Geschäftsbericht 2020

Nachhaltigkeit bei Daimler

Nachhaltigkeit bedeutet für Daimler, dauerhaft wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen und zwar ganzheitlich, für alle unsere Stakeholder: Kunden, Investoren, Beschäftigte, Geschäftspartner und die Gesellschaft insgesamt. Wir konzipieren unsere Lösungen deshalb schon heute als zentrale Bestandteile künftiger klimaneutraler und nachhaltiger Mobilitätssysteme. Gemeinsam mit Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft schaffen wir einen gesamtgesellschaftlichen Mehrwert und die Voraussetzungen für unseren künftigen Geschäftserfolg. Dieser ganzheitliche strategische Ansatz gilt nicht nur für die eigenen Produkte und Produktionsstandorte; er umfasst auch die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette.

Unsere nachhaltige Geschäftsstrategie

Grundlage für unser Handeln bilden die nachhaltigen Geschäftsstrategien unserer Geschäftsfelder, die der Vorstand 2019 verabschiedet hat. Nachhaltigkeits- und Geschäftsstrategien bilden seither eine Einheit. Dies bedeutet, dass Nachhaltigkeitsthemen unsere Geschäftsstrategien nicht nur ergänzen, sondern deren integrale Bestandteile sind. Genauso relevant wie erfolgversprechende Geschäftsziele sind damit auch unsere Ambitionen, Ziele und Maßnahmen, die umgesetzt werden, um den positiven Wertbeitrag von Daimler auf Umwelt und Gesellschaft zu steigern.

Bei der Formulierung der strategischen Ziele haben wir uns unter anderem eng an den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen orientiert – insbesondere an den SDGs 8 und 9 sowie 11 bis 13.

Wir orientieren uns zudem an internationalen Rahmenwerken, den Bedürfnissen unserer externen und internen Stakeholder sowie globalen Trends. Daraus haben wir konzernweite Handlungsfelder abgeleitet sowie Verantwortlichkeiten, geschäftsspezifische Ziele, Prozesse und Maßnahmen definiert.

Konkret umfassen unsere strategischen Ambitionen die folgenden sechs Handlungsfelder:

  • Klimaschutz und Luftreinhaltung: Bis 2039 soll unsere Neufahrzeugflotte CO2-neutral werden und keine relevanten Auswirkungen auf die innerstädtische Luftqualität haben.
  • Ressourcenschonung: Wir wollen den Ressourcenverbrauch vom Wachstum unseres Geschäftsvolumens entkoppeln.
  • Lebenswerte Städte: Wir leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt durch unsere Mobilitäts- und Verkehrslösungen.
  • Verkehrssicherheit: Wir verfolgen die Vision vom unfallfreien Fahren und entwickeln automatisiertes Fahren unter Einbeziehung gesellschaftlicher und ethischer Aspekte.
  • Datenverantwortung: Unsere Zukunft sind nachhaltige, datenbasierte Geschäftsmodelle. Mit ihnen stellen wir die Bedürfnisse unserer Kunden in den Mittelpunkt und gehen verantwortungsvoll mit Daten um.
  • Menschenrechte: Wir übernehmen Verantwortung und setzen uns für die Wahrung der Menschenrechte entlang unserer automobilen Wertschöpfungskette ein.

Um diese Ambitionen zu verwirklichen, arbeiten wir eng mit unseren Partnern in Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Außerdem setzen wir auf das Engagement unserer Belegschaft, die den Wandel mitgestaltet. Hierfür haben wir drei Grundlagen, sogenannte »Enabler«, definiert, die für unseren Erfolg in den sechs Handlungsfeldern unabdingbar sind: Integrität, Beschäftigte und Partnerschaften.

Vertiefende Informationen zu »Nachhaltigkeit bei Daimler« finden Sie auch im neuen Daimler-Nachhaltigkeitsbericht über das Geschäftsjahr 2020, der ab Ende März 2021 im Internet verfügbar sein wird und über die Konzern-Website abgerufen werden kann.

Wesentlichkeit

Um zu ermitteln, welche Nachhaltigkeitsthemen für Daimler und seine Stakeholder besonders relevant sind, führten wir 2020 eine umfassende Wesentlichkeitsanalyse durch. Neben den bestehenden strategischen Handlungsfeldern und Grundlagen wurden dabei auch weitere, potenziell wesentliche Nachhaltigkeitsthemen und -trends analysiert. Die Analyse bestand aus vier Komponenten: einer Dokumentenanalyse, einer breit angelegten Online-Stakeholder-Umfrage sowie Experteninterviews und einer SDG-Impact-Bewertung.

