Geschäftsbericht 2020

Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen

Die Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen des Daimler-Konzerns werden nachfolgend erläutert. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.59 dargestellt.

B.59 Umfeld- und Branchenrisiken/-chancen

Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
Allgemeine Marktrisiken Niedrig Hoch Allgemeine Marktchancen Hoch
Risiken infolge gesetzlicherund politischer Rahmenbedingungen Niedrig Hoch Chancen infolge gesetzlicherund politischer Rahmenbedingungen Niedrig
Risiken aus dem Beschaffungsmarkt Mittel Hoch Chancen aus dem Beschaffungsmarkt Mittel

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen

Volkswirtschaftliche Risiken und Chancen stellen die Rahmenbedingungen für die in den nachfolgenden Kategorien genannten Risiken und Chancen dar und fließen als Prämissen in die Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ein. Der gesamtwirtschaftliche Rahmen hat maßgeblichen Einfluss auf die automobilen Absatzmärkte und damit auf den Erfolg des Konzerns.

Wie die Mehrzahl der Wirtschaftsforschungsinstitute erwartet Daimler, dass sich die Weltwirtschaft im Jahr 2021 spürbar von der Rezession des Vorjahres erholt. Der Konjunkturverlauf im Jahr 2020 ist im Kapitel »Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Geschäftsverlauf« dieses Lageberichts ausführlich beschrieben; die Wachstumsannahmen und Prognosen über die Gesamtentwicklung für 2021 werden im »Prognosebericht« erörtert.

Ein wesentliches Risiko für die Entwicklung der Weltwirtschaft ist der weitere Verlauf der COVID-19-Pandemie. Sollte das weitere Infektionsgeschehen noch einschneidendere und umfassendere Eindämmungsmaßnahmen erforderlich machen als im Prognosebericht angenommen, würde dies die wirtschaftliche Erholung und die internationalen Handelsverflechtungen stark beeinträchtigen. Die Effekte würden dabei umso stärker ausfallen, je breiter und umfassender die jeweiligen Lockdowns angelegt sind.

Sollten die aus der Pandemie resultierenden Einschränkungen deutlich über das erste Quartal hinaus andauern, könnte dies Haushalte, Unternehmen und Regierungen übermäßig belasten. Dies könnte unter anderem zu einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit führen, was wiederum deutliche negative Auswirkungen auf den privaten Konsum hätte und die Erholung ebenfalls nachhaltig belasten würde. Die ohnehin schon angespannte Situation vieler Unternehmen könnte sich infolgedessen weiter verschärfen. Eine möglicherweise daraus resultierende Insolvenzwelle könnte die Stabilität des Bankensektors gefährden und zu Verwerfungen auf den Finanzmärkten führen. Für den Daimler-Konzern können sich die Risiken, die sich aus dem weiteren Pandemiegeschehen ergeben, zum einen nachteilig auf die Absatzentwicklung und die Vertriebsprozesse auswirken, und zum anderen zu erheblichen Beeinträchtigungen der Produktion und der Lieferketten führen.

Sollte sich insbesondere der von der Corona-Pandemie stark betroffene Dienstleistungssektor aufgrund andauernder Beschränkungen oder freiwilliger Verhaltensänderungen der Verbraucher nicht wie erwartet erholen, hätte das spürbare Auswirkungen auf die Beschäftigung und Löhne in diesem Sektor. Dies würde Verbrauchervertrauen und Konsum, eine der wichtigsten Stützen der konjunkturellen Erholung, deutlich belasten. Der daraus resultierende geringere Zuwachs oder gar Rückgang beim gesamtwirtschaftlichen Konsum hätte entsprechend negative Auswirkungen auf die Absatzperspektiven insbesondere für Mercedes-Benz Cars & Vans.

Sollten sich die Erwartungen in eine Erholung nicht erfüllen, könnte es außerdem zu einer starken Korrektur an den Aktienmärkten kommen, da diese eine spürbare Verbesserung der Realwirtschaft bereits eingepreist haben. Stark fallende Aktienkurse könnten an den globalen Finanzmärkten eine Kettenreaktion mit starken Marktkorrekturen und Phasen außerordentlicher Volatilität in Gang setzen. Derartige Entwicklungen könnten weltweit zu großen Vermögensverlusten führen und außerdem die Verbraucherstimmung und das Investitionsklima belasten und sich negativ auf die Weltkonjunktur auswirken. Dies hätte erhebliche negative Auswirkungen insbesondere auf die Absatzperspektiven aller Segmente sowie auf die Ertragslage des Daimler-Konzerns.

