Geschäftsbericht 2020

Sozialbelange

Als globaler Automobilkonzern sind wir in einem Umfeld aktiv, in dem vielschichtige soziale, gesellschaftliche und politische Einflüsse wirksam sind. Um zukunftsfähig zu sein, müssen wir unsere Unternehmensbelange in Politik und Gesellschaft verständlich machen und selbst auch auf die Anliegen gesellschaftlicher Gruppen eingehen. Deshalb pflegen wir den Austausch mit unseren Stakeholdern und vertreten unsere Interessen in einem offenen und fairen Dialog mit der Politik.

Die bevorstehenden großen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen wie den Klimawandel oder die zunehmende Urbanisierung kann die Menschheit nur gemeinschaftlich bewältigen. Hierzu leisten wir bei Daimler unseren Beitrag, indem wir uns mit unserer Expertise in den gesellschaftlichen Dialog einbringen und mit anderen an Lösungen arbeiten. Uns leitet dabei die Vision, mit beispielgebenden Formaten für den politischen Austausch zu den führenden »Corporate Citizens« in der Automobilindustrie zu gehören. Übergeordnetes Ziel ist es, unternehmerische und gesellschaftliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen. Konkret geht es uns in den Gesprächen mit politischen Entscheidern darum, mehr Planungssicherheit für Daimler zu erreichen.

Für den politischen Dialog und eine verantwortungsvolle Interessenvertretung hat sich Daimler eigene Grundsätze auferlegt: Wir wahren politische Zurückhaltung, Ausgewogenheit und Neutralität im Umgang mit politischen Parteien, Abgeordneten und Amtsträgern. Zentrale Koordinierungsstelle für den Dialog mit der Politik auf nationaler und internationaler Ebene ist der Bereich Politik und Außenbeziehungen (External Affairs).

Mit verschiedenen Instrumenten wollen wir gewährleisten, dass unsere politische Interessenvertretung mit geltenden Vorschriften und ethischen Standards im Einklang steht. Dabei finden in der Verbandsarbeit und der Kooperation mit anderen Unternehmen kartellrechtliche Vorgaben besondere Beachtung. Zudem haben wir unternehmensintern verbindliche Vorgaben festgelegt. Diese sind unter anderem in der Verhaltensrichtlinie des Konzerns und in einer weltweit gültigen Richtlinie festgeschrieben. Den Umgang mit Zuwendungen, die Vergabe von Parteispenden und die Handhabung weiterer Instrumente zur politischen Interessenvertretung regelt außerdem unsere Richtlinie »Lobbying und politische Zuwendungen/Parteispenden«. Die Richtlinien finden unsere Beschäftigten in der Richtliniendatenbank im Intranet. Daimler ist zudem im Transparenzregister der Europäischen Union gelistet und erkennt deren Verhaltenskodex an.

Die genannten Richtlinien definieren auch, wie wir mit Risiken, die im Zusammenhang mit der politischen Interessenvertretung stehen, umgehen wollen. Diese Risiken adressieren wir zudem in konzernweit verankerten Compliance-Prozessen. Beschwerden und Hinweise, die im Zusammenhang mit unseren Aktivitäten zur politischen Interessenvertretung stehen, nimmt unser Hinweisgebersystem Business Practices Office (BPO) entgegen. (Vgl. »Integrität und Compliance«)

Zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und unternehmensinternen Richtlinien führen wir regelmäßig Trainings durch. Geschult werden nicht nur Beschäftigte der Konzerngesellschaften des Daimler-Konzerns. Auch andere Beschäftigte der Daimler AG, die unsere Interessen vertreten und dem zuständigen Bereich External Affairs organisatorisch nicht zugeordnet sind, werden für ihre Aufgaben entsprechend qualifiziert.

Stakeholder-Einbeziehung

Es ist uns wichtig, kontinuierlich mit allen unseren Interessengruppen im Gespräch zu bleiben. Das ermöglicht uns, unser Nachhaltigkeitsengagement aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, neue Trends zu identifizieren und aufzugreifen sowie Erfahrungen auszutauschen. Dabei geht es auch darum, kontroverse Themen bereits sehr früh konstruktiv zu diskutieren. Im Mittelpunkt steht für uns immer ein Dialog, der für alle beteiligten Seiten ertragreich und zielführend ist. Unsere primären Stakeholder sind Kunden, Investoren, Beschäftigte und Lieferanten. Darüber hinaus tauschen wir uns regelmäßig mit zivilgesellschaftlichen Gruppen wie Nichtregierungsorganisationen aus. Aber auch mit Verbänden, Gewerkschaften, Medien, Analysten, Kommunen, Anwohnern in der Nachbarschaft unserer Standorte sowie mit Vertretern aus Wissenschaft und Politik pflegen wir den Kontakt.