In einem zweiten Schritt haben wir die aus der Analyse resultierenden Nachhaltigkeitsthemen im Hinblick auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie den Geschäftsverlauf geprüft, um die Themen für diese Nichtfinanzielle Erklärung zu definieren.

Nachhaltige Unternehmensführung

Gemäß unseren nachhaltigen Geschäftsstrategien steuern wir unsere Arbeit in den sechs Handlungsfeldern über einen internen Berichtsprozess mit detaillierten Scorecards. Unsere Führungs- und Organisationsstrukturen unterstützen diesen Prozess durch klare Verantwortlichkeiten in jedem unserer Geschäftsfelder.

Unser zentrales Managementgremium für Nachhaltigkeit ist das Group Sustainability Board (GSB), das an den Vorstand berichtet. Den Vorsitz des GSB teilen sich die Vorstandsmitglieder Renata Jungo Brüngger, zuständig für das Ressort Integrität und Recht, sowie Markus Schäfer, zuständig für das Ressort Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Chief Operating Officer. Neben anderen Aufgaben überwacht das GSB die Fortschritte in den sechs Handlungsfeldern der nachhaltigen Geschäftsstrategien, die in Form von detaillierten Scorecards mindestens einmal jährlich an das Gremium berichtet werden. Die operative Arbeit leistet das Sustainability Competence Office, das mit Vertretern aus den Bereichen der beiden Co-Vorsitzenden sowie der Konzernstrategie und der Konzernkommunikation besetzt ist. Als grundlegende Richtschnur für unsere Geschäftstätigkeit setzen wir zudem die zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen ein. Als Gründungsmitglied und Teil seiner LEAD-Gruppe sind wir dem UN Global Compact besonders verbunden. Unsere internen Grundsätze und Richtlinien bauen auf diesem internationalen Referenzrahmen und weiteren internationalen Prinzipien auf. Zu ihnen zählen die Kernarbeitsnormen der International Labour Organization, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen und die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte.

Die kurz- und mittelfristig orientierte variable Vergütungskomponente – der Daimler Company Bonus – wurde für den Vorstand sowie die Führungskräfte der Ebenen eins bis drei mit Wirkung zum 1. Januar 2020 weiterentwickelt. Sie beinhaltet neben finanziellen Zielen auch auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Transformationsziele sowie nichtfinanzielle Ziele mit Fokus auf Mitarbeiter, Kunden, Integrität und Diversity. Weitere Informationen finden Sie im »Vergütungsbericht«.

Nachhaltiges Investieren

In den vergangenen Jahren ist das Volumen des verwalteten Vermögens, das auf Basis von Nachhaltigkeitskriterien (ESG-Kriterien) angelegt wurde, stetig gestiegen. Auch die wachsende Zahl an Investoren, die sich zu den von den Vereinten Nationen herausgegebenen Grundsätzen für verantwortungsvolles Finanzieren (UN Principles for Responsible Investment – PRI) bekennen, untermauert den Trend.

Unsere nachhaltigen Geschäftsstrategien mit beispielsweise der »Ambition 2039« für Mercedes-Benz Pkw ist die Basis dafür, dass Daimler am Kapitalmarkt als nachhaltiges Anlageobjekt wahrgenommen wird. Im Jahr 2020 haben wir erstmalig eine Referenztabelle für eine klimabezogene Berichterstattung veröffentlicht – und sind damit den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosure (TCFD) gefolgt. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website.

Um Daimler noch stärker als nachhaltiges Investitionsobjekt zu positionieren und die Chancen nachhaltiger Finanzierung für die Unternehmensentwicklung zu nutzen, haben wir 2020 ein unternehmensweites »Green Finance Framework« entwickelt. Es ermöglicht uns, Investitionen in nachhaltige Technologien, beispielsweise durch Anleihen oder Kredite, zu finanzieren. Basierend auf dem Green Finance Framework hat Daimler Anfang September 2020 eine grüne Anleihe im Volumen von 1 Mrd. € begeben. Das Rahmenwerk orientiert sich an den Green Bond Principles, den freiwilligen Prozessleitlinien der International Capital Market Association ICMA. Es wurde in einer virtuellen Roadshow vorgestellt und stieß auf großes Interesse seitens der Investoren. Für das Rahmenwerk erhielten wir von dem anerkannten Centre for International Climate and Environmental Research (CICERO) eine Zertifizierung mit der höchsten Bewertung: ein »Dark Green«-Rating.