Dagegen könnte eine erfolgreiche Eindämmung der Pandemie noch innerhalb der ersten Monate des Jahres, beispielsweise durch die schnellere und flächendeckende Verbreitung von geeigneten Impfstoffen oder die Entwicklung von wirksamen Medikamenten gegen COVID-19, zu einer deutlich dynamischeren Erholung führen als im Prognosebericht unterstellt. Eine verringerte Unsicherheit über das weitere Pandemiegeschehen und die wirtschaftlichen Aussichten könnte dafür sorgen, dass die während des Lockdowns stark gestiegenen Ersparnisse der Haushalte schneller als angenommen aufgelöst werden. Dies würde den Konsum spürbar ankurbeln und hätte positive Auswirkungen auf den Absatz von Mercedes-Benz Cars & Vans. Auch die Investitionsbereitschaft von Unternehmen könnte sich in diesem Fall erhöhen, was sich in steigender Nachfrage nach Nutzfahrzeugen niederschlagen könnte, mit den entsprechenden positiven Effekten für die Absatzsituation von Daimler Trucks & Buses.

Die im Rahmen der Pandemie und durch die zur Bekämpfung notwendigen Gegenmaßnahmen gestiegene öffentliche und private Verschuldung könnte zu Spekulationen auf dem Kapitalmarkt führen hinsichtlich der Tragfähigkeit der Schuldenlast einiger Länder. Dies wiederum könnte die Unsicherheit von Konsumenten und Investoren zusätzlich erhöhen. Im Fall steigender Zinsen, könnte sich diese Entwicklung weiter verschärfen. Auch könnte ein zu früher Entzug der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen die wirtschaftliche Erholung belasten. Beide Entwicklungen hätten eine schwächere Konsum- und Investitionstätigkeit zur Folge und würden mit einer entsprechend schwächeren Geschäftsentwicklung für alle Sparten des Daimler-Konzerns einhergehen. Außerdem könnte die steigende Belastung für Zinsen und Tilgung die Spielräume von Unternehmen für künftige Investitionen einschränken und so die künftige wirtschaftliche Aktivität belasten. Eine geringere Investitionstätigkeit würde vor allem den Absatz von Daimler Trucks & Buses negativ treffen.

Auf Länderebenen könnten vor allem jene Schwellenländer (zum Beispiel Türkei, Südafrika oder Brasilien) mit hoher Auslandsverschuldung und hohem Leistungsbilanzdefizit unter Druck geraten, was unter anderem deutliche Währungsabwertungen zur Folge hätte. Finanzmarktturbulenzen bis hin zu Währungskrisen wären mögliche Konsequenzen und könnten die Konjunktur in den betroffenen Volkswirtschaften massiv belasten. Da Daimler in diesen Ländern entweder schon sehr aktiv ist oder diese Märkte eine strategische Rolle spielen, hätte dies für die Absatzaussichten des Konzerns deutlich negative Folgen.

Trotz des »Phase One«-Teilabkommens würde eine erneute Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und China weiterhin ein signifikantes Risiko für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft darstellen. Zudem sind inzwischen immer mehr Bereiche von dem Konflikt betroffen, und es droht eine zunehmende technologische und ökonomische Abkopplung der beiden Volkswirtschaften. Dies könnte insbesondere die Absatzentwicklung von Mercedes-Benz Cars & Vans signifikant beeinträchtigen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Länder verstärkt protektionistische Maßnahmen wie konkrete Marktzugangsbarrieren oder industriepolitische Forderungen nach einem höheren lokalen Wertschöpfungsbeitrag implementieren. Dies würde bei Mercedes-Benz Cars & Vans und Daimler Trucks & Buses zu höheren Kosten führen und sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung sowie Absatzmöglichkeiten auswirken. Im Gegenzug könnten unvorhergesehene Handelserleichterungen positive Impulse setzen und zu mehr Handel und höherem Wachstum führen. Auch der Daimler-Konzern könnte in diesem Fall profitieren.