Um mit unseren relevanten Stakeholdern in den Dialog zu treten, setzen wir unterschiedliche Instrumente ein. Zum einem nutzen wir eigene Dialogformate: Dazu zählen etwa der »Daimler Sustainability Dialogue« oder die virtuelle Dialogserie des »Mobility Labs«. Außerdem führen wir Stakeholder-Befragungen sowie Fachtagungen und thematische Dialoge durch, etwa in Form von Workshops oder über unseren Beirat für Integrität und Unternehmensverantwortung. Zum anderen beobachten wir aktuelle Diskussionen und informieren uns über damit verbundene Erwartungen, indem wir uns an branchenspezifischen und -übergreifenden Netzwerken und Initiativen beteiligen. Drittens werten wir Studien und andere wissenschaftliche Publikationen aus und führen eigene Medienanalysen durch. Sie helfen uns dabei, über den von uns initiierten Dialog hinaus Entwicklungen und damit verbundene Erwartungen zu erkennen.

Dialog auf Konzernebene

Ein wichtiges Instrument für den Austausch mit unseren Stakeholdern ist der »Daimler Sustainability Dialogue«. Er findet seit 2008 einmal jährlich in Stuttgart statt und bringt Stakeholder aus unterschiedlichen Bereichen mit Mitgliedern des Daimler-Vorstands und des Managements zusammen. In verschiedenen Workshops diskutieren die Teilnehmer über ausgewählte Nachhaltigkeitsthemen und arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung ihrer Ansätze. Unsere Themenverantwortlichen nehmen die Impulse der Teilnehmer auf, lassen sie in Zusammenarbeit mit den Stakeholdern in ihre Arbeit einfließen und berichten auf der Folgeveranstaltung über die Fortschritte. Im Berichtsjahr haben wir den »Daimler Sustainability Dialogue« pandemiebedingt erstmals auf einer digitalen Meeting-Plattform durchgeführt. Mehr als 200 externe und Daimler-interne Teilnehmende tauschten sich in Arbeitsgruppen unter anderem über Menschenrechte, Umweltschutz, Lebenswerte Städte sowie das Thema Beschäftigte & Integrität aus. Weitere Informationen zum Daimler Sustainability Dialogue und zu den Ergebnissen der Arbeitsgruppen: daimler.com/dokumente/nachhaltigkeit/sonstiges/sd2020-gesamtuebersicht-plenary-reports-arbeitsgruppen-de.pdf

B.08 Exemplarische Instrumente unseres Stakeholder-Dialogs

Als global agierendes Unternehmen haben wir uns zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit weltweit in unseren Geschäftseinheiten und Fachbereichen zu etablieren. Deshalb organisieren wir den »Daimler Sustainability Dialogue« auch in anderen Ländern und Regionen. Im Berichtsjahr haben sich mehr als 300 Stakeholder an dem inzwischen achten in China stattfindenden »Daimler Sustainability Dialogue« beteiligt - auch hier erstmals virtuell. Die Teilnehmenden haben über Themen wie »grüne« Produktion, urbane Mobilität und gesellschaftliche Verantwortung diskutiert.

Mit dem Daimler Mobility Lab (DML) haben wir 2020 eine neue Plattform für den öffentlichen Dialog mit Bürgern, Politik, Wirtschaft und NGOs in Berlin geschaffen. Gemeinsam mit den Stakeholdern wurden aktuelle Themen diskutiert und Antworten auf gesellschaftliche und ökologische Fragen gesucht. Im Fokus standen neben Nachhaltigkeit und Elektromobilität auch die Themen Digitalisierung und Urbanisierung und deren Bedeutung für die Gesellschaft. Dazu gab es unterschiedliche Formate an wechselnden Orten in Berlin – dazu zählte unter anderem eine interne Talk-Reihe zum Thema »Transformation in the new normal« und Paneldiskussionen zu »Future of urban mobility in the new normal«.

Ein wichtiger Impulsgeber für unsere Nachhaltigkeitsarbeit ist seit 2012 der Beirat für Integrität und Unternehmensverantwortung. Seine Mitglieder sind unabhängige externe Fachleute aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Sie begleiten uns konstruktiv-kritisch in Fragen der Integrität und Unternehmensverantwortung. Der Beirat tagt in regelmäßigen Abständen und tauscht sich mit Vorstandsmitgliedern und Verantwortlichen der Fachbereiche aus. Im Berichtsjahr fand zudem eine gemeinsame Sitzung mit Vertretern des Aufsichtsrats statt. Die Beiratsmitglieder verfügen über vielschichtige Kenntnisse und Erfahrungen in den Bereichen Umwelt- und Sozialpolitik, Verkehrs- und Mobilitätsentwicklung und diversen menschenrechtlichen und ethischen Fragestellungen. Im Berichtsjahr beschäftigte sich das Gremium vor allem mit der Transformation der Automobilindustrie, der Weiterentwicklung der nachhaltigen Geschäftsstrategien von Daimler und dem Umgang mit COVID 19.

