Geschäftsbericht 2020

Integrität und Compliance

Wir sind überzeugt: Dauerhaft erfolgreich bleibt nur, wer ethisch und rechtlich verantwortungsvoll handelt – das gilt insbesondere in Zeiten des Umbruchs und Wandels, wie wir sie aktuell erleben. Integrität und Compliance nehmen daher bei Daimler einen hohen Stellenwert ein.

Integritätsmanagement

Die Automobilindustrie ist im Umbruch. Neue Geschäftsfelder entwickeln sich und verlangen Neuorientierung. Zugleich werfen neue Technologien neue Fragen auf – ethische wie rechtliche. Darüber hinaus hat die COVID-19-Pandemie zu tiefgreifenden Veränderungen auf der ganzen Welt geführt. In solchen Zeiten des Wandels und der Unsicherheit kommt es besonders auf wertegeleitetes Handeln an.

Wir streben stets danach, die Besten zu sein. Wir wollen fortschrittliche Technologien entwickeln, großartige Fahrzeuge bauen und intelligente Mobilitätslösungen bieten. Dieser Exzellenzanspruch gilt ebenso für den Umgang miteinander, mit unseren Kunden und Geschäftspartnern. Auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung wollen wir auf vorbildliche Art und Weise gerecht werden.

Entsprechend ist Integrität für uns ein zentrales Element unserer Unternehmenskultur. Dazu gehört für uns nicht nur, geltende Gesetze einzuhalten. Ebenso richten wir unser Handeln an einem gemeinsamen Wertesystem aus – dazu gehören insbesondere Fairness, Verantwortung, Respekt sowie Offenheit und Transparenz.

Wie wir Integrität in unseren Geschäftsalltag integrieren

Integrität, Compliance und Recht sind bei Daimler in einem Vorstandsressort gebündelt. Das Ressort »Integrität und Recht« unterstützt alle Unternehmensbereiche dabei, diese Themen im Geschäftsalltag zu verankern.

Unsere konzernweit gültige Verhaltensrichtlinie ist unser gemeinsamer Wertemaßstab und legt die Leitlinien für integres Handeln fest. Sie ist für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Daimler AG und der kontrollierten Konzerngesellschaften bindend. Beschäftigte aus verschiedenen Unternehmensbereichen weltweit haben an ihrer Erstellung mitgewirkt. Sie liegt in zehn Sprachen vor und umfasst unter anderem Regelungen zu Anti-Korruption, zum Umgang mit Daten sowie zur Produktsicherheit und zur Einhaltung technischer Vorschriften. Zuletzt haben wir sie 2019 aktualisiert. Unsere Beschäftigten finden im Intranet alle wichtigen Informationen rund um die Verhaltensrichtlinie – zum Beispiel FAQs, Anlaufstellen und Ansprechpartner. (Vgl. »Wesentliche Grundsätze und Praktiken der Unternehmensführung«)

In der Verhaltensrichtlinie haben wir auch besondere Anforderungen an unsere Führungskräfte formuliert: Insbesondere von ihnen erwarten wir, dass sie durch integres Verhalten ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und den Beschäftigten Orientierung geben.

Unser Bereich Integrity Management hat die Aufgabe, Integrität im Unternehmen zu fördern, weiterzuentwickeln und ein gemeinsames Integritätsverständnis zu schaffen. Ziel ist es, mögliche Risiken, die durch unethisches Verhalten entstehen können, zu vermeiden und damit einen Beitrag zum langfristigen Erfolg des Unternehmens zu leisten.

Der Infopunkt Integrität ist die zentrale Anlaufstelle für Beschäftigte der Daimler AG und der Konzernunternehmen, bei Fragen zu integrem Verhalten. Der Infopunkt arbeitet unter anderem mit Experten für Rechts- und Personalthemen, Datenschutz, Compliance sowie Diversität oder Nachhaltigkeit zusammen. Er unterstützt selbst oder vermittelt die Beschäftigten an den richtigen Ansprechpartner.

Zudem steht unseren Beschäftigten ein weltweites Netzwerk lokaler Ansprechpartner für Integritäts-, Compliance- und Rechtsfragen zur Verfügung. Das Netzwerk bewertet die Anfragen und leitet, falls notwendig, entsprechende Maßnahmen ein.

Zusätzlich haben wir im Berichtsjahr das Netzwerk Integrität ausgebaut. Das Netzwerk Integrität setzt sich aus Beschäftigten der einzelnen Gesellschaften, Divisionen und Funktional-ressorts des Daimler Konzerns zusammen. Seine Mitglieder stehen im regelmäßigen Austausch, erarbeiten konkrete Maßnahmen und setzen diese um, um Integrität im Geschäftsalltag weiter zu verankern.