Der europäische Markt ist für alle Segmente des Daimler-Konzerns auch künftig von großer Bedeutung, sodass sich Veränderungen beim Investitions- und Konsumverhalten auf die Absatzentwicklung aller Segmente auswirken. In der Europäischen Union (EU) bleibt das Risiko für politische Konflikte erhöht. Phasen politischer Unsicherheit könnten negative Auswirkungen auf Konsum- und Investitionsentscheidungen von Haushalten und Unternehmen haben und sich in der Folge nachteilig auf die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Absatzmöglichkeiten des Daimler-Konzerns auswirken. Sollten hingegen konzertierte Stimuli in der Europäischen Union, vor allem der EU-Wiederaufbaufonds, oder die expansiven Maßnahmen der EZB eine größere Wirkung entfalten als aktuell angenommen, könnte dies zu einer kräftigeren Erholung des Wachstums führen mit positiven Auswirkungen auf Unternehmen und Haushalte. Das von der EU und dem Vereinigten Königreich am 24. Dezember 2020 geschlossene Handels- und Kooperationsabkommen vermeidet zwar den befürchteten harten Schnitt und sieht einen zollfreien Handel vor. Allerdings ist hierfür grundsätzlich die Erreichung der jeweiligen produktspezifischen Wertschöpfungs- beziehungsweise Ursprungsregeln Voraussetzung. Zudem gehen damit grundlegende Veränderungen in den Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigtem Königreich einher, wie zum Beispiel zeitaufwändige Zollverfahren im grenzüberschreitenden Güterhandel. Durch lange Wartezeiten im Grenzverkehr könnte es in der Folge zu Lieferverzögerungen kommen. Außerdem könnten mögliche Zollzahlungen, falls die geforderten Ursprungsregeln nicht erfüllt werden können, zu Druck auf Fahrzeugpreise oder Margen führen.

In den USA könnten das Ende 2020 beschlossene Fiskalprogramm sowie potenzielle weitere Stimulusmaßnahmen der neuen Regierung Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung ergeben. Sollte es in der Folge zu einer deutlich dynamischeren Konsum- und Investitionstätigkeit kommen, könnte die Nachfrage in allen automobilen Segmenten davon profitieren. Da Mercedes-Benz Cars & Vans, Daimler Trucks & Buses und Daimler Mobility einen beträchtlichen Teil ihres Umsatzes in den USA erzielen, hätten diese Entwicklungen erhebliche Konsequenzen für den Konzernerfolg. Darüber hinaus hätte ein höheres Wirtschaftswachstum in den USA auch Ausstrahlungseffekte auf den Rest der Welt. Dagegen könnten zunehmende innenpolitische Spannungen in den USA Konsumenten und Investoren verunsichern und das Wirtschaftswachstum entsprechend dämpfen.

In China könnten die unterstützenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie strukturelle Ungleichgewichte wie zum Beispiel Überkapazitäten, Verschuldung und mangelnde Produktivität verschärfen. Aus ökonomischer Perspektive stellt insbesondere die hohe Verschuldung chinesischer Unternehmen, vor allem der staatseigenen Betriebe, ein wesentliches Risiko dar. Sollten die erwarteten Anstrengungen der Regierung, die fiskalischen und monetären Unterstützungsmaßnahmen zurückzufahren, zu einer deutlicheren Wachstumsverlangsamung führen als aktuell angenommen, könnte es zu einer übermäßigen Zunahme von Kreditausfällen kommen, die wiederum zu Turbulenzen im Bankensektor und an den Finanzmärkten führen würden. Insbesondere das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars & Vans, für das China zu den wichtigsten Absatzmärkten zählt, müsste in diesem Fall mit deutlichen negativen Auswirkungen auf den Absatz rechnen. Hingegen könnte das Wachstum 2021 infolge anhaltender Stimulusmaßnahmen der chinesischen Regierung kräftiger ausfallen als erwartet. Der daraus resultierende höhere Zuwachs beim gesamtwirtschaftlichen Konsum böte als Folge weitere Chancen – insbesondere für Mercedes-Benz Cars & Vans.