Steuerliche Angaben

Daimler versteht sich als verantwortungsbewusstes Unternehmen, das bestrebt ist, die weltweit geltenden steuergesetzlichen Pflichten unter Beachtung der Unternehmenswerte und der Wahrung sozialer und ethischer Verantwortung zu erfüllen.

Im Rahmen der Konzernsteuerstrategie verfolgen wir insbesondere folgende Prinzipien:

  • Wir stellen sicher, dass die steuerlichen Pflichten der Konzerngesellschaften erfüllt und Integritätsstandards durch geeignete Maßnahmen wie effiziente, qualitativ hochwertige und verlässliche Expertise, Prozesse, Systeme, Methoden und Kontrollen eingehalten werden.
  • Realisierung eines aktiven Risikomanagements für den Daimler-Konzern und deren handelnde Mitarbeiter durch ein hinreichendes Tax Compliance Management System (Tax CMS).
  • Dem Grundsatz des »good corporate tax citizen« folgend wird eine legale und aktive, aber nicht aggressive Steuerplanung auf Basis wirtschaftlicher Gründe (»tax follows business«) verfolgt. Zudem streben wir eine kooperative, transparente und konstruktive Zusammenarbeit mit den Steuerbehörden an. Dabei wahren wir unsere Rechtspositionen und vertreten unsere Interessen, wo immer wir es für sachgerecht und legitim halten.

Die Konzernsteuerstrategie legt den Rahmen des Handelns fest und wird durch organisatorische und inhaltliche Richtlinien, Vorgaben und Anweisungen konkretisiert und umgesetzt.

Die steuerlichen Richtlinien regeln die Verantwortlichkeiten, Aufgaben und Pflichten, sie machen konkrete Umsetzungsvorgaben für die gesetzliche Erfüllung und schärfen damit das Bewusstsein im Daimler-Konzern für steuerliche Sachverhalte. Gemäß dem unternehmerischen Verhaltenskodex sind vorsätzliche Verstöße gegen steuerliche externe und interne Vorgaben oder das Unterlassen von Korrekturen fehlerhaft verarbeiteter Vorgänge im Sinne der intern gültigen Regelverstoßrichtlinie zu melden und zu verfolgen. Weitere Informationen siehe auch Kapitel »Integrität und Compliance«.

Zur Sicherstellung einer Tax Compliance hat die Konzernsteuerabteilung ein Tax CMS etabliert. Ein Tax CMS ist ein abgegrenzter Teilbereich des Compliance Management Systems. Teil des Tax CMS ist auch ein aktives steuerliches Risikomanagement. Es überwacht und kontrolliert, ob steuerliche Verpflichtungen eingehalten werden. Dieses konzernweit konsistente Risikomanagementsystem dient dazu, steuerliche Risiken im Daimler-Konzern und damit gegebenenfalls verbundene persönliche Risiken der handelnden Mitarbeiter effektiv zu identifizieren und zu reduzieren. Umfasst hiervon sind zahlreiche Maßnahmen, wie zum Beispiel ein Tax Risk Review oder die Einbindung in das Interne Kontrollsystem (IKS) und in den konzernweiten Risikomanagementprozess gemäß Risikomanagementrichtlinie. Im Berichtsjahr sind uns keine wesentlichen Regelverstöße gegen die Steuergesetze bekannt geworden.

Risiko- und Chancenmanagement

Das Risiko- und Chancenmanagement ist ein fester Bestandteil des konzernweiten Planungs-, Steuerungs- und Berichterstattungsprozesses mit dem Ziel, die Erreichung der Unternehmensziele nachhaltig zu unterstützen und das Risikobewusstsein im Unternehmen sicherzustellen. Die Nachhaltigkeitsaspekte sind in den konzernweiten Risikomanagementprozess bei Daimler integriert. Hierunter werden Bedingungen, Ereignisse oder Entwicklungen aus den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung (ESG) verstanden, deren Eintreten sich tatsächlich oder potenziell auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage sowie auf die Reputation des Daimler-Konzerns auswirken können.