Auch 2020 haben wir verschiedene Integritätsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Ausgangspunkt waren die Ergebnisse der Online-Mitarbeiterbefragung »Blitzlicht Integrität«, die wir 2019 konzernweit durchgeführt hatten. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass wir bei Daimler ein gutes Fundament für eine Integritätskultur gelegt haben. Die Befragungsergebnisse haben unmittelbaren Einfluss auf die Managementvergütung.

Um ein aktuelles Stimmungsbild zur Integritätskultur im Unternehmen zu bekommen, haben wir 2020 einen »Integritäts- und Compliance Pulse Check« als konzernweite repräsentative Stichprobenbefragung durchgeführt. Die insgesamt positiven Ergebnisse zeigen, dass wir bei der stetigen Weiterentwicklung unserer Integritätskultur erneut Fortschritte gemacht haben.

Kommunikation auf allen Ebenen

Damit Integrität langfristig im Unternehmensalltag verankert bleibt, pflegen wir einen kontinuierlichen Wissensaustausch und offenen Dialog mit unseren Beschäftigten. So haben wir sie auch im Berichtsjahr regelmäßig über unsere Verhaltensrichtlinie informiert und deren Bedeutung im Arbeitsalltag besprochen. Zudem haben wir die Themen Integrität, Compliance und Recht kontinuierlich in unseren internen Medien – wie Broschüren oder Filmen – aufgegriffen.

Über das Daimler Social Intranet können unsere Beschäftigten außerdem auf den Werkzeugkasten Integrität zugreifen. Er enthält Formate für Dialogveranstaltungen, Tools zur Selbstreflexion, Fallbeispiele und weitere Informationen rund um das Thema Integrität.

Besonderen Wert legten wir gerade im Jahr 2020 auf den direkten Austausch und führten erneut verschiedene Dialogveranstaltungen mit Beschäftigten aller Hierarchiestufen und mit externen Stakeholdern durch. Aufgrund der geltenden Schutzmaßnahmen in der Corona-Pandemie haben wir alle Veranstaltungen im virtuellen Raum durchgeführt.

Unser Compliance Management System (CMS)

Wertebasierte Compliance ist ein unverzichtbarer Teil unseres Geschäftsalltags und als solcher fest in unserer Unternehmenskultur verankert. Daimler bekennt sich klar zu verantwortungsvollem und rechtmäßigem Handeln. Wir erwarten von unseren Beschäftigten, dass sie sich an Gesetze, Regeln und freiwillige Selbstverpflichtungen halten und unsere Werte leben. Dies haben wir in unserer Verhaltensrichtlinie verbindlich festgeschrieben. (Vgl. Kapitel »Wesentliche Grundsätze und Praktiken der Unternehmensführung«)

Compliance-Werte und -Ziele

Zentrale Ziele unserer Compliance-Aktivitäten sind: die Achtung und Wahrung der Menschenrechte, die Einhaltung von Antikorruptionsvorschriften, die Wahrung und Förderung des fairen Wettbewerbs, die Übereinstimmung unserer Produkte mit technisch-regulatorischen Anforderungen sowie die Beachtung der Datenschutzgesetze, die Einhaltung von Sanktionsvorgaben und die Geldwäsche-Prävention.

Mit unserem CMS wollen wir die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien in diesen Bereichen im Unternehmen fördern, Fehlverhalten vorbeugen und angemessen auf etwaige Verstöße reagieren. Entsprechende Maßnahmen werden von unseren Compliance- und Rechtsorganisationen festgelegt und sollen den Geschäftserfordernissen in angemessener Weise Rechnung tragen.

Compliance-Organisation

Unsere Compliance- und Legal-Organisationen sind divisional, regional und entlang der Wertschöpfungskette aufgestellt. So können sie effektiv unterstützen – beispielsweise durch Vorgaben und Beratung. Hierfür stehen funktionale, divisionale oder regionale Ansprechpartner zur Verfügung. Zusätzlich achtet ein weltweites Netzwerk lokaler Ansprechpartner darauf, dass unsere Compliance-Standards eingehalten werden. Auch unterstützen sie das Management der Konzerngesellschaften dabei, unser Compliance-Programm vor Ort umzusetzen.