Daimler steht zudem in regelmäßigem Kontakt mit Vertretern der Zivilgesellschaft und anderer Unternehmen. Neben den von uns initiierten Dialogen engagieren wir uns in diversen Verbänden, Gremien und Nachhaltigkeitsinitiativen. Hierzu gehören insbesondere der UN Global Compact sowie econsense – Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e. V. und das World Business Council for Sustainable Development. Weitere Informationen zu unseren Mitgliedschaften finden Sie hier: nachhaltigkeitsbericht.daimler.com/2019/serviceseiten/downloads/files/daimler_2019_mitgliedschaften.pdf

Politischer Dialog und Interessenvertretung

Konkret geht es uns in den Gesprächen mit politischen Entscheidern darum, mehr Planungssicherheit für Daimler zu erreichen. Hierbei haben wir uns im Berichtsjahr vor allem mit folgenden Themen auseinandergesetzt:

  • Klimaziele umsetzen und Luftqualität verbessern
  • Städte lebenswerter gestalten
  • Verkehrssicherheit verbessern
  • Standards für menschenrechtliche Sorgfalt etablieren
  • Transparenz schaffen für nachhaltige Finanzierung
  • Standortspezifische Fragen im Dialog beantworten
  • Engagement für freien und fairen Handel
  • Arbeitsgesetze modernisieren

Daimler hat im Berichtszeitraum weder in monetärer noch nicht-monetärer Form an Parteien gespendet. Die Entscheidung hierfür ist unabhängig von aktuellen politischen oder wirtschaftlichen Ereignissen zustande gekommen.

Verkehrssicherheit

Unfallfreies Fahren – diese Vision treibt uns an und gehört fest zu unseren nachhaltigen Geschäftsstrategien. Unsere innovativen Fahrerassistenzsysteme bieten Fahrern und Insassen schon heute ein hohes Maß an Sicherheit und Komfort. Sie können helfen, kritische Fahrsituationen zu vermeiden und sicher zu bewältigen, um Insassen oder auch andere Verkehrsteilnehmer zu schützen. Insbesondere durch Warnungen oder aktive Bremseingriffe lassen sich Unfälle immer häufiger abmildern und sogar verhindern.

Auf dem Weg zum unfallfreien Fahren haben wir uns ambitionierte Ziele gesetzt, die wir mit Nachdruck verfolgen. Wir streben danach,

  • Systeme der Unfallvermeidung weiter zu verbessern – zum Beispiel mit dem Aktiven Brems-Assistent;
  • unsere Fahrzeuge für die Insassen bei und nach einem Unfall noch sicherer zu machen – zum Beispiel durch geeignete Fahrzeugstrukturen, Rückhaltesysteme und Systeme, die nach dem Unfall wirken können;
  • unsere Fahrzeuge für andere sicherer zu machen – zum Beispiel durch Fußgängererkennung und Partnerschutz;
  • die allgemeine Verkehrssicherheit zu erhöhen – zum Beispiel durch CSR-Sicherheitsinitiativen wie SAFE ROADS oder Mobile Kids;
  • durch Teilen von Daten einen Beitrag zur Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu leisten, zum Beispiel im Rahmen des Pilotprojekts Zollernalbkreis.

Bei der Fahrzeugentwicklung folgen wir unserem ganzheitlichen Konzept der »Integralen Sicherheit«. Unter diesem Begriff haben wir erstmals Ende der 1990-er Jahre die Sicherheitssysteme vier Phasen zugeordnet: »Sicher fahren«, »Bei Gefahr«, »Beim Unfall« und »Nach dem Unfall«.

Mit unseren Sicherheitsmaßnahmen schlagen wir innerhalb dieser vier Phasen die Brücke zwischen aktiver und passiver Sicherheit – also zwischen der Unfallvermeidung (Phase 1 und 2) und dem Schutz im Falle eines Unfalls (Phase 3 und 4).

Die Modelle von Mercedes-Benz Cars erhalten immer wieder Bestnoten in Sicherheitstests unabhängiger Institute. Hervorzuheben sind die Bewertungen, die Mercedes-Benz regelmäßig vom US-amerikanischen Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) bekommt. Beim IIHS-Rating werden neben der Crash-Sicherheit auch Systeme zur Unfallvermeidung und das Licht bewertet. Für das Modelljahr 2020 wurden die Mercedes-Benz C-Klasse sowie der GLE mit dem Prädikat »2020 TOP SAFETY PICK+« ausgezeichnet.

Die Europäische Verbraucherschutzorganisation European New Car Assessment Programme (Euro NCAP) hat im Berichtsjahr erstmals in einem Vergleich verschiedener Fahrzeuge Noten für Fahrassistenzsysteme vergeben. Darin wurde der aktuelle GLE mit Fahrassistenzpaket für »very good« befunden und hat damit nach Einschätzung des Euro NCAP gezeigt, dass er im Wettbewerb das ausgewogenste System mit gleichzeitig sehr hoher Wirksamkeit bietet.

In unseren Forschungs- und Entwicklungskosten in Höhe von 8,6 Mrd. € sind unter anderem auch F&E-Kosten für unsere Sicherheitsmaßnahmen und -konzepte enthalten.

Arbeitnehmerbelange
Integrität und Compliance