Allgemeine Marktrisiken und -chancen

Die Risiken und Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung auf den Automobilmärkten sind maßgeblich durch die in den vorhergehenden Abschnitten beschriebene konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft beeinflusst. Insbesondere die in den volkswirtschaftlichen Risiken und Chancen genannten potenziellen Einschränkungen infolge der COVID-19-Pandemie ­können weltweit zu Absatzrisiken führen und das Aftersales-Geschäft negativ beeinträchtigen. Die Beurteilung marktwirtschaftlicher Risiken und Chancen ist an Annahmen und Prognosen über die Gesamtmarktentwicklung in den Regionen gekoppelt, in denen der Daimler-Konzern tätig ist. Die Möglichkeit, dass sich Märkte gegenüber der Planung besser oder schlechter entwickeln oder Marktbedingungen sich verändern, besteht grundsätzlich für alle Segmente des Daimler-Konzerns.

Potenzielle Auswirkungen der Risiken auf die Absatzentwicklung werden in Risikoszenarien erfasst. Die fehlende Marktakzeptanz bestimmter Fahrzeugmodelle in einzelnen Regionen kann sich dabei negativ auf das Ergebnis auswirken. Ursachen für einen rückläufigen Absatz von Fahrzeugen können darüber hinaus insbesondere aus dem zum Teil instabilen makroökonomischen Umfeld resultieren sowie sich im Kontext von politischen oder wirtschaftlichen Unsicherheiten ergeben. Auch ein steigender Ölpreis und volatile Wechselkurse können zu einer Verunsicherung der Märkte und damit zu einer sinkenden Nachfrage nach Fahrzeugen führen. Unterschiede zwischen den Segmenten gibt es aufgrund der teilweise abweichenden regionalen Tätigkeitsschwerpunkte. Die Markt-, Absatz- und Bestandsentwicklung wird von den Segmenten kontinuierlich analysiert und überwacht; gegebenenfalls werden spezifische Marketing- und Vertriebsprogramme aufgesetzt.

Volatilitäten in Bezug auf die Entwicklungen der Märkte können auch dazu führen, dass sich der Gesamtmarkt oder regionale Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie besser entwickeln als in den internen Prognosen und Prämissen angenommen und in marktwirtschaftlichen Chancen resultieren. Auch aus einer Verbesserung der Wettbewerbssituation oder einer positiven Nachfrageentwicklung können sich Chancen ergeben. Die Realisierung der Chancen wird durch den Einsatz von Vertriebs- und Marketingaktionen unterstützt.

Aufgrund der zum Teil angespannten wirtschaftlichen Lage einiger Händler und Fahrzeugimporteure könnten Unterstützungsleistungen von Mercedes-Benz Cars & Vans und Daimler Trucks & Buses notwendig werden, um die Leistungsfähigkeit der Geschäftspartner sicherzustellen. Die finanzielle Situation strategisch relevanter Händler und Fahrzeugimporteure wird kontinuierlich überwacht. Der Ausfall wichtiger Händler und Fahrzeugimporteure kann dazu führen, dass die Kundennachfrage nicht umfassend bedient wird und die Absatzzahlen zurückgehen. Auch die Kostenübernahme bei Widerrufen sowie die Abwicklung ausstehender Kundenverträge können infolge von Händlerinsolvenzen nicht ausgeschlossen werden und den Ergebnisbeitrag negativ beeinflussen.

Die Einführung neuer Produkte durch Wettbewerber, eine aggressivere Preispolitik sowie eine schlechtere Preisdurchsetzung im Aftersales-Geschäft können zu einem steigenden Wettbewerbs- und Preisdruck in den automobilen Segmenten führen und sich negativ auf die Ertragslage auswirken. Zur frühzeitigen Erkennung dieser Risiken wird ein kontinuierliches Monitoring der Wettbewerber durchgeführt. Je nach Ausprägung werden produktspezifische und gegebenenfalls regional unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, um absatzschwächere Märkte zu unterstützen. Zudem setzt Daimler unterschiedliche Programme zur Verkaufsförderung ein, die finanzielle Anreize für Kunden beinhalten.

Im Zusammenhang mit der Veräußerung von Fahrzeugen bietet Daimler seinen Kunden vielfältige Finanzierungs- und Leasingmöglichkeiten an. Die daraus resultierenden Risiken für das Segment Daimler Mobility liegen vor allem in einer Verschlechterung der Bonität der Kreditnehmer, sodass Forderungen aufgrund der Zahlungsunfähigkeit von Kunden ganz oder teilweise uneinbringlich werden können (Adressenausfall- oder Kreditrisiko). Daimler begegnet den Kreditrisiken mit Bonitätsprüfungen auf Basis standardisierter Scoring- und Ratingverfahren, der Besicherung der Forderungen und einem leistungsfähigen Risikomanagement mit einem starken Augenmerk auf das Monitoring von sowohl internen als auch makroökonomischen Frühwarnindikatoren.

Vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie hat das Segment Daimler Mobility ausgewählten Kunden Zahlungserleichterungen in Form von Stundungen gewährt; außerdem wurden Stundungen aufgrund staatlicher Unterstützungsprogramme eingeräumt. Zur Berücksichtigung der gestiegenen Kreditrisiken aufgrund der Beeinträchtigung der Weltwirtschaft durch die Pandemie hat Daimler Mobility vorsorglich die Inkassoaktivitäten verstärkt sowie die interne Überwachung und Berichterstattung durch das Risikomanagement intensiviert.

Im Zusammenhang mit Leasingverträgen entstehen Risiken und Chancen, wenn der Vermarktungswert eines Leasingfahrzeugs am Ende der Vertragslaufzeit von der ursprünglich bei Vertragsabschluss kalkulierten und der Leasingrate unterstellten Restwertprognose abweicht. Insbesondere bei Mercedes-Benz Cars & Vans und Daimler Mobility bestehen Risiken im Zusammenhang mit einer negativen Entwicklung der Gebrauchtwagenmärkte und damit verbunden mit den Restwerten von Fahrzeugen. Um diesen Risiken entgegenzuwirken, sind Restwertmanagementprozesse etabliert. Diese umfassen je nach Region und aktueller Marktlage grundsätzlich die kontinuierliche Marktüberwachung sowie gegebenenfalls Preissetzungsstrategien oder absatzfördernde Maßnahmen zur Regulierung der Fahrzeugbestände. Die Prognosequalität der Markteinschätzung wird durch regelmäßige Vergleiche von internen und externen Quellen verifiziert, und die Restwertsetzung wird bei Bedarf angepasst sowie methodisch, prozessual und systemseitig weiterentwickelt.

Die segmentübergreifende Einschätzung der allgemeinen Marktrisiken ist gegenüber dem Vorjahr unverändert. Das Ausmaß der marktwirtschaftlichen Chancen erhöht sich aufgrund einer potenziell höheren Nachfrageentwicklung als in der Planung der automobilen Segmente berücksichtigt von »Mittel« auf »Hoch«.

Risiken und Chancen infolge gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen

Die Automobilindustrie unterliegt weltweit einer umfassenden staatlichen Regulierung. Gesetzliche und politische Rahmenbedingungen haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf den künftigen Geschäftserfolg von Daimler. Dabei spielen insbesondere die Emissions-, Verbrauchs-, Sicherheits- und Zertifizierungsbestimmungen sowie Zollprozeduren für Fahrzeuge eine wichtige Rolle. Das Ausmaß der Risiken aus gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen bleibt gegenüber dem Vorjahr unverändert »Hoch«; die Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken verringert sich von »Mittel« auf »Niedrig«. Ursächlich hierfür ist insbesondere die geringere Eintrittswahrscheinlichkeit für Risiken im Zusammenhang mit Zöllen. Das Ausmaß der Chancen verringert sich von »Mittel« auf »Niedrig«.

Viele Länder und Regionen haben bereits strengere Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen erlassen oder bringen aktuell entsprechende Gesetzesvorgaben auf den Weg, zum Beispiel zur Umweltverträglichkeit von Automobilen, einschließlich der Grenzwerte bei Geräuschemissionen, sowie zum Schadstoffgehalt der Emissionen, der von Produktionsstandorten verursacht wird. Die Nichteinhaltung der einschlägigen Vorschriften in den einzelnen Regionen ist unter Umständen mit erheblichen Strafen und Reputationsrisiken verbunden und kann sogar so weit führen, dass Fahrzeuge in den betroffenen Märkten nicht oder nicht mehr zugelassen werden können. Dazu gehören auch Risiken aus den laufenden Aktivitäten bei der Real Driving Emissions Gesetzgebung (RDE). Zudem besteht das Risiko, dass bereits im Markt befindliche Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. Die Kosten für die Einhaltung dieser Vorschriften insbesondere für die konventionellen Antriebe sind erheblich.