Das Daimler Compliance Board steuert übergreifende Compliance-Themen und kontrolliert, ob unsere Compliance-Maßnahmen wirksam sind. Aufgabe des Boards ist es, frühzeitig auf Veränderungen in den Geschäftsmodellen und dem Geschäftsumfeld zu reagieren, regulatorische Entwicklungen aufzugreifen und das CMS kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Compliance Board setzt sich aus Vertretern der Compliance- und Legalbereiche zusammen, tagt grundsätzlich vier Mal im Jahr und zusätzlich anlassabhängig; es wird vom Chief Compliance Officer geleitet.

Einbindung der Unternehmensführung

Der Chief Compliance Officer, der Vice President & Group General Counsel und der Vice President Legal Product & Technical Compliance berichten direkt an das Vorstandsmitglied für Integrität und Recht sowie an den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats. Zudem berichten sie regelmäßig an den Vorstand der Daimler AG – unter anderem über den Status des CMS, dessen Weiterentwicklung sowie das Hinweisgebersystem BPO.

Darüber hinaus berichtet der Vice President & Group General Counsel regelmäßig an das Antitrust Steering Committee sowie das Group Risk Management Committee. Der Chief Compliance Officer und der Vice President Legal Product & Technical Compliance berichten ebenfalls an das Group Risk Management Committee.

Durch die Ausgestaltung der Berichtslinien ist die Unabhängigkeit von den Geschäftsfeldern gewährleistet.

Compliance-Risiken

Jährlich untersuchen und evaluieren wir unsere Konzerngesellschaften und Zentralbereiche systematisch, um Compliance-Risiken zu minimieren. Dabei greifen wir zum Beispiel auf zentral verfügbare Informationen zu den Konzerngesellschaften und Zentralbereichen zurück – unter anderem auf Umsatzerlöse, Geschäftsmodelle sowie Beziehungen zu Geschäftspartnern. Wenn nötig werden weitere lokal erhobene Informationen ergänzt. Die Analyseergebnisse sind Grundlage unserer Compliance-Risikosteuerung.

Compliance-Programm

Unser Compliance-Programm umfasst Prinzipien und Maßnahmen, um Compliance-Risiken zu minimieren und Verstöße gegen Gesetze und Regeln entgegenzuwirken. Die einzelnen Maßnahmen bauen auf den Erkenntnissen unserer systematischen Compliance-Risikoanalyse auf. Hierbei setzen wir unter anderem nachfolgende Schwerpunkte: kontinuierliche Sensibilisierung für Compliance, die konsequente Nachverfolgung von Hinweisen auf Fehlverhalten sowie die Formulierung von klaren Anforderungen an das Verhalten unserer Geschäftspartner – beide Punkte beschreiben wir nachfolgend näher.

Das Hinweisgebersystem BPO

Das Hinweisgebersystem BPO (Business Practices Office) ermöglicht es weltweit allen Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Dritten, Regelverstöße zu melden. Es nimmt rund um die Uhr Hinweise entgegen, die per E-Mail, postalisch oder über ein Online-Meldeformular übermittelt werden können. In Brasilien, Japan, Südafrika und den USA stehen zudem externe gebührenfreie Hotlines zur Verfügung. Sofern lokal rechtlich zulässig, kann die Meldung auch anonym erfolgen. In Deutschland steht Hinweisgebern als zusätzliche Anlaufstelle ein externer neutraler Mittler zur Verfügung. Über Hinweise an das Hinweisgebersystem BPO werden wir auf mögliche Risiken für das Unternehmen und die Beschäftigten aufmerksam und können damit Schaden abwenden. Eine weltweit gültige Konzernrichtlinie regelt das BPO-Verfahren und die entsprechenden Zuständigkeiten. Sie hat das Ziel, eine faire und transparente Vorgehensweise zu gewährleisten, die sowohl den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit für den Betroffenen als auch den Schutz des Hinweisgebers berücksichtigt. Ebenso legt die Richtlinie den Maßstab fest, mit dem wir Regelverstöße beurteilen und über Konsequenzen entscheiden. Wird ein Hinweis nach Erstbeurteilung als Regelverstoß mit geringem Risiko eingestuft, übergibt das BPO den Fall an den zuständigen Bereich – zum Beispiel den Personalbereich, die Konzernsicherheit oder den Konzerndatenschutz. Der entsprechende Bereich geht dem Hinweis nach und klärt den Fall eigenverantwortlich auf. Zu Regelverstößen mit geringem Risiko zählen beispielsweise Diebstähle, Untreue oder persönliche Bereicherungen mit einem Wert unter 100.000 € – sofern sie nicht im Bereich Korruption anzusiedeln sind.