Die ESG-bezogenen Risiken und Chancen entsprechend dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) sind in den jeweiligen Kategorien des Risiko- und Chancenberichts in Bezug auf ihre Ursache zu finden. Darüber hinaus können rechtliche Risiken oder gesellschaftliche Verstöße von Partnern und Lieferanten einen negativen Einfluss auf die Reputation des Daimler-Konzerns, die Umwelt sowie auf die bei Partnern und Lieferanten beschäftigten Mitarbeiter haben. Als eines der Grundprinzipien des unternehmerischen Handelns achtet Daimler deshalb – auch bei der Auswahl von Partnern und Lieferanten – besonders darauf, dass gesetzliche und ethische Regeln eingehalten werden. Weitere Informationen finden Sie im »Risiko- und Chancenbericht«.

Nachhaltigkeit in der Lieferkette

Mehr Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette – das fordern Investoren und Analysten, aber auch die Gesetzgeber und die Gesellschaft immer stärker von der Automobilindustrie. Daimler ist überzeugt: Wer nachhaltig sein will, muss auch in der Lieferkette ansetzen. Denn wir beziehen indirekt Rohstoffe sowie direkt Bauteile und Dienstleistungen aus der ganzen Welt. Unser Ziel ist es, wirtschaftlichen Erfolg mit verantwortungsvollem Handeln gegenüber Umwelt, Mensch und Gesellschaft zu verbinden – und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Entsprechend nehmen wir auch unsere direkten Lieferanten in die Pflicht und erwarten von ihnen, dass sie sich an ökologische und soziale Standards halten.

Unsere Fahrzeuge enthalten in der Regel mehrere Tausend Teile und Komponenten. Entsprechend komplex ist unsere Lieferkette: Sie umfasst für Produktions- und Nicht-Produktionsmaterial rund 60.000 direkte Lieferanten, vor allem aus den Regionen Europa, Nordamerika und Asien. Diese haben wiederum Sublieferanten. Manchmal besteht eine Lieferkette aus bis zu sieben oder acht Unterstufen mit jeweils weiteren Sublieferanten pro Stufe. Und mit jeder Innovation und Marktentwicklung entwickelt sie sich dynamisch weiter – so auch im Berichtszeitraum.

Um unsere Lieferkette nachhaltig zu steuern, setzen wir vielfältige Maßnahmen und Konzepte ein. Hierzu gehören Lieferanten-Screenings, Audits, risikobasierte Due-Diligence-Analysen sowie Qualifizierungsmodule für Produktionsmaterial-Lieferanten und Workshops mit ausgewählten Dienstleistern. Dadurch wollen wir einerseits sicherstellen, dass Sozialstandards und Umweltauflagen eingehalten werden. Andererseits wollen wir die Transparenz in der Lieferkette erhöhen.

Unsere drei Einkaufsbereiche »Mercedes-Benz Cars Einkauf und Lieferantenqualität«, »Global Procurement Trucks & Buses« sowie »International Procurement Services« arbeiten gemeinsam daran, Materialien und Dienstleistungen verantwortungsvoll zu beziehen.

Dabei bilden die Daimler Supplier Sustainability Standards die Leitplanken für unser nachhaltiges Lieferkettenmanagement. Sie definieren Anforderungen an Arbeitsbedingungen, die Achtung und Wahrung der Menschenrechte, Umweltschutz und Sicherheit sowie Geschäftsethik und Compliance. Unsere direkten Lieferanten sind aufgefordert, diese Nachhaltigkeitsstandards anzuerkennen, sie ihren Beschäftigten zu vermitteln und sie auch in ihre vorgelagerten Wertschöpfungsketten hineinzutragen. Ebenso erwarten wir von ihnen, dass sie deren Einhaltung kontrollieren. (Vgl. supplier-portal.daimler.com/docs/DOC-1458)