Für Mercedes-Benz Cars & Vans bestehen die beschriebenen Risiken aus Regelungen zu verbindlichen Zielvorgaben zum Flottendurchschnittsverbrauch beziehungsweise zum CO2-Ausstoß von Neufahrzeugflotten insbesondere in den Märkten China, Europa und in den USA. Daimler berücksichtigt diese Zielvorgaben in den Produktplanungen. Die zunehmend anspruchsvolleren Zielsetzungen erfordern signifikante Anteile von Plug-in-Hybriden und anderen elektrifizierten Antrieben am tatsächlichen Absatz. Die ambitionierten gesetzlichen Vorgaben werden in einigen Ländern schwer zu erfüllen sein. Der Markterfolg alternativer Antriebskonzepte wird neben der Akzeptanz beim Kunden maßgeblich vom regionalen Marktumfeld mitbestimmt, beispielsweise von der Ladeinfrastruktur und von staatlichen Fördermaßnahmen.

Die beschriebenen Regelungen zur Reduzierung von Emissions- und Verbrauchswerten von Fahrzeugen sind auch für Daimler Trucks & Buses mit Risiken behaftet, da die strengen gesetzlichen Vorgaben in einigen Ländern schwer zu erfüllen sein werden. Dies betrifft vor allem die Märkte Japan, USA, China und Europa. Die anspruchsvollen Zielvorgaben, insbesondere in Europa, sind allein mit konventioneller Technologie nicht zu erreichen. Somit muss Daimler Trucks & Buses neueste Technologie einsetzen, um diese Anforderungen zu erfüllen. Die Zielerreichung 2025 erfordert bereits signifikante Anteile von batterieelektrischen Lkw oder anderen elektrifizierten Antrieben am tatsächlichen Markt, die gegebenenfalls nur mit höheren Kosten erreichbar sein werden.

Außerdem könnte die Position des Daimler-Konzerns in wichtigen ausländischen Märkten durch den Abschluss beziehungsweise die Änderung von Freihandelsabkommen beeinflusst werden. Sofern Freihandelsabkommen ohne die Beteiligung von Ländern geschlossen werden, in denen Daimler produziert, könnte Daimler ein Wettbewerbsnachteil gegenüber Wettbewerbern entstehen, die in den Ländern produzieren, die Teil des Freihandelsabkommens sind. Zudem könnten auch die inhaltliche Verschärfung aktuell durch Daimler genutzter sowie die restriktive Ausgestaltung künftiger Freihandelsabkommen die Position des Daimler-Konzerns signifikant beeinträchtigen, da der Konzern von diesen Freihandelsabkommen nicht mehr oder nur teilweise profitieren könnte. Gleichzeitig könnten aus dem Abschluss neuer Freihandelsabkommen jedoch auch Chancen für den Daimler-Konzern gegenüber Wettbewerbern entstehen, sofern die Wettbewerber in den betreffenden Ländern nicht produzieren, Daimler jedoch schon.

Es besteht die Gefahr, dass einzelne Länder bei dem Versuch, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt zu schützen oder zu verbessern, verstärkt zu interventionistischen und protektionistischen Maßnahmen greifen. Die Automobilindustrie wird oftmals als Schlüsselsektor angesehen, um Investitionen ins Land zu holen und die lokale Wertschöpfung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu steigern. Dies kann zu erhöhten Kosten führen, wenn Produktionsstätten aufgebaut oder erweitert werden müssen oder der lokale Einkauf gesteigert werden muss. Auch eine Kappung technologischer und wirtschaftlicher Verbindungen zwischen bedeutenden Märkten kann mit Ergebnisauswirkungen verbunden sein, wenn Forschung und Entwicklung lokal durchgeführt werden müssten oder Wertschöpfungsketten angepasst werden müssten, weil bestimmte Technologien in den Endprodukten nicht verwendet werden dürften. Darüber hinaus wird durch Marktzugangsbarrieren wie beispielsweise erschwerte Zertifizierungsprozesse und Verzögerungen von Zertifizierungen oder sehr aufwendige Zollprozeduren versucht, Importe zu begrenzen.

Zusätzlich zu den beschriebenen Emissions- und Verbrauchsbestimmungen nehmen in Städten und Ballungszentren weltweit verkehrspolitische Restriktionen zur Bekämpfung von Staus, Lärm und Emissionen an Bedeutung zu. Diese können zwar die Absatzentwicklung konventioneller Fahrzeuge dämpfen, jedoch kann hieraus eine Nachfrage nach Fahrzeugen mit alternativen Antrieben erwachsen.