Stuft das BPO einen Hinweis nach risikobasierter Erstbeurteilung als Regelverstoß mit hohem Risiko ein, verweist das BPO den Fall an eine Untersuchungseinheit. Das BPO begleitet die weitere Bearbeitung bis zum Abschluss des Verfahrens. Zu Regelverstößen mit hohen Risiken zählen beispielsweise Korruptions-, Kartellrechts- und Geldwäschedelikte sowie Verstöße gegen technische Vorgaben oder Verletzungen von Umweltvorschriften. Um das Vertrauen in unser Hinweisgebersystem BPO stetig zu erhöhen und es bei unseren Beschäftigten noch bekannter zu machen, setzen wir auf unterschiedliche Kommunikationsmaßnahmen. So stellen wir Informationsmaterialien wie länderspezifische Infocards, Pocket Guides oder einen Erklärfilm bereit, informieren die Beschäftigten regelmäßig über die Art und Anzahl gemeldeter Verstöße und stellen quartalsmäßig Fallbeispiele zur Verfügung.

53 Fälle wurden 2020 neu angelegt. Insgesamt wurden 42 Fälle als »zutreffend« geschlossen, an denen 66 Personen beteiligt waren. Bei diesen Fällen hat sich ein konkreter Anfangsverdacht bestätigt. Davon gehörten unter anderem sechs Fälle in die Kategorie »Korruption«, zwei Fälle in die Kategorie »Technical Compliance« und acht Fälle in die Kategorie »Reputationsschaden«. In 11 Fällen haben sich Vorwürfe bestätigt, die sich auf unangemessenes Verhalten von Beschäftigten gegenüber Dritten bezogen. Sieben Fälle entfielen auf die Kategorie »Schaden über 100.000 €«. Die weiteren Fälle entfielen auf sonstige Kategorien. Bei den als »zutreffend« geschlossenen Fällen entscheidet das Unternehmen unter den Gesichtspunkten der Verhältnismäßigkeit und Fairness über entsprechende Maßnahmen. Zu den Personalmaßnahmen im Berichtsjahr 2020 gehörten unter anderem Ermahnungen, Abmahnungen, Aufhebungsverträge sowie (außerordentliche) Kündigungen.

Compliance unserer Geschäftspartner

Wir erwarten nicht nur von unseren Beschäftigten, dass sie sich an Regeln und Gesetze halten. Ebenso stellen wir klare Compliance-Anforderungen an unsere Vertriebspartner und Lieferanten – denn integres und regelkonformes Verhalten ist Voraussetzung jeder vertrauensvollen Zusammenarbeit. Deshalb achten wir bei der Wahl unserer direkten Vertriebspartner und bei bestehenden Vertriebspartnerschaften darauf, dass sie die Gesetze und Regeln einhalten und ethische Grundsätze befolgen. Im Geschäftsjahr 2020 haben wir den weltweit einheitlichen Prozess zur effektiven und effizienten Prüfung aller neuen und die stufenweise Re-Evaluation der bestehenden Vertriebspartner (Sales Business-Partner Due Diligence Prozess) vollumfänglich angewendet und weiterentwickelt. Das kontinuierliche Monitoring zielt darauf ab, mögliche Integritätsverstöße der Vertriebspartner zu identifizieren. Unterläuft ein Partner unsere Standards, behalten wir uns vor, die Zusammenarbeit beziehungsweise den Auswahlprozess der Vertriebspartner zu beenden. Außerdem entwickeln wir gemeinsam mit den Einkaufsbereichen stetig unsere Prozesse zur Auswahl und Zusammenarbeit mit Lieferanten weiter.

Hier gelten unsere weltweiten Daimler Sustainability Standards. Auf Basis dieser Standards und unserer Verhaltensrichtlinie stellen wir sowohl unseren Lieferanten als auch unseren Vertriebspartnern ein jeweils spezifisch entwickeltes »Compliance Awareness Module« zur Verfügung. Dieses soll für aktuelle Integritäts- und Compliance-Anforderungen wie Korruptionsprävention und Technical Compliance sensibilisieren. Damit bieten wir unseren Geschäftspartnern auch Hilfestellung im Umgang mit möglichen Compliance-Risiken.

