim autonomen Fahren aus?

Ola Källenius: Es kommt darauf an, Anwendungsmöglichkeiten zu liefern, die für unsere Kunden attraktiv und für uns profitabel sind. Bei Pkw steht zunächst das streckenweise automatisierte Fahren auf der Autobahn im Mittelpunkt. Dafür bündeln wir die Kräfte mit Partnern. So können wir die Rechnung teilen und das Innovationstempo erhöhen. Beim vollautonomen Fahren sehen wir die vielversprechendsten Anwendungen zuerst bei Trucks – Pkw wird folgen.

Welche Einstellung benötigt es, um all diese Ziele erfolgreich umzusetzen?

Ola Källenius: Wir brauchen Mut und Zielstrebigkeit, Offenheit und Begeisterung. Alle Kolleginnen und Kollegen bestimmen mit, wie wir zusammenarbeiten. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Unternehmenskultur deutlich weiterentwickelt. Daran wollen wir anknüpfen.

Was haben Sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen?

Harald Wilhelm: Das Vertrauen rechtfertigen, das uns unsere Aktionärinnen und Aktionäre entgegenbringen. Wir werden alles daransetzen, das einzulösen, was wir versprochen haben: hohe Finanzkraft durch nachhaltige Effizienz.

Ola Källenius: Es gibt viele gute Gründe, zuversichtlich nach vorn zu schauen. Die Nachfrage nach Mobilität steigt. Dieses Wachstumspotenzial werden wir weiter nutzen. Wir haben alles, was es dazu braucht – starke Marken und Produkte, die besten Köpfe und die richtige Strategie.

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