Daimler verfolgt ständig die Entwicklung der gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen und versucht, absehbare Anforderungen und langfristige Zielsetzungen frühzeitig im Produktentstehungsprozess zu antizipieren.

Beschaffungsmarktrisiken und -chancen

Die Risiken und Chancen auf der Beschaffungsseite ergeben sich für die automobilen Segmente insbesondere aus den Schwankungen bei Rohstoff- und Energiepreisen. Auch finanzielle Engpässe bei Lieferanten, Kapazitätsrestriktionen durch den Ausfall von Lieferanten, ein eingeschränkter Verhandlungsspielraum bei der Preisgestaltung von Zulieferteilen sowie eine Über- oder Unterauslastung von Produktionskapazitäten bei Lieferanten können zu Ergebniseinbußen führen. Insgesamt ist die Risikosituation wie im Vorjahr in Bezug auf die Eintrittswahrscheinlichkeit als »Mittel« und in Bezug auf das Ausmaß als »Hoch« sowie das Ausmaß der Chancen als unverändert »Mittel« einzustufen.

Die automobilen Segmente des Daimler-Konzerns benötigen für den Bau von Fahrzeugteilen und Fahrzeugen bestimmte Rohstoffe, die auf dem Weltmarkt eingekauft werden. Die Höhe der Kosten ist dabei von der Preisentwicklung der Rohstoffe abhängig. Aufgrund von weitestgehend unveränderten makroökonomischen Rahmenbedingungen werden auch für das Jahr 2021 Preisschwankungen mit unsicheren und uneinheitlichen Trends erwartet. So können die Rohstoffmärkte von Unsicherheiten und politischen Krisen– verbunden mit möglichen Versorgungsengpässen – sowie von der volatilen Nachfrage nach vereinzelten Rohmaterialien beeinflusst werden. Generell sind der Weitergabe der Rohstoff- und Materialverteuerungen über höhere Preise für die hergestellten Fahrzeuge enge Grenzen gesetzt, da auf den internationalen Automobilmärkten ein ausgeprägter Konkurrenzdruck herrscht. Steigende Rohstoffpreise können sich demnach negativ auf die Marge der verkauften Fahrzeuge auswirken und dadurch zu einem sinkenden Ergebnis des jeweiligen Segments führen.

Bei einigen Lieferanten ist die finanzielle Situation aufgrund des eingetrübten Marktumfeldes weiterhin angespannt. Daraus resultierende mögliche Produktionsausfälle bei Lieferanten können eine Unterbrechung der Lieferkette bei den automobilen Segmenten des Daimler-Konzern verursachen und verhindern, dass Fahrzeuge rechtzeitig fertiggestellt und an die Kunden ausgeliefert werden. Um solchen Unterbrechungen in der Lieferkette entgegenzuwirken, können Unterstützungsmaßnahmen notwendig werden, um die Produktion und den Absatz der Lieferanten sicherzustellen. Das Lieferantenrisikomanagement zielt darauf ab, mögliche finanzielle Engpässe bei Lieferanten frühzeitig zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten. Konkret werden in Abhängigkeit von erfassten Warnsignalen und der internen Einstufung regelmäßige Berichtstermine für Lieferanten vereinbart, an denen wichtige Leistungskennziffern an Daimler berichtet und bei Bedarf etwaige Stützungsmaßnahmen bestimmt werden können.

Unter anderem durch die geplante Elektrifizierung neuer Baureihen sowie aufgrund einer besseren als erwarteten Erholung der automobilen Nachfrage besteht insbesondere für Mercedes-Benz Cars & Vans das Risiko eines veränderten Lieferabrufs an fremdbeschafften Teilen von Lieferanten durch den Daimler-Konzern. Für bestimmte Lieferanten könnte dies eine Über- oder Unterauslastung von Produktionskapazitäten zur Folge haben und zu einer Unterbrechung der Lieferkette führen. Auch die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie können zu Lieferengpässen und damit zu Produktionsunterbrechungen führen. Bei Fixkostenunterdeckungen besteht zudem das Risiko, dass Lieferanten eine Kompensationszahlung einfordern können. Auch notwendige Kapazitätserweiterungen bei Lieferanten könnten eine kostenseitige Beteiligung erfordern.

Risiken und Chancen
Unternehmens­spezifische Risiken und Chancen