Kommunikation und Training

Auf Grundlage unserer Verhaltensrichtlinie bieten wir ein umfangreiches Schulungsangebot zu Compliance-Themen an – zum Beispiel für Beschäftigte in der Verwaltung, in der Compliance- sowie in der Legalabteilung und für Mitglieder des Aufsichtsrats und der Geschäftsleitung. Die Trainingsinhalte und -themen orientieren sich an den Rollen und Funktionen der jeweiligen Zielgruppe. Für unser Schulungsangebot ermitteln wir regelmäßig den Bedarf, nehmen Anpassungen oder Erweiterungen vor und führen Evaluationen durch.

Monitoring und Verbesserung

Jährlich überprüfen wir die Prozesse und Maßnahmen unseres CMS und analysieren, ob unsere Maßnahmen angemessen und wirksam sind. Dafür greifen wir auf Informationen zu den Konzerngesellschaften und weitere lokal erhobene Informationen zurück. Zudem kontrollieren wir unsere Prozesse regelmäßig anhand von Leistungsindikatoren wie etwa der individuellen Prozessdauer oder -qualität. Um diese Indikatoren zu bestimmen, überprüfen wir unter anderem die Einhaltung formeller Erfordernisse und die Vollständigkeit der Inhalte. Dabei berücksichtigen wir auch die Erkenntnisse aus internen sowie unabhängigen externen Prüfungen.

Falls es veränderte Risiken oder neue rechtliche Anforderungen erfordern, passen wir unser CMS an. Die Konzerngesellschaften setzen die jeweiligen Verbesserungsmaßnahmen eigenverantwortlich um. Zudem überprüfen sie die Maßnahmen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit und informieren die zuständigen Führungsgremien laufend über die Ergebnisse des Monitorings.

Antikorruptions-Compliance

Daimler hat sich verpflichtet, Korruption zu bekämpfen – denn sie schadet dem fairen Wettbewerb, der Gesellschaft und unserem Konzern. Dabei gehen unsere Antikorruptionsmaßnahmen über die Einhaltung von nationalen Gesetzen hinaus. Wir orientieren uns zusätzlich an der OECD-Konvention gegen Bestechung ausländischer Amtsträger (1997) sowie an der UN-Konvention gegen Korruption (2003). Unser Antikorruptions-Compliance-Programm basiert auf unserem konzernweiten CMS. Das CMS Antikorruption wurde nach dem Prüfungsstandard 980 des Instituts der Wirtschaftsprüfer durch die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Die auf Angemessenheit, Implementierung und Wirksamkeit ausgelegte Prüfung wurde Ende 2019 erfolgreich abgeschlossen.

Antitrust Compliance

Um eine unabhängige, externe Bewertung unseres Antitrust-Compliance-Programms zu erhalten, haben wir die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, das Compliance Management System Antitrust nach dem Prüfungsstandard 980 des Instituts der Wirtschaftsprüfer zu prüfen. Die auf Angemessenheit, Implementierung und Wirksamkeit ausgelegte Prüfung wurde für Antitrust Ende 2016 erfolgreich abgeschlossen. Es ist an nationalen und internationalen Standards sowie an Regelungen und ständiger Rechtspraxis zur Wahrung des fairen Wettbewerbs ausgerichtet. Das Programm umfasst einen weltweit gültigen Daimler-Standard, der verbindlich definiert, wie kartellrechtliche Fragestellungen zu beurteilen sind und wie die Einhaltung aller geltenden lokalen sowie internationalen Kartellgesetze sichergestellt werden kann. Mit vielfältigen Kommunikations- und Trainingsmaßnahmen, einer zentralen Beratungs-Hotline, Leitfäden und Praxishilfen sowie lokalen Rechtsberatern unterstützen wir unsere Beschäftigten weltweit dabei, kartellrechtlich kritische Situationen zu erkennen und sich regelkonform zu verhalten. Die Ergebnisse unserer jährlichen Compliance-Risikoanalyse bilden die Basis für die Definition der Maßnahmen, mit denen wir etwaigen kartellrechtlichen Risiken begegnen. Neben der Überwachung der Tätigkeiten des Managements im Rahmen der Konzernleitungspflicht werden ergänzend von der Legalabteilung Corporate Audit Monitoring-Maßnahmen durchgeführt, um die jeweilige Maßnahmenumsetzung zu prüfen und sicherzustellen. Die Prüfungen ermöglichen eine kontinuierliche Weiterentwicklung unseres Antitrust-Compliance-Programms.