Unsere Nachhaltigkeitsanforderungen an Lieferanten haben wir im Berichtsjahr weiter geschärft und unsere Vertragsbedingungen entsprechend angepasst. So fordern wir von unseren direkten Lieferanten beispielweise, Prozesse zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht gemäß den Vorgaben der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sowie der jeweils relevanten OECD-Leitsätze und -Prinzipien zu etablieren. Dabei behalten wir uns das Recht vor, diese Prozesse zu kontrollieren und zu auditieren. Darüber hinaus ist der Lieferant verpflichtet, uns über identifizierte menschenrechtliche Risiken und Gegenmaßnahmen zu informieren sowie uns auf Anfrage Risiko-Hotspots entlang seiner Lieferkette offenzulegen. Auch in Hinblick auf unsere umweltspezifischen Anforderungen haben wir die Vertragsbedingungen angepasst. So fordern wir beispielsweise von direkten Lieferanten, die das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars & Vans mit Produktionsmaterial beliefern, dass sie bestimmte Umweltkennzahlen offenlegen – dazu zählen etwa CO2-Emissionen, Energie- und Wasserverbrauch sowie Abfallmengen.

Im Jahr 2020 wurden bei Produktionsmateriallieferanten insgesamt 658 Vor-Ort-Überprüfungen durchgeführt. Bedingt durch die Corona-Pandemie fanden ausnahmsweise auch virtuelle Audits statt. Weitere Informationen siehe auch im Kapitel »Integrität und Compliance, Menschenrechts-Compliance«. Bestehende direkte Lieferanten überprüfen wir zudem im Rahmen regelmäßiger Risikoanalysen. Unter anderem führen wir eine jährliche Datenbankrecherche zu Nachhaltigkeits- und Compliance-Verstößen durch. Sie ist Teil des Supplier-Screening-Prozesses.

Unser Beschwerdemanagementprozess ermöglicht es, auf mögliche Menschenrechtsverletzungen bei Lieferanten aufmerksam zu machen. Dabei arbeiten wir eng mit der Weltarbeitnehmervertretung zusammen. Darüber hinaus folgen wir auch konkreten Hinweisen, die über NGOs direkt an uns herangetragen werden.

Allen Hinweisen und Verdachtsfällen auf Verstöße in der Lieferkette gehen wir konsequent nach. Dort, wo wir Handlungsbedarf identifizieren, treffen wir die erforderlichen Maßnahmen. Wird ein Verdachtsfall bekannt, sammeln wir zunächst alle verfügbaren Informationen und fordern die Lieferanten auf, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Anschließend bewerten wir den Sachverhalt und ziehen die erforderlichen Konsequenzen. Das kann bedeuten, dass wir gemeinsam mit dem betroffenen Lieferanten daran arbeiten, den Missstand aufzulösen – es kann aber auch bedeuten, dass wir die Geschäftsbeziehung beenden.

Im Berichtsjahr haben wir in unseren Vor-Ort-Überprüfungen bei den direkten Lieferanten von Mercedes-Benz Cars & Vans, Daimler Trucks & Buses und unserem Bereich International Procurement Services weder konkrete Verdachtsfälle auf Kinder- oder Zwangsarbeit noch Indizien für Verstöße gegen das Recht auf Kollektivverhandlungen oder die Vereinigungsfreiheit festgestellt. (Vgl. Kapitel »Integrität und Compliance«)

Seit 2018 haben wir gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsinitiative »Drive Sustainability« Sensibilisierungs- und Informationsmaßnahmen für Lieferanten in verschiedenen Fokusländern wie Indien oder Argentinien durchgeführt. Die Fokusländer wählen wir gemeinsam mit der Initiative aus. 2020 haben aufgrund der COVID-19-Pandemie jedoch keine Präsenz-Module stattgefunden. Stattdessen wurde ein Konzept für ein neues E-Learning-Programm entwickelt.

Im Dienstleistungsbereich sensibilisieren wir durch weitere Maßnahmen insbesondere zum Thema Menschenrechte. Beispielsweise kommt im Rahmen von – seit dem Frühjahr 2020 auch digital durchgeführten – »Good Practice Sharing Workshops« ein funktionsübergreifendes Team aus dem Einkauf mit Lieferanten zusammen. Dabei geht es um einen offenen und konstruktiven Austausch der Beteiligten. Gleichzeitig informieren wir, welche Erwartungen wir an unsere Geschäftspartner stellen. Weitere Informationen zum Lieferantenmanagement sind im Daimler Nachhaltigkeitsbericht zu finden, der Ende März 2021 erscheint.

Nichtfinanzielle Erklärung
Umweltbelange