Technical Compliance

Unter technical Compliance verstehen wir die Einhaltung technisch-regulatorischer Anforderungen, Standards und Gesetze. Dabei berücksichtigen wir die grundsätzlichen Zielsetzungen der Gesetze und Regularien und halten interne Entwicklungsvorgaben und -prozesse ein. Unser Ziel ist es, Risiken im Produktentstehungsprozess (Produktentwicklung und Zertifizierung) frühzeitig zu erkennen und ihnen präventiv zu begegnen. Um das zu erreichen, haben wir in unseren automobilen Geschäftsfeldern ein »technical Compliance Management System« (tCMS) etabliert. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir alle rechtlichen und regulatorischen Vorgaben während des gesamten Produktentwicklungs- und Zertifizierungsprozesses einhalten. Das tCMS legt Werte, Prinzipien, Strukturen und Prozesse fest, die unseren Beschäftigten insbesondere bei anspruchsvollen Auslegungsfragen zu technischen Regelungen Sicherheit und Orientierung geben sollen. Hilfestellung bieten hierbei unter anderem die Verhaltensrichtlinie, unterstützende Anlaufstellen sowie die speziell für die Entwicklungsbereiche definierten Verhaltensprinzipien »Themen ansprechen« (Speak Up) und »Bewusste Ermessensentscheidungen« (Judgement Calls). Die Verhaltensprinzipien dienen den Beschäftigten als Basis für ein gemeinsames Verständnis von verantwortungsbewusstem Verhalten im Produktentstehungsprozess.

Um eine unabhängige, externe Bewertung unseres tCMS zu erhalten, haben wir die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, das tCMS nach dem Prüfungsstandard 980 des Instituts der Wirtschaftsprüfer mit Schwerpunkt auf Emissionsrelevanz zu prüfen. Die auf Angemessenheit, Implementierung und Wirksamkeit ausgelegte Prüfung mit Schwerpunkt auf Emissionsrelevanz wurde Ende 2020 erfolgreich abgeschlossen.

Data Compliance

Vernetzung und Digitalisierung spielen für die künftige Mobilität eine entscheidende Rolle. Die dabei entstehenden Daten zu schützen und damit verantwortungsvoll umzugehen, hat für uns hohe Priorität.

Im Bereich des Datenschutzes sind die Vorgaben von regulatorischer Seite in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Nicht nur in der Europäischen Union gelten mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) strenge Vorgaben. Mittlerweile haben weltweit zahlreiche Länder, die für die Geschäftsaktivitäten von Daimler relevant sind, ihre lokalen Datenschutzgesetze verschärft. Den gestiegenen regulatorischen Anforderungen begegnen wir mit unserem konzernweiten Data Compliance Management System (Data CMS), das gemeinsam mit unserem Datenleitbild und unserer Datenkultur in ein übergreifendes Data Governance System eingebettet ist.

Das Data CMS bündelt alle konzernweiten Maßnahmen, Prozesse und Systeme zur Einhaltung des Datenschutzes. Es basiert auf dem bereits bestehenden Daimler-CMS. Mithilfe des Data CMS können wir die Maßnahmen zur Einhaltung von Datenschutzvorgaben systematisch planen, umsetzen und kontrollieren.

Anti Financial Crime Compliance

Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verursachen immense Schäden – in Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen. Bereits der Vorwurf der Geldwäsche kann unsere Reputation beeinträchtigen und für uns wie auch für unsere Share- und Stakeholder finanzielle Folgen haben. Deshalb haben wir die Prävention und Bekämpfung von Geldwäsche in unserer Verhaltensrichtlinie als ein zentrales Compliance-Ziel definiert. Dabei verfolgen wir einen integrierten Compliance-Ansatz: Bevor wir Maßnahmen zur Geldwäscheprävention ergreifen, prüfen wir aktuelle Sanktionslisten. Dadurch verhindern wir einerseits, dass supranationale und nationale Sanktionen umgangen werden; andererseits erhöhen wir so die Wirksamkeit unserer Präventionsmaßnahmen gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, organisierte Kriminalität und sonstige Wirtschaftskriminalität.

Social Compliance

Als international tätiges Unternehmen tragen wir Verantwortung für die »Achtung und Wahrung« der Menschenrechte entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette. Deshalb prüfen wir risikobasiert und systematisch, ob unsere eigenen Gesellschaften und unsere Lieferanten die Menschenrechte einhalten. Für eine verantwortungsvolle Rohstoffbeschaffung arbeiten wir zusätzlich in verschiedenen Projekten und Initiativen mit Verbänden, Organisationen und anderen Unternehmen zusammen.

Für die Achtung und Wahrung der Menschenrechte haben wir mit dem Human Rights Respect System (HRRS) einen Due-Diligence-Ansatz entwickelt. Mit ihm prüfen wir menschenrechtliche Risiken in unseren eigenen Konzerngesellschaften und bei unseren direkten Lieferanten (Tier-1) sowie risikobasiert auch über Tier-1 hinaus.

Das HRRS umfasst die vier Schritte Risikobeurteilung, Programmimplementierung, Kontrolle und Berichterstattung. Es zielt darauf ab, systematisch Risiken und potenziell negative Auswirkungen unseres unternehmerischen Handelns auf die Achtung der Menschenrechte frühzeitig zu erkennen, zu vermeiden und, falls erforderlich, adäquate Maßnahmen einzuleiten. Damit dient das HRRS neben dem Schutz des Unternehmens insbesondere dem Schutz Dritter, den sogenannten Rechteinhabern. Daimler baut das HRRS Schritt für Schritt weiter aus und bezieht dabei externe Stakeholder mit ein. Unter anderem tauschen wir uns mit internationalen NGOs zu menschenrechtlichen Risiken beim Abbau bestimmter Rohstoffe aus und führen einen jährlichen »Daimler Sustainability Dialogue« (Vgl. daimler.com/dokumente/nachhaltigkeit/sonstiges/sd2020-gesamtuebersicht-plenary-reports-arbeitsgruppen-de.pdf) durch. Dort diskutieren und prüfen wir jährlich unsere Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung unseres Managementansatzes. Anschließend werten die Fachbereiche die Ergebnisse und Impulse der Stakeholder aus und binden sie in ihre Arbeitsprozesse ein.

Im Rahmen der Integration des HRRS in das Daimler-weite Compliance Management System werden die eigenen Konzerngesellschaften in Mehrheitsbeteiligung analog zu anderen Compliance-Feldern wie etwa Anti-Korruption auf mögliche menschenrechtliche Risiken überprüft. Im ersten Schritt werden die Konzerngesellschaften auf Basis festgelegter Kriterien klassifiziert: dazu gehören beispielsweise landesspezifische und geschäftsspezifische Risiken. Der Fokus liegt dabei auf den für Konzerngesellschaften identifizierten wichtigsten Menschenrechtsthemen, die unter anderem Arbeitnehmerrechte, Diversität und Sicherheit umfassen. Dabei berücksichtigen wir zentrale menschenrechtliche Normen, die sich etwa aus der internationalen Menschenrechtscharta ergeben oder die von der Internationalen Arbeitsorganisation formuliert wurden. Auf dieser Basis führen wir jährlich eine tiefergehende Analyse mithilfe einer Menschenrechtsumfrage durch und leiten daraus risikospezifische Maßnahmenpakete ab.

In der Berichtsperiode kam diese neu entwickelte Methodik erstmalig bei Konzerngesellschaften mit einem erhöhten Risiko zum Einsatz. Die lokalen Compliance-Verantwortlichen, die Teil unseres weltweiten Compliance-Netzwerks sind, unterstützen bei der Beantwortung der Menschenrechtsumfrage in den Konzerngesellschaften. Um durch die Umfrage aussagekräftige Einblicke zu gewinnen, wurden die Compliance-Experten vorab in einem intensiven, auf sie zugeschnittenen Online-Training darauf geschult, die menschenrechtlichen Risiken unserer Fokusbereiche erkennen zu können. So konnten wir die konkreten Risiken vor Ort identifizieren und in Dialogen mit den Compliance Verantwortlichen der jeweiligen Konzerngesellschaft weiter erschließen. Die Ergebnisse dieser tiefergehenden Risikoanalyse werden entsprechend dokumentiert und fließen in die Entwicklung zielgerichteter Maßnahmen zur Minimierung menschenrechtlicher Risiken ein. Für die kommenden Jahre planen wir die kontinuierliche Weiterentwicklung dieser Analyse und die Ausweitung auf alle Konzerngesellschaften in Mehrheitsbeteiligung. Damit einher geht die Entwicklung von risikospezifischen Maßnahmenpaketen, die wir entsprechend der Risikoklassifizierung der jeweiligen Konzerngesellschaften zur Verfügung stellen. Diese dienen dazu, systematisch menschenrechtlichen Risiken vorzubeugen.

Ein besonderes Augenmerk legen wir auf unsere vorgelagerte Produktionsmaterial-Lieferkette: Hier ist es besonders wichtig, potenzielle menschenrechtliche Risiken und negative Auswirkungen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Die von uns für die Lieferkette identifizierten wichtigsten Menschenrechtsrisiken spiegeln sich in den Standards für unsere Lieferanten (Daimler Supplier Sustainability Standards) wider und umfassen unter anderem Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Arbeitnehmerrechte. In einer tiefergehenden Risikoanalyse werden zudem rohstoffspezifische Schwerpunktthemen weiter konkretisiert oder eingegrenzt. Je nach der jeweiligen Verarbeitungsstufe des Produkts innerhalb der Lieferkette (z.B. Bergwerk, Raffinerie, Verarbeiter oder Plantage) können die spezifischen Risiken unterschiedlich sein. Beispielsweise haben wir zwar Kinderarbeit sowie Gesundheit und Sicherheit als dringlichste menschenrechtliche Risiken für Kobalt identifiziert, wohingegen sich die mit der Beschaffung und Verarbeitung von Lithium verbundenen Risiken größtenteils auf Rechte beziehen, die durch die extensive Nutzung von Wasser an den Beschaffungsstandorten beeinträchtigt werden. Mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Menschenrechtsverstöße beim Abbau von Rohstoffen zu vermeiden, arbeiten wir zudem eng mit relevanten Stakeholdern in den rohstoffspezifischen Lieferketten zusammen. Rohstoff-Initiativen, wie zum Beispiel die Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA), der wir im Berichtsjahr beigetreten sind, fungieren dabei als wichtige Plattformen. Sie stellen branchenübergreifende Mechanismen bereit, wie Auditstandards oder Zertifizierungssysteme, die unter anderem helfen, die Herkunft von Materialien wie Kobalt, Eisenerz oder des zur Aluminiumherstellung benötigten Bauxits nachvollziehbar zu machen.

Wir wollen bei diesem wichtigen Thema weiterhin erkennbare Fortschritte machen. Die Achtung und Wahrung der Menschenrechte ist deshalb eines der Fokusthemen unserer nachhaltigen Geschäftsstrategien. Wir haben uns messbare Ziele gesetzt, die wir konsequent verfolgen.

Im Rahmen einer Vorab-Risikoabschätzung haben wir 27 Dienstleistungsbereiche und 24 Rohstoffe identifiziert, deren Einsatz, Gewinnung und Weiterverarbeitung menschenrechtlich potenziell kritisch sind. Unser Ziel ist es, bis 2028 für 100 % unserer Produktionsmaterial-Rohstoffe, die ein höheres Risiko für Menschenrechtsverletzungen bergen, entsprechende Maßnahmen zu definieren und umzusetzen. Bis Ende 2020 hatten wir uns zum Ziel gesetzt, 20 % der Rohstoffe mit höchstem Risiko zu überprüfen; bis 2025 sollen es 70 % sein. Grundlegend dafür ist es, die Transparenz und Rückverfolgbarkeit innerhalb unserer Lieferketten weiter zu verbessern. Somit wollen wir potenzielle Risiken und negative Auswirkungen frühzeitig erkennen. Die Überprüfung besteht im Wesentlichen aus drei Schritten. Wir wollen:

1. Transparenz entlang der Rohstoff-Lieferketten bei bestimmten Fokusbauteilen – beispielsweise bei Batteriezellen – schaffen

2. Risiko-Hot-Spots in diesen Lieferketten identifizieren und

3. Maßnahmen definieren und implementieren, die die Risiko-Hot-Spots adressieren.

Bis Ende 2020 haben wir 24 % aller Rohstoffe mit hohem Risiko einer Überprüfung unterzogen. Unsere langfristigen Ziele:

  • Für unsere Dienstleistungslieferketten verfolgen wir im ersten Schritt das Ziel, 100 % unserer Dienstleistungs-Warengruppen mit hohem Risiko für Menschenrechtsverletzungen bis 2021 einer ersten Überprüfung zu unterziehen.
  • Bis 2025 wollen wir 70 % aller von uns eingesetzten Produktionsmaterial-Rohstoffe mit hohem Risiko für Menschenrechtsverletzungen einer Überprüfung unterziehen und notwendige Verbesserungsmaßnahmen definieren.
  • Unser Ziel ist es, bis 2028 für 100 % unserer Produktionsmaterial-Rohstoffe, die ein höheres Risiko für Menschenrechtsverletzungen bergen, entsprechende Maßnahmen zu definieren und umzusetzen.

Weitere Informationen finden Sie ab Ende März 2021 im Daimler Nachhaltigkeitsbericht.

Sozialbelange
Gesamtaussage zur wirtschaftlichen Lage